Viola Amherd

    Viola Amherd wirbt nach F-35-Fiasko für mehr Frauen in der Politik

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Bern,

    Viola Amherd will mehr Frauen in der Politik. Doch ihre Karriere zeigt: Frauen werden für Fehler oft härter kritisiert als Männer.

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    Frauen gehören ins Bundeshaus. Dafür macht sich unter anderem auch alt Bundesrätin Viola Amherd stark. - LinkedIn/@alliance F – Bund Schweizerischer Frauenorganisationen

    Das Wichtigste in Kürze

    • Viola Amherd geriet wegen des F-35-Debakels und des versprochenen Fixpreises unter Druck.
    • Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger sagt: Frauen werden bei Fehlern oft härter beurteilt als Männer.
    • Amherds Einsatz für mehr Frauen in der Politik sei deshalb wichtig, betont die Expertin.

    Alt Bundesrätin Viola Amherd hatte der Bevölkerung einen Fixpreis für die F-35-Kampfjets versprochen, den es gar nicht gibt. Dafür kriegte sie von der Geschäftsprüfungskommission sowie von Parteien links bis rechts aufs Dach.

    Die Kernpunkte der Kritik: ungenügende Führung, zu späte Information sowie das Übergehen des VBS-Rechtsdienstes. In vielen öffentlichen Voten wurde auch Amherds Kompetenz in Frage gestellt.

    Öffentlich zur Kritik geäussert hat sich die Oberwalliserin bislang nicht. Dafür meldet sie sich nun zu einem ihrer Hauptanliegen: der Frauenförderung.

    amherd
    Viola Amherd soll nicht den ganzen Bericht gelesen haben. - keystone

    Just nach der Debatte um das F-35-Debakel geht ein Video der Frauenorganisation «Alliance F» online.

    Ex-Mitte-Magistratin (2019–2025) Amherd will mit der Kampagne «Helvetia ruft» mehr Frauen in die Politik bringen. Gemeinsam mit den alt Bundesrätinnen Ruth Dreifuss (1993–2002), Doris Leuthard (2006–2018) und Simonetta Sommaruga (2010–2022).

    Doch: Ist Amherds Auftritt nicht schädlich? Das fragt das Portal «Persönlich.com» Co-Initiantin Flavia Kleiner in einem Interview.

    Sie antwortet: «Die Kampagne macht sich stark für eine repräsentative Vertretung der Frauen in der Politik, das ist ein übergeordnetes Thema.» Dann stellt sie klar, dass sie es nicht in Betracht gezogen habe, Amherd aus dem Video zu nehmen.

    «Frage stellt sich nur bei Frauen»

    Weiter dazu äussern wollen sich Kleiner und ihr Team auf Nau.ch-Anfrage nicht.

    Nau.ch fragt deshalb bei Fabienne Amlinger nach. Die Geschichte von Frauen in der eidgenössischen Politik ist das Spezialgebiet der Geschlechterforscherin und Historikerin an der Universität Bern.

    «Dass die Frage überhaupt aufkommt, ist spannend», sagt sie. «Ginge es um einen Mann und seine Politik, würde sich kaum die Frage stellen, ob Kritik auf andere Männer abfärbe.»

    Braucht es mehr Frauen in der Politik?

    Bei Frauen sei das anders. «Wenn eine Frau einen Fehler macht, wird häufig nicht nur ihre Kompetenz, sondern die Kompetenz aller Frauen infrage gestellt. Das ist ein grundlegendes gesellschaftliches Problem.»

    Amlinger nimmt keine inhaltliche Stellung zu Amherd und dem F-35-Deal. Sie stellt aber klar: «Kritik an einer Bundesrätin ist nicht zwingend frauenfeindlich. Auch Frauen machen Fehler, tragen Verantwortung und dürfen dementsprechend kritisiert werden.»

    Kritik an Politikerinnen muss immer im Kontext betrachtet werden

    Der entscheidende Punkt sei ein anderer. «Frauen sind in der Politik nach wie vor deutlich in der Minderheit. Auch die Beurteilung ihrer Arbeit ist von geschlechterspezifischen Erwartungen geprägt. Politische Kritik findet deshalb unter Voraussetzungen statt, die für Frauen und Männer unterschiedlich sind.»

    Heisst: Wird eine Frau kritisiert, geschieht das in einem historisch von Männern geprägten und bis heute männlich dominierten Umfeld.

    Die Folge: «Männern wird mehr verziehen. Frauen sind bei Fehltritten zusätzlichen geschlechterspezifischen, frauenfeindlichen Bewertungen ausgesetzt. Diese verschärfen nicht nur die Kritik, sondern verstärken auch die Konsequenzen.»

    Das zeigte sich etwa im Fall der alt Bundesrätin Elisabeth Kopp (1984–1989). Sie musste zurücktreten, nachdem sie ihren Mann über Ermittlungen gegen eine Firma informiert hatte, in deren Verwaltungsrat er sass. Später wurde Kopp vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen.

    «Für viele Frauen war der Fall ein abschreckendes Beispiel dafür, was ihnen in der Politik drohen kann», weiss Amlinger.

    Dass die Kritik an Viola Amherd einen ähnlichen Effekt haben könnte, erwartet die Expertin nicht. Vielmehr gehe es um eine grundsätzliche Frage.

    Nämlich: «Wie wirkt sich der Umgang mit Politikerinnen auf die politischen Ambitionen von Frauen aus?»

    Konkret: «Frauen sehen, was Politikerinnen aushalten müssen, und fragen sich: Will ich mir das antun?», so Amlinger.

    Viola Amherd sprengte alle Regeln

    Bei Amherd komme eine besondere Konstellation hinzu. «Viola Amherd hatte als Bundesrätin eine enorm machtvolle Position inne und gleichzeitig das am männlichsten geprägte Departement, das VBS. Das widersprach gleich mehreren historischen gewachsenen Vorstellungen darüber, wer welche Macht ausübt.»

    Dass gerade bei ihr die Kompetenz besonders stark infrage gestellt werde, müsse deshalb auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden. «In einem männlich geprägten Umfeld wird die Kompetenz von Frauen schneller angezweifelt.»

    Der Aufruf von Viola Amherd und weiteren alt Bundesrätinnen für mehr Frauen in der Politik sei deshalb wichtig. «Nur wenn Frauen gleichberechtigt mitentscheiden, wird die Demokratie ihrem Anspruch gerecht.»

    Denn solange Frauen in der Minderheit bleiben, gebe es keinen gleichberechtigten Einfluss auf politische Entscheidungen. «Es braucht mehr Frauen, damit politische Macht gleichberechtigt verteilt wird», betont die Geschlechterforscherin.

    Alt Bundesrätin Viola Amherd war für Nau.ch für eine Einschätzung zu diesem Thema nicht erreichbar.

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    Kommentare

    User #5944 (nicht angemeldet)

    Wir brauchen ganz im Allgemeinen mehr Diversität in unserer Politik. Die Hälfte der Bevölkerung ist in Bundesbern nicht vertreten. Ausnahmen machen einzig Arslan, Bullakaj, Molina und Funicello.

    User #6441 (nicht angemeldet)

    Frau Amherd hat kläglich versagt

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