So helfen Parlamentarier ukrainischen Flüchtlingen

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Erste Geflüchtete sind schon in der Schweiz eingetroffen. Einzelne Parlamentsmitglieder bereiten sich darauf vor, ihnen Hilfe zu leisten.

    Flüchtlinge Ukraine Nationalrar
    In Trogen AR werden erste Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine im Kinderdorf Pestalozzi untergebracht. Die Nationalratsmitglieder Christine Bulliard-Marbach (Mitte/FR) und Nik Gugger (EVP/ZH) wollen solchen Geflüchteten helfen. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Solidarität gegenüber ukrainische Flüchtlingen hierzulande ist gross.
    • Auch Mitglieder des Parlaments wollen helfen und haben erste Projekte gestartet.
    • Einerseits sollen Wohnungen verfügbar sein, andererseits Hilfe vor Ort finanziert werden.

    «Wir hören häufig, dass Politiker reden, aber nichts Konkretes machen», sagt Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (Mitte). «Ich wollte in dieser traurigen Situation aber mit konkreten Aktionen helfen und nicht nur spenden.»

    Flüchtlinge Ukraine Zürich
    Eine Frau und ihre zwei Töchter kommen in Zürich nach ihrer Flucht aus der Ukraine an, 9. März 2022. - Keystone

    Die Freiburgerin teilt das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, welches Viele in der Schweiz verspüren. Rund zwei Millionen Personen sind seit Kriegsbeginn aus der Ukraine geflüchtet. Die allermeisten sind Frauen und Kinder, weil die Männer der Wehrpflicht unterliegen. Sie haben nur das Nötigste dabei, wissen nicht, wo sie die nächste Nacht verbringen können.

    Cassis Glückskette
    Mittwoch, 9. März 2022: Bundespräsident Ignazio Cassis sammelt für die Glückskette Spenden, die an ukrainische Flüchtlinge gehen. - Nau.ch/Drone-Air-Media.ch

    Die Glückskette sammelte am Mittwoch über 80 Millionen Franken für ukrainische Flüchtlinge. Auch ihr habe Bulliard-Marbach, so wie der Rest der Mitte-Fraktion, Geld gespendet, erzählt sie. Aber eben: Sie wolle mehr machen.

    Erfahrener Spendensammler Nik Gugger wird wieder aktiv

    Nik Gugger, EVP-Nationalrat, kennt sich mit Spendenaktionen aus. Der Zürcher organisierte während des Höhepunkts der Covid-Krise in Indien eine Spende von Medizingütern. Im Angesicht einer erneuten humanitären Krise hat Gugger vor einigen Tagen eine Spenden-Plattform für Ukrainerinnen und Ukrainer gestartet. Und tüftelt gemeinsam mit Fraktionskollegin Christine Bulliard-Marbach an einer weiteren Aktion.

    «Ich habe den Mitarbeitern meines Gasthofs vorgeschlagen, etwas zu machen», sagt die Freiburgerin. «Sie waren alle sofort einverstanden und hatten selber eine Idee.» Der Gasthof Schlüssel in ihrem Heimatdorf werde im April ein Spezial-Menü für 100 Franken verkaufen.

    «Der Erlös würde an die Organisation ‹World Vision› gehen. Mein Schwiegersohn ist dort CEO, es ist ein Hilfswerk für Kinder», erklärt Bulliard-Marbach weiter.

    Schlüssel Ueberstorf Berset
    Der Gasthof Schlüssel in Ueberstorf FR macht bei einer Spendenaktion für ukrainische Flüchtlinge mit: Hier ein Bild von Alain Berset im Gasthof Schlüssel, 2017. - Keystone

    Ihre Lieferanten, die alle im selben Dorf wirtschaften, müssten noch zustimmen. «Aber ich gehe davon aus, dass das der Fall sein wird», sagt sie lächelnd. «Das wäre schön, gemeinsam ein Zeichen setzen zu können.»

    In Absprache mit Nik Gugger habe sie auch eine Wohnung über dem Gasthof für Geflüchtete zur Verfügung gestellt.

    Das polnische Rote Kreuz soll profitieren

    «Aber auch andere Bekannte von mir helfen tatkräftig mit», erklärt der EVP-Politiker. «Einige sind an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren, um Hilfsgüter abzugeben und Flüchtlinge in die Schweiz zu bringen.»

    Nik Gugger weist darauf zu, dass er im Gegenzug für Spenden unter anderem Gratis-Übernachtungen verlose: Das habe er mit dem Direktor des Hotels Bern und mit Bulliard-Marbach so abgemacht.

    Schweiz Humanitäre Hilfe Ukraine
    Ein Mitglied des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) stellt gemeinsam mit der ukrainischen Caritas und dem ukrainischen Zivilschutz ein von der Schweiz geliefertes Zelt an der polnischen Grenze auf. - Keystone

    Für seine Spendenaktion habe Gugger vorerst ein Ziel von 20'000 Franken festgesetzt. Bisher seien im Schnitt täglich zwischen 1000 und 1500 Franken gespendet worden, sagt er. «Das Ziel ist, so schnell wie möglich die Spenden dem polnischen Roten Kreuz zu überreichen.» Diese könne Hilfe vor Ort leisten und die Menschen mit wichtigen Medikamenten oder Wasser versorgen.

    Haben Sie an die Ukraine gespendet?

    Einige Nationalratskollegen und -kolleginnen hätten schon etwas Geld beigesteuert, «ich konnte einige motivieren», sagt Gugger. «Ich finde es menschlich sehr wichtig zu sehen, dass alle bei diesem Projekt dabei sind», fügt Christine Bulliard-Marbach hinzu. «Wir fühlen uns alle ein bisschen ohnmächtig und es ist schön und nötig, zu helfen.»

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