Patientinnen und Patienten sollen im Gesundheitswesen stärker in Entscheide einbezogen werden. Das ist eines der Hauptziele der Eidgenössischen Qualitätskommission, die am Dienstag ihren ersten Tätigkeitsbericht vorgestellt hat.
Bernhard Güntert, Vizepräsident der Eidgenössischen Qualitätskommission, will mit seinem Gremium «einige Lücken» im schweizerischen Gesundheitswesen schliessen.
Bernhard Güntert, Vizepräsident der Eidgenössischen Qualitätskommission, will mit seinem Gremium «einige Lücken» im schweizerischen Gesundheitswesen schliessen. - sda - KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Es gebe «einige Lücken» im schweizerischen Gesundheitswesen, sagte Kommissionsvizepräsident Bernhard Güntert vor den Medien in Bern. Eine davon sei der mangelnde Einbezug der Patientinnen und Patienten, eine andere die zu sektorielle Denkweise im Gesundheitssystem. Ausserdem würden viele Daten rein für Forschungszwecke genutzt und nicht für Belange der Qualität.

Hier will die im April 2021 neu eingesetzte Qualitätskommission ansetzen. Die Massnahmen der ausserparlamentarischen Expertenkommission mit 15 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen ergänzen diejenigen der Krankenversicherer, der Leistungserbringer und der Verwaltung.

Im ersten Jahr hat die Kommission zwei Programme zur Qualitätsentwicklung initiiert. Beide Programme laufen dieses Jahr an und werden mehrere Jahre laufen, wie es in einer Mitteilung der Kommission heisst.

Das eine Programm wird sich demnach auf Qualitätsverbesserungen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen konzentrieren. Das zweite hat zum Ziel, Fachpersonen in der bereichsübergreifenden Versorgung einer ausgewählten Krankheit zu unterstützen.

Daneben arbeitet die Kommission eng mit der Stiftung Patientensicherheit Schweiz zusammen. In einem Projekt werden beispielsweise «Fast-Fehler» gesammelt und analysiert, um sie für Verbesserungen zu nutzen.

Geplant ist weiter der Aufbau einer Webseite, die Qualitätsvergleiche öffentlich sichtbar machen wird. Dabei geht es laut Güntert auch darum, die Einschätzung der Patientinnen und Patienten bezüglich ihrer Erfahrungen mit dem System und bezüglich ihres Gesundheitszustandes und ihrer Lebensqualität nach einer Behandlung zu erfassen und auszuwerten.

Für Empfehlungen der Kommission ist es noch zu früh, wie Güntert sagte. Es brauche nun erst einmal Erkenntnisse aus verschiedenen laufenden Programmen. Er sei gespannt, wie die Dynamik innerhalb des Gremiums sein werde, wenn es um danach das Ausformulieren von Handlungsempfehlungen gehe.

Vor drei Jahren hatte ein Bericht im Auftrag des Bundes Mängel bei der Patientensicherheit gezeigt. Nachholbedarf bestand demnach bei der Informationslage und bei der Fehlerkultur.

Das Budget der Qualitätskommission beläuft sich für die Jahre 2021 bis 2024 auf insgesamt 45 Millionen Franken. Das Geld kommt zu je einem Drittel von Bund, Kantonen und Versicherern.

Ein Teil des Budgets wird für die finanzielle Unterstützung von Projekten aus der Praxis verwendet. Voraussichtlich werden im laufenden Jahr sieben grössere Projekte mit einem Förderbeitrag von gut vier Millionen Franken unterstützt.

Die finanzielle Unterstützung von Projekten kann sich über mehrereJahre erstrecken. Wichtig ist laut der Kommission, dass diese einen direkten Einfluss auf die Qualität der Leistungen und damit auch einen direkten Nutzen für die Patientinnen und Patientenhaben.

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