Die Diskussionen in Brüssel rund um das Rahmenabkommen führten zu keiner Einigung. Heute haben die Kantone eine offizielle Konsultation verlangt.
Guy Parmelin
Bundespräsident Guy Parmelin, links, spricht neben Bundesrat Ignazio Cassis nach dem Meeting «Europadialog», am Dienstag, 27. April 2021, in Bern. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz und die EU fanden beim Rahmenabkommen noch keinen gemeinsamen Nenner.
  • Heute hielten Bundespräsident Guy Parmelin und die Kantone ein «Europadialog»-Meeting.
  • Dabei forderten die Kantone eine offizielle Konsultation und noch mehr Informationen.

Die Kantone führten heute mit Bundespräsident Guy Parmelin eine Sitzung über das EU-Dossier. Sie haben Zeit für eine offizielle Konsultation und noch mehr Informationen verlangt. Dies sagte Parmelin nach dem Treffen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Die Kantonsregierungen brauchen eine gewisse Zeit, um mit ihren Kolleginnen und Kollegen das Ergebnis zu diskutieren.» Das sagte Parmelin nach dem Treffen am Dienstag vor dem Haus der Kantone in Bern.

Kantone bräuchten mehr Zeit und mehr Informationen

«Wir haben mit den Kantonen diskutiert, wie es mit der offiziellen Konsultation weitergehen soll. Sie brauchen Zeit und auch noch mehr Informationen. Diese Konsultation muss nun vorbereitet werden.»

Am Nachmittag hatte Parmelin die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) über das Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen informiert.

Parmelin Rahmenabkommen
Bundespräsident Guy Parmelin und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diskutierten über das Rahmenabkommen. - Keystone

Anders als die Kantone nahm die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats (APK-N) am Montag deutlich Stellung zum Rahmenabkommen. Sie sprach sich dafür aus, dass der Bundesrat die Verhandlungen mit der EU um ein Rahmenabkommen zügig fortsetzt.

Zurückhaltender äusserte sich die Aussenpolitische Kommission des Ständerats (APK-S). Sie verzichtete darauf, ihre Position zu veröffentlichen, um dem Bundesrat den Rücken zu stärken. Kommissionspräsident Damian Müller (FDP) sagte, dass ein Abbruch der Verhandlungen nach wie vor eine Option sei. Die EU müsse sich bewegen, meinte er.

Knackpunkt mit der EU sei die Personenfreizügigkeit

Der «Knackpunkt» der Differenzen mit der EU sei die Personenfreizügigkeit, sagte Aussenminister Ignazio Cassis am Montagabend. Für die Schweiz sei die Personenfreizügigkeit vor allem eine Freiheit der Arbeitnehmenden und ihren Familien. Für die EU sei es die Freiheit aller EU-Bürgerinnen und Bürger.

Die zweite «fundamentale Differenz» sei die unterschiedliche Auslegung der arbeitsrechtlichen Massnahmen. Für die Schweiz gehe es bei den flankierenden Massnahmen um die Gewährleistung des Lohnschutzes für Schweizer Arbeitnehmende. Bei der EU stehe hingegen der Schutz gegen Wettbewerbsverzerrung im Arbeitsmarkt im Vordergrund.

Der Bundesrat machte auch klar, dass er allenfalls bereit ist, das Abkommen nicht zu unterzeichnen: «Ohne zufriedenstellende Lösungen in diesen Bereichen wäre das Abkommen nach Ansicht des Bundesrats nicht mehrheitsfähig», hiess es.

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