SVP hält sich gegen Ernährungssouveränität zurück

    Christof Vuille
    Christof Vuille

    Bern,

    Eine Mehrheit der SVP-Wählerschaft befürwortet die Ernährungs-Initiativen. Die Partei sagt Nein, hält sich aber zurück. Jetzt nennt Präsident Rösti Gründe.

    Albert Rösti
    Der frühere SVP-Chef Albert Rösti. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die SVP-Basis zeigt grosse Sympathien für die Ernährungsinitiativen.
    • Die Partispitze lehnt diese ab, zeigt aber wenig Einsatz im Abstimmungskampf.
    • Mit ein Grund ist der schwelende Bauern-Streit zwischen Schneider-Ammann und der SVP.

    Es war ein Schock für die bürgerlichen Parteien: Über 75 Prozent wollen gemäss der ersten SRG-Umfrage ein Ja zu den Initiativen für Fairfood und Ernährungssouveränität einlegen. Auffallend: Auch die SVP-Wähler zeigen grosse Sympathie für die Anliegen von links.

    Das verwundert indes nur bedingt. Schliesslich würden die oft SVP-nahen Bauern zumindest auf den ersten Blick von einer Annahme profitieren. Hält sich die SVP deswegen so stark zurück? Die Abstimmungs-Arena zur Ernährungssouveränität vom letzten Freitag fand ohne wirkliche SVP-Beteiligung statt. 15 nationale Politiker hätten abgesagt, legte Moderator Jonas Projer offen.

    Schneider-Ammann: SVP-Absenz wegen Schwingfest am Freitag

    Darauf angesprochen sagte der zuständige Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), es fände «heute Abend wohl ein Schwingfest oder ein Fussballspiel» statt. Er werde jedenfalls mit der Parteispitze Gespräche führen, um mehr Unterstützung zu erhalten. Gemäss Nau-Informationen fanden solche mittlerweile auch tatsächlich statt.

    Bundesrat Johann Schneider-Ammann legte in der «Arena» die ablehnende Haltung der Landesregierung dar.
    Bundesrat Johann Schneider-Ammann legte in der «Arena» die ablehnende Haltung der Landesregierung dar. - Screenshot SRF

    SVP-Präsident Albert Rösti gibt sich auf Anfrage dennoch zurückhaltend – und stichelt gegen den Bundesrat: «Sachpolitisch lehnen wir beide Vorlagen deutlich ab. Ich kann aber verstehen, dass unsere Bauern und Parlamentarier zurückhaltend sind, an vorderster Front mit Bundesrat Schneider-Ammann zu marschieren.»

    SVP will sich auf eigene Initiative konzentrieren

    Denn mit seiner Gesamtschau zur Agrarpolitik habe Schneider-Ammann bei der SVP viel Vertrauen verloren. Streitpunkt ist dabei der vorgesehene Abbau des Grenzschutzes. Die SVP setze sich in den nächsten Wochen im Rahmen des Nein-Komitees gegen die Vorlage ein. Aber, so Rösti offen: «Als Partei konzentrieren wir uns bereits auf die Selbstbestimmungsinitiative.»

    Bauern sortieren Kartoffeln: Der Nationalrat lehnt die Initiative für Ernährungssouveränität ab.
    Bauern sortieren Kartoffeln: Der Nationalrat lehnt die Initiative für Ernährungssouveränität ab. - Keystone

    In der Pflicht sieht der SVP-Chef aber den Landwirtschaftsminister: «Es ist nun vor allem ein klares Signal von Bundesrat Schneider-Ammann notwendig, dass der Grenzschutz auch nach einem Nein nicht angetastet wird.»

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