Schweizer Armee will Raketen mit 1000 Kilometern Reichweite
Die Schweizer Armee will sich neu ausrichten – die Verteidigung soll grossräumiger werden. Eine wichtige Rolle könnten dabei US-amerikanische Raketen spielen.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweizer Landesverteidigung soll es einen Paradigmenwechsel geben.
- Die Armee denkt über die Beschaffung neuer Marschflugkörper nach.
- So könnten Ziele in grösserer Entfernung ins Visier genommen werden.
Die Schweizer Landesverteidigung ist eigentlich darauf ausgerichtet, die Landesgrenzen zu schützen. Potenzielle Angreifer sollen so aufgehalten werden.
Die Zeiten ändern sich allerdings: Neue Entwicklungen in der Kriegsführung stellen diese Strategie immer mehr infrage. Denn mit Raketen oder Drohnen können Tausende Kilometer zurückgelegt werden. Die Verteidigung an der Landesgrenze könnte irgendwann nicht mehr ausreichen.
Entsprechend plant die Armee eine Neuausrichtung. In einer Broschüre von 2023 heisst es: «Die Armee prüft derzeit Möglichkeiten, um Schlüsselziele auch auf grössere Distanz mit weitreichendem Feuer bekämpfen zu können.»
Schweizer Armee will Angreifer abschrecken
«CH Media» berichtet nun unter Berufung auf zwei hochrangige Quellen, was das konkret heissen könnte. Die Armee denkt demnach über die Beschaffung des US-Marschflugkörpers «AGM-158B-2 JASSM» nach.
Viele Länder haben das Objekt bereits gekauft oder zumindest auf der Einkaufsliste. Unter anderem Israel, Polen oder Deutschland.
Und die Rakete des Herstellers Lockheed Martin hat es in sich: Die Reichweite beträgt 1000 Kilometer. Damit hätte die Armee die Möglichkeit, Ziele in grösserer Distanz zu bekämpfen. Die Beschaffung könnte in die Armeebotschaft für die Jahre 2028 bis 2031 einfliessen.
Gemäss dem Bericht will die Armee mit den Raketen zwei Ziele erreichen. Erstens soll es dadurch die Möglichkeit für weitreichende Gegenschläge geben. Zweitens sollen potenzielle Angreifer abgeschreckt werden.
Ein weiterer Pluspunkt: Der begehrte Marschflugkörper könnte vom F-35-Kampfjet aus abgefeuert werden. Die Schweiz hat 36 solche Flugzeuge bestellt.
Aktive, statt passive Verteidigung
Stefan Holenstein, Präsident des Verbands Militärischer Gesellschaften Schweiz, begrüsst den Paradigmenwechsel. Es sei «ein grosser, notwendiger Fortschritt in der Armee-Doktrin», sagt er. Man verteidige nicht mehr nur passiv, sondern aktiv.
Ähnlich sieht es SVP-Nationalrat Thomas Hurter. Man müsse heutzutage fähig sein, Angriffe auf das eigene Land auch ausserhalb der Landesgrenzen abzuwehren.