BAFU

    Röstis Bafu will keine Grenzwerte für vier Giftstoffe

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Für 11 Pestizide sollte das Bafu verschärfte Grenzwerte festlegen. Neu sind es noch 7 – weil die Bauern interveniert haben sollen.

    Herbizid Landwirtschaft Unkrautvertilger
    Nach der Aussaat der Spinatsamen auf einem Feld des Betriebs Gemüse Käser & Co. in Birmenstorf ZH bringt ein Traktor ein Herbizid aus, welches das Keimen von Unkraut vermindert, am 17. September 2019. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Bafu sollte für 11 Pestizide strengere Grenzwerte festlegen.
    • Bei 4 Giftstoffen, darunter ein PFAS, krebst es nun zurück – auf Druck der Bauern.
    • Der WWF warnt vor Schäden in Schutzgebieten und für die Fortpflanzungsfähigkeit.

    Die Gewässerschutzverordnung schützt Trinkwasser und Wasserlebewesen vor Pestiziden und deren Rückständen. Für 11 der problematischen Wirkstoffe sollen neue Grenzwerte festgelegt werden, statt wie bisher einfach pauschal 0,1 g/l. Denn einerseits genügen teilweise schon winzige Mengen, um Schaden anzurichten. Andererseits können heute solche geringe Mengen im Labor – anders als früher – auch nachgewiesen werden.

    Soweit so gut. Nur kommt das Bundesamt für Umwelt, angesiedelt im Uvek von Bundesrat Albert Rösti, nun zum Schluss: Bei vier dieser Stoffe will man doch nicht neue Grenzwerte haben.

    Bafu
    Das Bafu-Hauptgebäude in Ittigen BE. - Keystone

    Weil das sonst heissen könnte, dass Bauern diese Pestizide nicht mehr verwenden dürften. Dies zeigen Recherchen der «SRF Rundschau».

    PFAS: Gefahr für menschliches Hormonsystem

    Für den WWF Schweiz ist klar: Keine Grenzwerte zu setzen ist nicht nur für Schutzgebiete fatal, sondern auch für die menschliche Gesundheit. Bei einem der vier Stoffe handle es sich um den Unkrautvertilger Flufenacet. Dieser ist zwar nicht sehr lange in der Umwelt nachweisbar.

    Trifluoressigsäure TFA Pfas Grundwasser
    Trifluoressigsäure (TFA) kann flächendeckend in der ganzen Schweiz nachgewiesen werden, insbesondere dort, wo es viel Ackerland hat. - Bafu

    Sein Abbauprodukt, Trifluoracetat (TFA), aber schon: Es handelt sich um eine der sogenannten Ewigkeitschemikalien oder PFAS. Ende letzten Jahres wurde bekannt, dass das Bafu in allen über 500 Grundwasserproben TFA nachweisen konnte.

    Bereitet dir die Grundwasserverschmutzung durch «Ewigkeitschemikalien» Sorgen?

    Flufenacet schädigt nicht nur Wasserorganismen, es ist auch schädlich für das menschliche Hormonsystem. Das heisst, es kann Tumore verursachen oder etwa die Spermienzahl und -qualität beeinträchtigen. Weil sich das Abbauprodukt TFA sehr lange nicht weiter abbaut, reichert es sich im Boden und im Grundwasser an.

    Vorgeschlagener Grenzwert tausendfach überschritten

    Zwei der weiteren aus der Revisionsliste gestrichenen Wirkstoffe sind starke Nervengifte. Sie töten Insekten nur schon bei Kontakt. Bei beiden hat das vom Bund gegründete Oekotoxzentrum neue Grenzwerte vorgeschlagen.

    Neeracherried Schutzgebiet nationaler Bedeutung
    Das Neeracherried im Zürcher Unterland ist eines der letzten grossen Flachmoore der Schweiz. Es gilt als Natur- und Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung und ist in verschiedener Hinsicht bundesrechtlich geschützt. - keystone

    Beide Stoffe liessen sich in fünf von sechs der untersuchten Biotope von nationaler Bedeutung nachweisen, teilt der WWF Schweiz mit. Und zwar in vergleichsweise hohen Konzentrationen. Der eine Wirkstoff, Lambda-cyhalothrin, überschritt den vom Oekotoxzentrum vorgeschlagenen Grenzwert um das 18fache.

    Der andere, Deltamethrin, gar um das 1180fache. WWF-Sprecher Jonas Schmid hält fest: Durch den Eintrag von Pestiziden wird die Biodiversität geschädigt, die sich eigentlich genau in solchen Schutzgebieten gut entwickeln sollte.

    Bauern wollen keine Grenzwerte

    Einen solchen Grenzwert lehnten die Bauern gerade bei Deltamethrin aber ab. Dies sagt David Brugger, Leiter Pflanzenschutz beim Schweizer Bauernverband, gegenüber der «SRF Rundschau».

    Deltamethrin sei noch der letzte verbliebene Wirkstoff aus dieser Gruppe von Pestiziden. «Wenn dieser Wirkstoff wegfällt, haben wir dort keinen Schutz mehr. Wir stehen dann eigentlich vor dem Nichts.»

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    Bauernverbandspräsident Markus Ritter will zuerst Genaueres wissen über Trifluoressigsäure, bevor Grenzwerte und Massnahmen beschlossen werden. - Nau.ch

    Zur Forderung nach einem Grenzwert bei der Ewigkeitschemikalie TFA sagte Bauernverbandspräsident und Neo-Bundesratskandidat Markus Ritter im Dezember zu Nau.ch: «Es braucht zuerst wissenschaftliche Grundlagen, bevor man Entscheide fällen kann, in welche Richtung es gehen soll.»

    Man wisse im Moment noch sehr wenig über TFA: Es gebe keine Grenzwerte, wisse nicht, woher es komme. Sowohl Behörden wie Fachstellen tappten noch im Dunkeln.

    Solches lässt WWF-Sprecher Jonas Schmid nicht gelten. David Brugger sage es ja selbst: «Deltamethrin gehört zu einer Wirkstoffgruppe, aus der bereits viele Stoffe verboten wurden.» Das sei zu Recht so, da es sich um hochgiftige Stoffe handle.

    Kommentare

    User #4116 (nicht angemeldet)

    Hallo, ihr Grünen, wo ist euer Aufschrei?

    User #3057 (nicht angemeldet)

    Unsere Nachkommen können sich freuen verpestete Luft verpestete Gewässer und allerlei rückstände in der Nahrung gute nacht liebe Leute!!

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