Stadt Zürich

Eine Zürcher Stadträtin gegen Banken und das Apartheid-Regime

Keystone-SDA
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Zürich,

Am 16. Juni 1988 nahmen Aktivistinnen und Aktivisten die Zürcher Bahnhofstrasse in Beschlag. Sie protestierten gegen die Verbindungen der Schweizer Banken mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime. Prominent dabei war die Zürcher Stadträtin Ursula Koch (SP).

Stadträtin Ursula Koch spricht 16. Juni 1988 in der Bahnhofstrasse in Zürich an einem «Bankenpikett» zum Gedenken des 1976 niedergeschlagenen Aufstands in Soweto gegen das Apartheidsr...
Stadträtin Ursula Koch spricht 16. Juni 1988 in der Bahnhofstrasse in Zürich an einem «Bankenpikett» zum Gedenken des 1976 niedergeschlagenen Aufstands in Soweto gegen das Apartheidsr... - Keystone/PATRICE CUENNET

Mit dem sogenannten Bankenpikett gedachten Anti-Apartheid-Aktivistinnen und -Aktivisten dem niedergeschlagenen Soweto-Aufstand von 1976. Hunderttausende hatten sich an den Protesten in Südafrika beteiligt, Hunderte starben durch Polizeigewalt.

Weltweit wurde in den 1970-er- und 1980-er-Jahren protestiert und erinnert. In Zürich riefen die Aktivisten zum Boykott der Grossbanken auf, die mit dem Apartheid-Regime in Südafrika Geschäfte machten. Die Banken sollten auch gezwungen werden, keine Anleihen oder Kredite an Südafrika zu vergeben.

Das Bankenpikett glich einer Mahnwache, die teils wöchentlich abgehalten wurde. Von der im Bild zu sehenden Veranstaltung berichtete die SDA damals, dass rund 500 Personen teilnahmen. Zwischenfälle gab es nicht.

«Auf Flugblättern und in Ansprachen wurde die Haltung der offiziellen Schweiz und der Grossbanken in der Südafrika-Politik als moralischer Skandal bezeichnet und zum Boykott der Grossbanken sowie zum Konten-Rückzug aufgerufen. Mit starkem Beifall wurde Stadträtin Koch bedacht, die von ihrer Begegnung mit der inzwischen ermordeten südafrikanische Widerstandskämpferin Dulce September berichtete», hiess es in der Meldung.

Für die Anti-Apartheid-Bewegung hatte das Bankenpikett ein Nachspiel: Allein die Teilnahme reichte, um vom Staat überwacht zu werden und in einer Fiche zu landen, wie die Fichenaffäre 1989 zeigte.

Bis das rassistische Regime in Südafrika abtrat, sollte es noch etwas dauern. 1990 kam Freiheitskämpfer Nelson Mandela aus dem Gefängnis, 1994 gewann seine Partei die ersten freien Wahlen.

Ursula Koch blieb noch bis 1998 Zürcher Stadträtin. In Erinnerung bleibt vor allem ein Satz der Hochbauvorsteherin: «Die Stadt ist gebaut». Wobei der nachfolgende Satz «Sie muss nicht neu-, sondern umgebaut werden» oft verschwiegen wird.

Schweizweit wurde Koch als Präsidentin der SP Schweiz bekannt. 1997 setzte sie sich gegen den Bündner Nationalrat Andrea Hämmerle durch. Im Jahr 2000 gab sie das Amt und den ein Jahr zuvor geholten Nationalratssitz aus gesundheitlichen Gründen und grossem parteiinternen Druck ab.

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