Schüsse in Krakau: So berichten Augenzeugen über die Horrortat
Nach den tödlichen Schüssen in Krakau schildern Augenzeugen Panik und Mut: Passanten stillten die Blutungen von Verletzten mit ihren eigenen Hemden.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach den Schüssen in Krakau berichten Augenzeugen von Panik und Hilfsbereitschaft.
- Passanten zogen ihre Hemden aus, um Blutungen von Verletzten zu stillen.
- Der Schütze von Krakau tötete sechs Menschen, im Haus des Täters lagen drei weitere Tote.
Nach den tödlichen Schüssen auf dem Hauptmarkt von Krakau berichten Augenzeugen von Panik, aber auch von grosser Hilfsbereitschaft. «Die Leute zogen ihre Hemden aus, um die Blutungen der am Boden Liegenden zu stillen», sagt einer von ihnen.
Ein junger Pole hatte am Samstagnachmittag aus einem fahrenden Auto wahllos auf Passanten geschossen. Sechs Menschen starben, mindestens 15 wurden verletzt. Zwölf von ihnen befinden sich laut dem Chef der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Kleczar, in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand.
Zuerst hielten viele Augenzeugen in Krakau die Schüsse offenbar für etwas anderes. «Wir hörten Knallgeräusche. Es klang ein bisschen so, als würde jemand Feuerwerkskörper zünden», erzählt ein Augenzeuge dem Portal «onet.pl.»
Plötzlich sei eine Menschenmenge auf einen Gebäudeeingang zu gerannt.
«Menschen schrien und rannten in alle Richtungen»
Dem Sender Polsat News sagt ein Passant: «Im ersten Moment hat grosses Chaos geherrscht.» Er habe umgestürzte Tische gesehen. Ein anderer Zeuge berichtet, ein Auto sei herangefahren und ein Mann habe aus dem Fenster geschossen. Der Angreifer habe einen Helm oder eine Maske getragen.
Eine Journalistin von «onet.pl» hat mit Ladenbetreibern am Markt gesprochen. Demnach bewegten sich Einwohner und Touristen in einer Menschenmenge vor dem Auto, der Mann schoss hinter ihnen wahllos auf Passanten.
Etwa eine Viertelstunde nach den Schüssen in Krakau sah ein Zeuge, wie ein Verletzter wiederbelebt wurde. «Der Mann lag mit einer Rettungsdecke bedeckt da. Neben ihm stand ein Stadtwächter», erzählt er.
«Niemand wusste, was vor sich ging. Die Menschen schrien und rannten in alle Richtungen.»
Polizei griff nach drei Minuten ein
Die Polizei gab nach Angaben von Innenminister Marcin Kierwiński nur drei Minuten nach dem Notruf Schüsse auf den Mann ab. Diese «blitzschnelle Reaktion» habe ein noch grösseres Massaker in Krakau verhindert.
Laut Medienberichten stiess das Auto des Täters auf der Flucht mit einem anderen Wagen zusammen. Er sei ausgestiegen, habe auf die Einsatzkräfte geschossen und sei von deren Kugeln getroffen worden.

Ein Zeuge aus einem Laden sah, wie der Angreifer in einen Ambulanzwagen gebracht wurde. Ein anderer nennt die Szenen «schockierend». Als er den Platz verliess, habe ein Polizist Kugeln aus einem Rucksack geschüttet, der wahrscheinlich dem Täter gehörte.
Laut Polizei verwendete der Mann eine halbautomatische Langwaffe, ähnlich dem US-Sturmgewehr AR-15, und führte eine Pistole mit sich. Im Auto lagen viele weitere Waffen und Munition.
Polizist kämpft nach Schüssen in Krakau ums Überleben
Drei Polizisten wurden bei dem Angriff in Krakau verletzt, zwei von ihnen wurden angeschossen und operiert. Einer erlitt drei Schusswunden und kämpft um sein Leben. Die Freiwillige Feuerwehr rief zu Blutspenden auf.

Kierwiński sagte: «Wir beten für diesen tapferen Polizisten, für diesen Helden, dass er überleben möge.» Er und Justizminister Waldemar Zurek würdigten den Mut der angeschossenen Beamten, die sich dem Täter entgegengestellt hätten. Von «unermesslichem Heldenmut» war die Rede.
Kutscher und Pferde getroffen
Auch Kutscher auf dem Markt in Krakau wurden getroffen. Die Präsidentin des Krakauer Kutschverbands sagt, zwei von ihnen befänden sich in Lebensgefahr, mehrere weitere seien schwer verletzt. Zwei Pferde wurden angeschossen.
«Eines wurde nur leicht gestreift, das andere am Bein getroffen», teilte die Organisation «OTOZ Animals» mit. Zudem durchschlug ein Geschoss die Scheibe einer Strassenbahn, dort wurde niemand verletzt.
Unter den Verletzten sind laut Berichten fünf Ausländer. Genannt werden Personen aus Österreich, Deutschland, Grossbritannien und Russland sowie eine 74-jährige Portugiesin.
Drei weitere Tote im Haus des Schützen
Das Haus des Mannes liegt rund zwei Autostunden von Krakau entfernt. Weil dort Sprengsätze vermutet wurden, setzten die Einsatzkräfte zuerst eine Drohne ein. Die Aufnahmen zeigten drei Tote.
Regierungschef Donald Tusk sagte, es handle sich um zwei Frauen und einen Mann, vermutlich engste Angehörige des Schützen. Laut unbestätigten Informationen von «onet.pl» sind es die Eltern und die Schwester des mutmasslichen Täters.

Der Täter selbst wird lebensgefährlich verletzt im Spital behandelt und wurde mehrfach operiert. Er soll laut Kierwiński «sehr radikale Ansichten» vertreten haben und von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sein. Das müsse noch geprüft werden.
Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Das Verteidigungsministerium dementierte, dass er Soldat oder Ex-Soldat sei. Präsident Karol Nawrocki ordnete für Sonntag und Montag eine landesweite Staatstrauer an. Die Spurensicherung am Tatort dauert mindestens bis Sonntag.



















