Yvonne Bürgin: «Deshalb ist 10-Millionen-Initiative keine Lösung»
Am 14. Juni sagt die Zürcher Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin Nein zur Nachhaltigkeits-Initiative. Ein Gastbeitrag.

Die Schweiz wächst und viele Menschen spüren das im Alltag. Steigende Mieten, volle Züge, dichter Verkehr. Auch in meiner Gemeinde sind diese Themen präsent. Das beschäftigt die Menschen – und das nehme ich ernst.
Gerade deshalb überzeugt mich die 10-Millionen-Initiative nicht. Sie greift zwar ein reales Problem auf, liefert aber keine Lösung.
Ein starrer Bevölkerungsdeckel ist Symbolpolitik. Er verspricht Kontrolle, ohne die Ursachen anzugehen. Unsere Herausforderungen liegen beim Wohnraum, bei der Infrastruktur, beim Verkehr – und genau dort setzt die Initiative nicht an.
Hinzu kommt: Die Initiative greift tief in unser bewährtes System ein. Sie stellt die Personenfreizügigkeit und damit den bilateralen Weg infrage.

Über die Guillotine-Klausel hängen diese Abkommen zusammen – fällt eines weg, geraten auch andere unter Druck. Für ein Land wie die Schweiz, das stark vom Austausch mit Europa lebt, ist das ein erhebliches Risiko.
Für mich ist deshalb klar: Ein Nein zur Initiative ist kein Wegschauen. Im Gegenteil. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir die Probleme wirklich lösen können.
Denn Wachstum ist nicht per se negativ. Die Schweiz ist attraktiv, wirtschaftlich stark und stabil – das ist ein Erfolg. Aber Wachstum muss gestaltet werden. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern wie wir damit umgehen.

Wir brauchen ein qualitatives Wachstum: Mehr Wertschöpfung, mehr Innovation, mehr Effizienz – nicht einfach mehr Menschen. Gerade mit Blick auf die Alterung unserer Gesellschaft wird klar: Wir sind auf Arbeitskräfte angewiesen.
Gleichzeitig müssen wir das Potenzial im Inland besser nutzen und die Rahmenbedingungen so setzen, dass Infrastruktur, Wohnraum und Arbeitswelt Schritt halten können.
Das bedeutet konkret: Schneller und gezielter bauen, Infrastruktur besser nutzen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken und Innovation fördern. Genau daran arbeiten wir in der Mitte – mit konkreten parlamentarischen Vorstössen, die auf echte Lösungen abzielen.
Es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Eine fixe Zahl in der Verfassung löst keine Probleme. Sie schafft neue.
Diese Initiative ist das falsche Rezept. Sie blockiert, statt zu steuern. Sie vereinfacht, wo Differenzierung nötig wäre. Und sie gefährdet, was unsere Schweiz stark macht.
Darum empfehle ich ein Nein.
Zur Autorin
Yvonne Bürgin ist Zürcher Nationalrätin und Fraktionspräsidentin Die Mitte-EVP-Fraktion.








