Konzern-Initiative: Junge werfen Ja-Lager Scheinheiligkeit vor

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Verschiedene Jungpolitiker werfen NGOs und Kirchen «Scheinheiligkeit» im Abstimmungskampf für die Konzern-Initiative vor. Sie haben dazu ein Komitee gegründet.

    Komitee gegen Scheinheiligkeit
    Das Komitee gegen Scheinheiligkeit will auf «zwielichtige Aktivitäten» der Kirche und NGOs aufmerksam machen. - konzern-initiative.ch/Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Zahlreiche NGOs und Kirchgemeinden unterstützen die Konzern-Initiative.
    • Nun gibt es ein Komitee, das auf die «scheinheilige» Ja-Kampagne aufmerksam machen will.
    • Jungpolitiker aus bürgerlichen Parteien haben das Komitee ins Leben gerufen.

    Es ist eine höchst emotionale und hitzige Debatte, die die Konzern-Initiative umgibt. Kein Wunder, es geht schliesslich um Menschenrechte und Umweltschutz. Die Befürworter wissen, wie man mittels emotionalen Bildern die Menschen anspricht und für sich gewinnt.

    Konzernverantwortungsinitiative
    Ein Werbeplakat der Konzern-Initiative mit einem peruanischen Kind. Glencore wird beschuldigt, mit Minen das Trinkwasser und den Boden zu verseuchen. - konzern-initiative.ch

    Auf Plakaten werden Kinder inszeniert, die in Südamerika von Glencore-Minen vergiftet worden sein sollen. Oder solche in Westafrika, die in Minen oder auf Baumwollfeldern Kinderarbeit verrichteten. Gegnerinnen und Gegnern wird vorgeworfen, Leid und Zerstörung zu ignorieren und nur auf Profit aus zu sein.

    Störende «Scheinheiligkeit»

    Genau das stört die Mitglieder des «Komitee gegen Scheinheiligkeit». Vonseiten der Befürworter werde «vom absoluten moralischen Hochsitz herab kommuniziert». Das Komitee wird von mehreren Jungpolitikern geführt: Von der Jungen SVP bis zur Jungen GLP ist jede grössere Mitte-rechts-Partei zu finden.

    Leroy Bächtold
    Der Jungfreisinnige Leroy Bächtold nervt sich über die «Scheinheiligkeit» der Befürworter. - Keystone

    Sie alle lehnen das Volksbegehren ab, aber wollen mit dem Komitee eine weitere Dimension in die Diskussion bringen. Das Ziel der jungen Männer: auf «zwielichtige Aktivitäten der NGOs und der Kirche aufmerksam machen». Das erklärt Leroy Bächtold, Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen, auf Anfrage.

    Den NGOs und Kirchen wird vorgeworfen, sich nicht an die Bundesverfassung zu halten, obschon sie dies von den Unternehmen verlangen – deswegen «Scheinheiligkeit». Es wird auf die angebliche Unterstützung von «mordenden und vergewaltigenden Paramilitärs» durch NGOs hingewiesen. Damit ist wohl der WWF gemeint.

    Wildhüter Kenia
    Zwei Wildhüter in Kenia beschützen Nashörner gegen Wilderer. Der WWF soll solche Ranger finanziell unterstützt haben, die teilweise Menschen foltern und umbringen. - Keystone

    Doch gegen welche Artikel der Bundesverfassung verstossen denn die Kirchen? «Dies betrifft vor allem Freikirchen und die katholische Kirche», antwortet Bächtold. Diese würden die Verbote von Geschlechtsdiskriminierung und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung «unverhohlen mit den Füssen treten».

    Steuergelder und Spenden

    Die jungen Bürgerlichen haben auch ein Problem mit der Finanzierung der Kampagne. Es könne nicht sein, dass Teile der Kirche die Kampagne mit Steuergeldern finanzieren. Dem widerspricht die katholische Kirche im Kanton Zürich aber: Es fliesse «kein Rappen» der Steuergelder in die Kampagne.

    Schweizerisches Bundesgericht
    Eine Kirche mit einer Konzern-Initiative Fahne. Über 600 Kirchgemeinden unterstützen das Begehren. - Twitter/@LuisDeplazes

    Doch Bächtold sieht das anders: «Das Engagement für die Konzern-Initiative findet ja während der Arbeitszeit statt.» Und der Lohn, sowie die Infrastruktur, werde aus Steuergeldern finanziert.

    Ebenfalls findet das Komitee, die Verwendung von Spenden an NGOs für die Kampagne sei nicht im Sinne der Spender. «Wir hörten von einigen Personen, welche dies verurteilen und eine Weiterführung ihrer Spenden prüfen», so der Jungfreisinnige.

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