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    Tagebücher bringen neue Erkenntnisse zu NS-Kunstraub

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    Deutschland,

    Auf seinen Dienstreisen bekam Hans Posse einen guten Überblick über all die geraubten Kunstwerke der Nazis. In Tagebüchern schrieb er alles nieder. Heute sind diese eine einmalige Quelle für die Forschung.

    Auf einem historischen Foto ist Hans Posse (l) abgebildet, wie er im Juni 1938 mit Adolf Hitler (M) durch die Dresdner Gemäldegalerie geht. Das Foto befindet sich mit Posses Tagebüchern im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa
    Auf einem historischen Foto ist Hans Posse (l) abgebildet, wie er im Juni 1938 mit Adolf Hitler (M) durch die Dresdner Gemäldegalerie geht. Das Foto befindet sich mit Posses Tagebüchern im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Hans Posse war Adolf Hitlers wichtigster Manager für Raubkunst: Er sollte als Sonderbeauftragter die Kunstsammlung für das geplante «Führermuseum» in Linz zusammenstellen und geraubte Kunst auf die Museen im Deutschen Reich verteilen.

    Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat nun erstmals fünf Tagebücher erforscht und digitalisiert, in denen Posse seine Dienstreisen im Auftrag Hitlers dokumentiert. Dies bringt nach Ansicht von Fachleuten neue Erkenntnisse zum NS-Kunstraub, zur NS-Museumspolitik und für die Provenienzforschung.

    Posse war von 1910 bis zu seinem Tod im Dezember 1942 Direktor der Dresdner Gemäldegalerie. Ab Sommer 1939 reiste er im Auftrag Hitlers zu den verschiedenen NS-Depots für geraubte und beschlagnahmte Kunst, traf Kunsthändler, Agenten und Privatsammler in den europäischen Nachbarländern. Seine Reisetagebücher seien daher ein Schlüsseldokument zum NS-Kunstraub, sagt die Wiener Kunsthistorikerin und Posse-Expertin Birgit Schwarz, die an dem Forschungsprojekt beteiligt war. «Die Edition zeigt, dass und wie Posse, der in Hitlers Augen beste Museumsmann Deutschlands, zum zentralen Manager der Museumspolitik Hitlers wurde.»

    Die fünf schmalen Kladden gelangten Mitte der 1980er Jahre ins Deutsche Kunstarchiv am Germanischen Nationalmuseum. «Es sind keine Tagebücher im klassischen Sinne. Es sind eher Arbeitsnotizbücher», sagt Projektmitarbeiterin Frederike Uhl. Posse trug die Hefte stets bei sich und machte darin knappe Notizen zu Kunstwerken, Preisen und Kontaktpersonen - zum Teil sehr unleserlich und mit kryptischen Abkürzungen.

    In den vergangenen drei Jahren haben Uhl und ihre Kollegin Juliane Hamisch in den vom Museum und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekt die schwer verständlichen Einträge entziffert und für eine Online-Edition digitalisiert. Von den ersten drei Bänden ist inzwischen jede einzelne Seite im Internet abrufbar - versehen mit leserlichem Text und einordnenden Kommentaren. «Die Grundidee war, die Tagebücher für alle zugänglich und so verständlich zu machen, dass weitere Forschung daran möglich ist», sagt Hamisch.

    Der Dresdner Kunsthistoriker Gilbert Lupfer, der auch Vorstand beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste ist, spricht von einer ausserordentlichen Leistung. «Es ist eine extrem schwierige, schwer lesbare Quelle», sagt er. Das Forschungsprojekt bringe viele Erkenntnisse für die Provenienzforschung, zu Posses Netzwerken und auch zu einzelnen Kunstwerken und deren Stationen.

    © dpa-infocom, dpa:200708-99-711541/3

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