Erster Marché-Concours mit Berner Präsenz geht friedlich zu Ende
Die 121. Ausgabe des Pferdemarkts Marché-Concours im jurassischen Saignelégier hat rund 40'000 Besucherinnen und Besucher angezogen. Der erstmalige Auftritt des Kantons Bern als Ehrengast sorgte für Proteste, die aber friedlich blieben.

Der Kanton Bern war zum ersten Mal als Ehrengast an den nationalen Pferdemarkt eingeladen. Dies wurde möglich, weil der jahrzehntealte Streit um die Zugehörigkeit des Berner Juras nun als beigelegt gilt – per Anfang 2026 wechselte die ehemals bernjurassische Gemeinde Moutier in den Jura.
Diese Premiere sorgte für Aufregung, beeinträchtigte die Veranstaltung aber nicht. Sowohl die technische Organisation als auch das Zusammentreffen der beiden Kantone seien sehr gut gelaufen, sagte der Präsident des Organisationskomitees, Vincent Wermeille, zur Nachrichtenredaktion Keystone-SDA. Die Polizeipräsenz war im Vergleich zu den vergangenen Jahren verstärkt worden.
Aktionen am Rande
Die projurassische Gruppe Bélier und die Autonomisten aus Belprahon führten friedliche Aktionen durch. So hingen entlang der Strasse nach Saignelégier Transparente, die unter anderem die Aufschrift «Befreien wir Belprahon» trugen. Das Dorf liegt neben Moutier und hatte es 2017 mit knapper Mehrheit abgelehnt, jurassisch zu werden.
In der Nähe des Eingangsgeländes präsentierten die Béliers zudem ein Wandbild, das die Geschichte des Kantons Jura nachzeichnete. Auch hissten sie zwischenzeitlich eine Flagge, auf der ein Widder zu sehen war, der einen Bären in das Berner Wappen rammte. Die Gruppe hatte die Teilnahme des Kantons Bern als Ehrengast für verfrüht gehalten.
«Wäre nicht immer denkbar gewesen»
Der Berner Bundesrat Albert Rösti wiederum begrüsste besagte Premiere in seiner Rede, die er anlässlich der Feier hielt. Die Einladung symbolisiere das institutionelle Ende der Jurafrage und «wäre nicht immer denkbar gewesen», sagte er. Der Marché-Concours zeige eindrucksvoll, dass «die schmerzhaften Zeiten der Meinungsverschiedenheiten hinter uns liegen».
Auch auf die vorgesehenen Subventionskürzungen für den Schweizerischen Freibergerverband, den er vor seiner Wahl in den Bundesrat präsidierte, kam Rösti zu sprechen – der Zuchtverband wird nächstes Jahr fast 100'000 Franken weniger als ursprünglich vorgesehen erhalten. Dem Bundesrat zufolge geniessen Tierhalter nach wie vor «breite politische Unterstützung».
Weiter betonte er, dass diese Kürzung nicht auf Sparmassnahmen des Bundes zurückzuführen sei. Vielmehr hänge sie mit neuen Bestimmungen zusammen, die etwa den zulässigen Höchstbetrag neu regelten.
Bundesrat doppelt vertreten
Neben Rösti war auch die erste und bisher einzige jurassische Bundesrätin, Elisabeth Baume-Schneider, vor Ort in Saignelégier. Die Anwesenheit von zwei Mitgliedern der Bundesregierung am Marché-Concours ist äusserst selten, vergangenes Jahr war kein Bundesrat dabei.
Während des offiziellen Teils der Feier erklang wie üblich die «Rauracienne», die Hymne des Kantons Jura. Während des Refrains mit der Zeile «Schliesst euch zusammen und haltet euch an den Händen» reichten sich Baume-Schneider und der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg die Hand. Die Hymne ruft zur Einheit des gesamten Jura-Gebiets auf, «vom Bielersee bis vor die Tore Frankreichs».










