Nationalrat

Nationalrat beginnt Marathondebatte über Zukunft der Kernenergie

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Der Nationalrat hat am Montag seine Debatte zur Initiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)» sowie zum Gegenvorschlag des Bundesrats aufgenommen. Mit dem Gegenentwurf könnten Rahmenbewilligungen für den Bau neuer Atomkraftwerke wieder erteilt werden.

Der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen im Kanton Solothurn. (Archivbild)
Der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen im Kanton Solothurn. (Archivbild) - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die zuständige Nationalratskommission hatte den Gegenvorschlag in der Vorberatung nur äusserst knapp mit 13 zu 12 Stimmen gutgeheissen. Eine starke Minderheit aus den Reihen von SP, Grünen, GLP und einzelnen Vertreterinnen und Vertretern der Mitte beantragt Nichteintreten.

Einen Entscheid fällen wird die grosse Kammer aller Voraussicht nach erst am Dienstag. Zu Beginn der Debatte bekräftigten Befürworter und Gegner der Kernkraft ihre bekannten Argumente.

Die Mehrheit der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (Urek-N) will auf Technologie-Offenheit setzen. Die Schweiz sei auf eine zuverlässige, CO2-arme und kostenbewusste Energieversorgung angewiesen und müsse alle Optionen haben. Sollten die Ausbauziele bei erneuerbaren Energien nicht erreicht werden, könnten neue AKW ab 2050 zur sicheren Versorgung beitragen.

Kommissionssprecher Mike Egger (SVP/SG) sagte, die zentrale Frage laute, ob die Schweiz eine Technologie, die heute rund 30 Prozent des Stroms liefere, in Zukunft überhaupt noch in Betracht ziehen dürfe.

Die energiepolitischen Rahmenbedingungen hätten sich seit der Energiestrategie 2050 grundlegend verändert, so Egger. Er verwies auf den Mehrbedarf an Strom, beispielsweise durch das Netto-Null-Ziel, die wachsende Bevölkerung und Rechenzentren. «Der Strombedarf steigt, und zwar massiv.»

Egger erinnerte zudem an die massiven volkswirtschaftlichen Schäden, die ein Strommangel zur Folge hätte. Christian Imark (SVP/SO) warf den Atomkraftgegnern vor, sich nicht um das Problem der Winterstromlücke zu kümmern.

Die ablehnende Kommissionsminderheit macht geltend, dass die Planungssicherheit beim Ausbau der erneuerbaren Energien unter der Aufhebung des Verbots leiden würde. Auch befürchtet sie beträchtliche finanzielle Risiken.

Stefan Müller-Altermatt (Mitte/SO) argumentierte namens der Kommissionsminderheit, AKW seien zur Abdeckung einer allfälligen Restlast zu teuer. «Die Atomkraft auf dem heutigen Stand ist ruinös, und einen anderen Stand gibt es nicht.»

Ausserdem seien die Bauzeiten neuer AKW zu lang, um sich lediglich eine Option für 2050 zu eröffnen, so der Solothurner Nationalrat. «Wird dieser Gegenvorschlag durchgewunken, dann werden im Umweltdepartement tags darauf die Vorarbeiten für Gösgen#2 beginnen.»

Bundesrat und Ständerat möchten die Erteilung von Rahmenbewilligungen für neue AKW grundsätzlich wieder erlauben. Die Debatte geht voraussichtlich erst am am Dienstag zu Ende. Die Liste der angemeldeten Rednerinnen und Redner umfasst nicht weniger als 99 Namen.

Zu befinden haben wird der Rat auch über mehrere Rückweisungsanträge: Diese stammen ebenfalls aus den Reihen von SP, Grünen, GLP und Mitte. Unter anderem geht es darum, vom Bundesrat Klarheit über die finanziellen Folgen allfälliger neuer AKW zu fordern, namentlich für den Bund und die Kantone.

Kommentare

User #1838 (nicht angemeldet)

Wartet ab bis die KIs den strohm nehmen..

User #4317 (nicht angemeldet)

AKW-Neubauten kosten den Staat Milliarden, Kapital bleibt über Jahrzehnte gebunden, Unfälle sind nicht versicherbar. Die Atom-Initiative und das Atom-Gesetz des Bundesrats bremsen die Erneuerbaren-Wende aus. Solar und Wind produzieren schon heute 2 bis 4 mal günstiger als AKW. Neue AKW kommen für die Klimawende zu spät, brauchen Milliarden-Subventionen und sind risikoreich. Bundesrat Rösti spricht in den Medien von staatlicher Finanzierung für neue AKW. Sie wollen die Atomenergie möglich machen – eine verfehlte, energiepolitische Kehrtwende auf Kosten der Allgemeinheit. In der Schweiz würden neue AKW gebaut, die sich nicht wesentlich von der heutigen Technologie unterscheiden. Und solche haben wir nach den Lehren aus Fukushima und Tschernobyl aus Sicherheitsgründen für die dicht besiedelte Schweiz explizit ausgeschlossen. Bei den neuartigen Technologien ist unklar, ob sie Marktreife erlangen und wann sie sich im Markt etablieren können.

Weiterlesen

sdf
126 Interaktionen
Bericht
de
149 Interaktionen
Vor Katar-Spiel

MEHR NATIONALRAT

nationalrat
14 Interaktionen
Bern
13 Interaktionen
Bern
Ex-Nationalrat
Bauernbetrieb
4 Interaktionen
Bern

MEHR AUS STADT BERN

7 Interaktionen
Bern
Zryd Schmezer Schulsport
25 Interaktionen
Bund will streichen
Kostümbildnerin
Theater Gurten
Bedingte Geldstrafe wegen Pfefferspray.
10 Interaktionen
Bern