Wolfgang Joop musste für Aussagen zum früheren Umgang mit Models Kritik einstecken. In einem Interview hat er nun erklärt, wie es zu dem Shitstorm kam und was er daraus gelernt hat.
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Darauf hätte Wolfgang Joop vor seinem Shitstorm «besser achten sollen». - imago images/Future Image

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach einem Interview beim Spiegel hat Wolfgang Joop für seine Aussagen Kritik eingeheimst.
  • Der Designer trauerte den alten Zeiten der Modebranche nachgetrauert.
  • Jetzt erklärt er seine Aussagen und entschuldigt sich.

Vor rund einer Woche war Designer Wolfgang Joop (77) für seine Aussage zum früheren Umgang mit Models in Kritik geraten. In einem Interview mit dem «Spiegel» hatte er den alten Zeiten in der Modewelt nachgetrauert:

«Diese Welt war so wunderbar frivol und frigide. Alles war käuflich. Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht so viel Geld brachten, an reiche Männer.»

Er brachte damit offenbar die wundervolle Frivolität der Modeszene mit der sexuellen Ausbeutung erfolgloser Models in Verbindung. Dies sorgte für kritische Stimmen.

Aussage war metaphorisch gemeint

«Meine Antwort 'Ohne Sünde macht die Mode keinen Spass' war metaphorisch gemeint.» So erklärte Wolfgang Joop nun eine weitere Aussage des Interviews im Gespräch mit der «Welt am Sonntag» («WamS»).

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Wolfgang Joop auf der Party «Van Laack Meisterwerk-Kollektion by Wolfgang Joop» im Berliner KaDeWe. Foto: Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

«Ich habe den Zustand der Modewelt in den Jahren vor dem Smartphone beschrieben. Mit allen Exzessen und dieser zynischen Frigidität, die damals herrschte. Das war es auch schon», sagte der Designer.

Das könne man richtig verstehen, aber auch falsch, wenn man möchte. Darauf hätte er besser achten sollen, gibt Wolfgang Joop zu. Viel schlimmer sei noch gewesen, dass ihm Aussagen untergeschoben worden seien.

«Besser Kontakt mit reichen Männern haben, als an der Supermarktkasse sitzen.» Mit diesem Satz habe er nur die verbreitete Meinung der Models wiedergegeben. Er sei aber von einer Tageszeitung dahingehend zitiert worden. So habe es beleidigend gegenüber allen Kassiererinnen geklungen, die jedoch seinen grössten Respekt hätten.

Dass er ein Gespür für die Zeit verloren habe, sei albern. «Ich war immer ein Kind der Zeit. Das werde ich auch mit neunzig sein. Aber die Welt hat sich auf neue Themen eingestellt, das muss man akzeptieren.»

Er wollte mit der «Korruption und Frivolität» der Fashion-Szene der 1970er- und 1980er-Jahre abrechnen. Dass er im gleichen Atemzug die «Sünde in der Modewelt» glorifizierte, bezeichnete er selbst als «deplatziert». Das hat Joop in einem offenen Brief nach Veröffentlichung des Interviews bereits erklärt.

Das hat Wolfgang Joop von Heidi Klum gelernt

Im «WamS»-Interview sprach Joop auch über seine Jury-Erfahrungen bei der Model-Castingshow «GNTM». Am Anfang habe er mit seinem dortigen Auftritt etwas gefremdelt. «Ich, ein älterer Herr, mit all den Kandidatinnen, da muss man einen Weg finden, dass man nicht komisch wirkt.» Er habe sich dann in der Rolle als väterlicher Lehrer gesehen.

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Heidi Klum und Gast-Juror Wolfgang Joop im Schnee. - ProSieben / Richard Hübner

Er sei immer ehrlich gewesen und habe den Models klar gemacht, dass sie ständig von allen beurteilt werden. «Vor und hinter dem Rücken. Das muss man ertragen können.» Von Model-Mama Heidi Klum (48) habe er bei der Show noch etwas lernen können:

«Sich auf Kommando anzuknipsen, präsent zu sein. Auch wenn das sehr anstrengend sein kann. Ich weiss nicht, wie sie das Wahnsinnsprogramm, das sie abspult, schafft. Es ist mir fast schon unheimlich.»

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