Patrick Hässig: «Wir machen die Bilateralen nicht für Brüssel»
«Die Bilateralen III sind kein Wunschkonzert.» Nationalrat Patrick Hässig schreibt in seiner Kolumne über die Vorteile der Zusammenarbeit mit Europa.

Das Wichtigste in Kürze
- GLP-Nationalrat Patrick Hässig schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute über die Vorteile der Bilateralen III für die Schweiz.
Ich lebe und arbeite in Zürich, politisiere in Bern und bin regelmässig im europäischen Ausland unterwegs. Wir alle fahren über die Grenzen, machen Ferien, studieren, arbeiten, kaufen und verkaufen.
Unsere Unternehmen exportieren ihre Produkte, unsere Forschenden arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa zusammen. Dass vieles davon so selbstverständlich funktioniert, daran haben die Bilateralen einen grossen Anteil.
KI-Kuh der SVP
Darum lohnt es sich, bei den Bilateralen III nicht zuerst über Brüssel zu sprechen, sondern über die Schweiz. Was haben wir davon? In den letzten Tagen wurde die Debatte auch bildlich geführt. Lanciert hat die jüngste Debatte die SVP, mit einem KI-generierten Bild.

Da rennt eine verängstigte Schweizer Kuh vor einer riesigen EU-Spritze davon. Wir von der GLP haben uns erlaubt, dieses Bild weiterzudenken: Bei uns stehen die Schweizer und die europäische Kuh friedlich nebeneinander.
Daneben fünf Wegweiser, fünf beispielhafte Vorteile einer erfolgreichen Zusammenarbeit: starker Wirtschaftsstandort, mehr Sicherheit, einfach reisen und frei leben, Forschung und Innovation, sichere Lebensmittel.
In der ganzen Debatte über die Bilateralen III geht es meiner Ansicht nach viel zu häufig um potenzielle Nachteile. Die riesigen Vorteile, die wir durch die Sicherung der Bilateralen erhalten, gehen unter. Ich will deshalb heute über die Vorteile reden, anhand der Begriffe auf den Wegweisern.

Bilaterale bedeuten Freiheit im Alltag
Beginnen wir bei unserer Wirtschaft. Die EU nimmt Schweizer Waren im Wert von rund 175 Milliarden Franken ab – rund 70 Prozent mehr als die USA, unser zweitgrösster Absatzmarkt. Wer Arbeitsplätze in der Schweiz sichern will, darf den Zugang zu unserem wichtigsten Markt nicht aufs Spiel setzen.
Auch bei der Sicherheit endet die Welt nicht an der Landesgrenze. Terrorismus, Cyberangriffe, Desinformation und andere hybride Bedrohungen stoppen nicht an einer Barriere. Die Schweiz kann sich davor nicht allein schützen. Sicherheit entsteht heute auch durch die enge Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern.
Dann ist da etwas, das wir vielleicht gerade deshalb unterschätzen, weil es so normal geworden ist: unsere Freiheit im Alltag.
In Europa unkompliziert reisen, studieren, arbeiten und leben. Die Bilateralen ermöglichen uns diese Freiheit, ohne dass die Schweiz der EU beitreten muss.
Innovation gelingt in Netzwerken
Ähnliches gilt für Forschung und Innovation. Eine gute Idee wird nicht besser, wenn sie an der Landesgrenze haltmacht. Innovation gelingt in Netzwerken.
Ohne Zugang zu Europas Forschungsprogrammen und den besten Köpfen des Kontinents gefährden wir unsere Spitzenposition – und langfristig auch viele Arbeitsplätze.
Und schliesslich geht es sogar um das, was bei uns auf dem Teller landet. Bei gefährlichen Lebensmitteln zählt jede Stunde.
Der direkte Austausch mit Europa ermöglicht schnellere Warnungen und hilft dabei, betroffene Produkte rasch aus den Regalen zu nehmen.

Natürlich sind die Bilateralen III kein Wunschkonzert. Über einzelne Punkte muss im Parlament hart diskutiert werden. Genau dafür haben wir ein Parlament und unsere direkte Demokratie.
Aber was jetzt schon klar ist: Die Vorteile überwiegen für die Schweiz bei Weitem, da ändert auch die Angstmacherei der Gegner nichts daran.
Wir machen die Bilateralen nicht für Brüssel. Wir machen sie für die Schweiz. Nicht später. Jetzt!
Zur Person
Patrick Hässig (47) sitzt seit 2023 für die GLP im Nationalrat. Er ist Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrates. Er ist wohnhaft in der Stadt Zürich und arbeitet als diplomierter Pflegefachmann HF auf einem Kindernotfall. Für Nau.ch schreibt er regelmässig Kolumnen.







