Schweizer Spitäler: Chefärzte verdienen teils mehr als Bundesräte

    Vivian Balsiger
    Vivian Balsiger

    Zürich,

    Mehr Kosten für die Versicherten, mehr Lohn für die Spitze: Manche Spitzenärzte verdienen hierzulande mehr als ein Bundesrat.

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    Hierzulande verdienen Chefärzte teilweise besser als eine Bundesrätin. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Chefärzte in der Schweiz verdienen teils mehr als ein Bundesrat – trotz Spitalkrisen.
    • Viele Spitäler legen die hohen Kaderlöhne nur ungern offen – oder gar nicht.
    • Bei den Spitallöhnen gehen die Meinungen der Experten und Politiker auseinander.

    Die Krankenkassenprämien steigen, viele Spitäler schreiben rote Zahlen. Doch gleichzeitig kassieren manche Chefärzte an öffentlichen Spitälern Hunderttausende Franken – teilweise mehr als ein Bundesrat.

    Der «Blick» listet auf: Einige Kaderärzte kommen auf Jahreslöhne von über 700'000 Franken, einzelne sogar auf rund 850'000 Franken.

    Der Lohn einer Bundesrätin oder eines Bundesrats liegt bei 478'166 Franken.

    Die Zeitung hat bei knapp 20 öffentlichen Spitälern in der ganzen Schweiz nachgefragt. Viele öffentliche Spitäler wollten demnach ihre Chefarztlöhne nur ungern offenlegen – oder gar nicht.

    Zürich hält Lohndaten unter Verschluss

    Im Kanton Zürich gilt per Gesetz ein Lohndeckel von einer Million Franken. Das gilt sowohl für das Universitätsspital Zürich als auch für das Kantonsspital Winterthur. Wie viel die Chefärzte dort tatsächlich verdienen, geben die beiden Spitäler aber nicht preis.

    Transparenter zeigt sich das Universitätsspital Basel. Laut einer Sprecherin beziehen dort «weniger als eine Handvoll Chefärzte» einen Jahreslohn von rund 850'000 Franken. Künftig könnten diese Löhne im Kanton Basel-Stadt veröffentlicht werden. Das Kantonsparlament hat einen entsprechenden Vorstoss der SP bereits gutgeheissen.

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    Yvonne Gilli, Präsidentin der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). - keystone

    Weiter ist der Kanton Bern: Als einziger Kanton schreibt er die Offenlegung der Chefarztlöhne gesetzlich vor. Die Zahlen sprechen für sich: 2024 verdienten die beiden Spitzenverdiener mehr als 700'000 Franken. Bei weiteren 15 Personen lagen der Lohn zwischen 600'000 und 700'000 Franken.

    FMH-Präsidentin schiesst scharf

    Yvonne Gilli, Präsidentin der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), spart nicht mit Kritik. Sie sagt der Zeitung: «Wenn Ärzte in öffentlichen Spitälern Millionengehälter zulasten der Sozialversicherung kassieren, ist das unhaltbar!»

    Gilli stört sich daran, dass «eine kleine Minderheit damit einen Reputationsschaden für die gesamte Branche» anrichte.

    Findest du die hohen Chefarzt-Löhne gerechtfertigt?

    SP-Nationalrätin Sarah Wyss kritisiert die Millionenlöhne: «Es ist nicht nachvollziehbar, dass einzelne Personen derart viel verdienen.»

    Wyss verlangt eine fairere Lohnverteilung innerhalb der Spitäler. Auch das Pflegepersonal soll «gerechter entschädigt werden».

    «Pauschales Ärzte-Bashing»

    FDP-Ständerat Damian Müller sieht das anders: «Ich wehre mich gegen ein pauschales Ärzte-Bashing.»

    Seine Begründung: Ärzte würden grosse Verantwortung tragen. Gleichzeitig spricht er sich für mehr Transparenz gegenüber den Prämienzahlenden aus.

    Auch SVP-Ständerat Hannes Germann sieht keinen politischen Handlungsbedarf bei den Löhnen. «Die Spitäler sind in der Verantwortung, die Löhne der Chefmediziner angemessen festzusetzen», sagt er.

    Für ihn sind die hohen Löhne von Krankenkassen-CEOs problematischer: «Die Ärzte erbringen wenigstens einen medizinischen Mehrwert», so Germann.

    Kommentare

    User #8375 (nicht angemeldet)

    Darum ändert sich bei den KK-Prämien nichts, weil die von Bern sich das leisten können.

    User #1955 (nicht angemeldet)

    Ärzte sind in der Schweiz halt immer noch Götter in weiss. Und steinteitliche Modell, bei dem Chefärzte ganze Kliniken führen, ist längst überholt und damit auch die horrende Gehälter. Aber die Lobby ist stark, sehr stark.

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