Der Bundesrat warnt vor einer Gas- und Strommangellage. Wirtschaft und Industrie begrüssen die Bestrebungen des Bundes, fordern aber eine Sofort-Kampagne.
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Energieministerin Simonetta Sommaruga will die Bevölkerung nicht im Sommer zum Gassparen aufrufen – Wirtschaft und Industrie hingegen fordern eine sofortige Sensibilisierungskampagne. - keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Wirtschaft und Industrie warnen vor gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden.
  • Eine Gasmangellage wäre «existenzbedrohend» für viele Betriebe.
  • Privathaushalte könnten bereits jetzt ohne Komforteinbussen einen Beitrag leisten.

In der Schweiz wird eine Mangellage immer wahrscheinlicher: Russland drosselte bereits die Gaslieferungen an den Westen, und auch der Strom könnte in der Schweiz knapp werden. Der Bundesrat hat am Mittwoch darüber informiert sowie seine Szenarien und Massnahmen präsentiert. Im schlimmsten Fall muss das Gas kontingentiert werden. Betroffen davon wären Wirtschaft und Industrie, Haushalte würden ausgenommen.

Die Verbände von Wirtschaft und Industrie, Economiesuisse, Suissemem und Scienceindustries, warnen in einer gemeinsamen Mitteilung: «Eine Gasmangellage würde grosse wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden verursachen.» Sie wäre für die Mehrheit der Firmen «existenzbedrohend». Die Verbände unterstützen die Bestrebungen des Bundes zur Sicherung der Gasversorgung und die Gas-Sparkampagne, wollen diese aber sofort.

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Russland stellt die Gas-Lieferungen an einige europäische Länder bereits komplett ein. - sda - Keystone/Lehtikuva/Vesa Moilanen

Bundesrätin Simonetta Sommaruga betont gegenüber «SRF», dass eine Sensibilisierungskampagne gemacht werde. «Mit Tipps, wo man sparen kann, man kann ja auch Geld sparen beim Strom und Gas.» Der grösste Teil des Gases wird in der Schweiz im Winter gebraucht. Deshalb wäre es «komisch, jetzt den Leuten zu sagen, sie sollen weniger fest mit Gas heizen», so die Energieministerin.

Davon halten Wirtschaft und Industrie wenig: «Die Sparkampagne muss jetzt gestartet werden.» Um tatsächlich einen namhaften Einsparungseffekt erzielen zu können, müsse die ganze Bevölkerung rechtzeitig auf den Herbst hin sensibilisiert werden.

Wirtschaft und vor allem auch Privathaushalte und Freizeiteinrichtungen könnten schon heute mit Verbrauchsreduktionen ohne Komforteinbusse einen grossen Beitrag leisten. Die Kampagne müsse so schnell wie möglich auf den Boden gebracht werden: «Je früher und je klarer kommuniziert wird, desto besser.»

Versuchen Sie, Gas und Strom zu sparen?

Klar kommuniziert hat auch der Bundesrat, da es wichtig sei, gegenüber der Bevölkerung und der Wirtschaft ehrlich zu sein. Simonetta Sommaruga: «Wir können eine Mangellage in der Zukunft nicht ganz ausschliessen.»

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