Andy Burnham als Premier – Schafft er mehr als seine Vorgänger?
Andy Burnham ist der siebte britische Premier in zehn Jahren. Ob er sich länger hält, hängt laut Experten von einem entscheidenden Faktor ab.

Grossbritannien hat erneut einen neuen Premierminister.
Andy Burnham übernahm das Amt am Montag offiziell von Keir Starmer, wie das «SRF» berichtet.
Er ist bereits der siebte Regierungschef innerhalb von zehn Jahren, wie «ZDFheute» festhält. Für viele Briten ist diese Amtswechsel-Serie ein Zeichen tiefer politischer Instabilität.
Chaos seit dem Brexit
Freier London-Journalist Sascha Zastiral erklärt im «SRF», woher die Dauerkrise der britischen Regierungen kommt.
Bis 2016 habe es mit David Cameron noch einigermassen stabile Verhältnisse gegeben. Dann löste der Brexit heftige Flügelkämpfe innerhalb der konservativen Partei aus, die direkt ins Chaos führten.
Der Austritt aus der EU habe die britische Politik seither nachhaltig destabilisiert, so die Einschätzung des Grossbritannien-Experten gegenüber dem «SRF».
Druck der Rechtspopulisten
Andy Burnham tritt sein Amt in einem politisch angespannten Umfeld an. Die rechtspopulistische Reform UK von Nigel Farage führt seit Monaten die Umfragen an, berichtet der «ORF».
Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai hatte Labour eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Viele hoffen, dass Burnham als einer der beliebtesten Politiker des Landes das Ruder herumreissen kann.
Burnham selbst hatte sich in einem Nachwahl-Sieg in Makerfield nahe Manchester bereits gegen einen Reform-UK-Kandidaten durchgesetzt. Diesen Erfolg bezeichnete er als möglichen «Wendepunkt» – nur wenige Tage danach kündigte Keir Starmer seinen Rücktritt an.
Andy Burnham verspricht Einigung der Partei
Auch Keir Starmer habe den linken Parteiflügel kaltgestellt, anstatt die Partei zu einen, berichtet das «SRF».
Andy Burnham hat nun angekündigt, diesen innerparteilichen Streit beenden zu wollen.
Ob das gelingt, werde sich laut Zastiral bereits in den ersten Tagen im Amt zeigen müssen. Der Experte betont, dass eine Überwindung der Flügelkämpfe die Grundvoraussetzung für eine längere Amtszeit sei.
Manchesterism als Blaupause
Andy Burnham stützt sich stark auf seine Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester, wie das «SRF» schildert.
Dort habe er eine traditionell sozialdemokratische Politik betrieben und Grundbedürfnisse der Bevölkerung in den Fokus gestellt.
Gleichzeitig sei Burnham stets wirtschaftsfreundlich aufgetreten. Genau dieses Modell will er nun auf ganz Grossbritannien übertragen.
Lebenshaltungskosten als grösste Baustelle
Laut «ZDFheute» will Andy Burnham Kompetenzen weg von Westminster in die Regionen verlagern.
Er verfolge das Ziel, «Wachstum in jeder Postleitzahl» zu erreichen, und nenne Deutschland als föderales Vorbild.

Die Senkung der Lebenshaltungskosten sei dabei seine dringlichste Aufgabe, berichtet das «SRF». Andy Burnham habe angekündigt, noch in der ersten Amtswoche konkrete Massnahmen vorstellen zu wollen.
Zehnjahresplan mit offenem Ausgang
Andy Burnham spricht von einem Zehnjahresplan – bezogen auf die Erneuerung des Landes, nicht seine Amtszeit, so das «SRF». Dennoch habe er signalisiert, dass er gern tatsächlich ein Jahrzehnt im Amt bliebe.
Experte Zastiral sieht das als ambitioniertes Ziel, das von der Einigung der Labour-Partei abhängt.
Als Ex-Bürgermeister einer Region mit rund 600 Angestellten habe Burnham zwar Verwaltungserfahrung. Doch die nationale Bühne sei nochmals eine ganz andere Nummer, so der Grossbritannien-Beobachter gegenüber dem «SRF».












