In der Arena wurde über die Ehe für alle diskutiert. Für die Befürworter geht es um Gleichberechtigung, doch die Gegner sorgen sich um die Kinder.
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EDU-Frischknecht ist besorgt um die Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen. - Arena, Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Bald stimmt die Schweiz darüber ab, ob auch homosexuelle Paare heiraten dürfen.
  • Für die Gegner ist die Ehe nur ein Hintertürchen zum Recht auf Kinder.
  • Für die Befürworter muss ein liberaler Staat alle gleich behandeln.

Am 26. September stimmt die Schweiz über die Ehe für alle ab. Doch dabei geht es eigentlich gar nicht ums Heiraten, sagt Andrea Geissbühler in der Arena. «Mann und Frau haben die Ehe, homosexuelle Paare die eingetragene Partnerschaft», so die SVP-Nationalrätin, «und diese kann man auch zelebrieren.»

Arena
Angelo Barrile (Nationalrat SP): «Ich will, dass der Staat sagt, dass meine Liebe zu meinem Partner gleich viel Wert ist wie jede andere Liebe.»
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Karin Keller-Sutter (Bundesrätin SP): «In der Idealvorstellung besteht eine intakte Familie aus Vater, Mutter und Kind.»
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Daniel Frischknecht (Präsident EDU): «Die Frau nimmt in der Familie ihre Rolle ein, der Mann die seine.»
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Kathrin Bertschy (Nationalrätin GLP): «Der Rechtsstaat kann keine sozialen Rollen vorgeben.»
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Andrea Geissbühler (Nationalrätin SVP): «Die Vorlage sollte ‹Kinder für alle› heissen.»

Für SP-Nationalrat Angelo Barrile ist es nicht das Gleiche. Es brauche beispielsweise keine Trauzeugen, und sie gewähre nicht die gleichen Rechte. «Ich will, dass der Staat sagt, dass meine Liebe zu meinem Partner gleich viel Wert ist wie jede andere Liebe

Daniel Frischknecht sieht auch, dass homosexuelle Paare die gleichen Rechte haben sollen – da, wo sie gleich sind. Doch die Abgrenzung sollte es laut dem EDU-Präsidenten da geben, wo sie unterschiedlich sind, und das sei bei der Nachkommenschaft.

Auch für Geissbühler sind die Kinder der wichtige Punkt: Mit der Vorlage gebe es ein Hintertürchen zum Recht auf Kinder, weshalb die Vorlage auch «Kinder für alle» heissen sollte.

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Gemäss dem Wissenschaftler schadet die Ehe für alle den Kindern nicht. Andrea Geissbühler ist anderer Meinung. - Screenshot Arena

«Für Kinder spiele es eine Rolle, ob sie mit Mutter und Vater oder bei einem homosexuellen Paar aufwachsen.» Dies sagt Geissbühler, nachdem eine Entwicklungspsychologe zitiert wurde, der sagte, dass es Kindern aus Regenbogenfamilien genauso gut gehe. Geissbühler: «Man weiss, dass es für ein Kind zentral ist, dass es einen Vater hat.»

Kathrin Bertschy: Es gehe bei der Ehe für alle um das Fundament des Rechtsstaats

In der Idealvorstellung bestehe eine intakte Familie aus Vater, Mutter und Kind, sagt auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Doch es gebe auch viele Scheidungen und alleinerziehende Eltern. «Die Konstellation alleine ist keine Garantie, dass ein Kind schön aufwächst, relevant sind Zuneigung, Geborgenheit, Liebe und Zuwendung.» Für Barrile sei auch wichtig, dass von Anfang an beide Bezugspersonen für das Kind da sind.

Es gebe aber unterschiedliche Rollen, so Frischknecht, «die Frau nimmt ihre Rolle ein, der Mann die seine. Diese Ergänzung ist unheimlich wichtig für die Entwicklung des Kindes.» Im Alter von circa zwei Jahren sei der Vater wichtig für das Kind. Denn er schaue, dass es eine Ablöse aus der engen Symbiose mit der Mutter gebe, erklärt Frischknecht. Eine Mutter könne die Vaterrolle nicht einnehmen.

Wie stimmen Sie bei der Ehe für alle?

Später stärke, ermächtige und bestätige er das Kind. «Das sind wichtige Funktionen des Vaters», so Frischknecht. Dies seien Rollenbilder, antwortet Kathrin Bertschy, Nationalrätin GLP, «der Rechtsstaat kann aber keine sozialen Rollen vorgeben.» Und bei der Abstimmung gehe es um das Fundament des Rechtsstaates.

Auch für Keller-Sutter geht es um die Rechtsgleichheit: «Ein liberaler Staat muss alle gleich behandeln.» Die sexuelle Orientierung könne nicht den Ausschlag geben, ob jemand einen zivilrechtlichen Vertrag abschliessen darf. «Und die Ehe ist ein zivilrechtlicher Vertrag.»

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