Am heutigen Dienstag wird der türkische Autor Orhan Pamuk 70 Jahre alt. In der Vergangenheit übte er immer wieder Kritik an der Regierung seines Landes.
Orhan Pamuk
Orhan Pamuk, Literaturnobelpreisträger und Fotograf, hat mit «Die nächste Pest» einen grossen historischen Roman geschrieben. - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schriftsteller Orhan Pamuk wird 70 Jahre alt.
  • Wandel und Veränderung stecken in fast all seinen Arbeiten.

Wenn Orhan Pamuk heute 70 Jahre alt wird, dann wohl mit einer Gewissheit, dass nichts so bleibt, wie es ist. In einem Interview mit einem US-Museum sagte der türkische Autor einmal: «Hoffe nicht auf Kontinuität. Am Ende wird eh alles weggespült.»

Die Auseinandersetzung mit Wandel und Veränderung steckt in fast allen Arbeiten Pamuks («Schnee», «Museum der Unschuld», «Nächte der Pest»). Häufig spielt dabei eine grosse Rolle: seine Heimatstadt Istanbul.

Orhan Pamuk wurde 1952 in der Stadt am Bosporus geboren. Er wächst auf in der Republik Türkei, die zum Zeitpunkt seiner Geburt erst knapp 30 Jahre alt ist. Im selben Jahr tritt die Türkei der Nato bei und verstärkt damit ihre Bindungen an den Westen.

Er selbst sei in einer verwestlichten Familie aufgewachsen. Sein liberaler Vater wollte immer Poet sein und seine Mutter war konservativ.

Der Schriftsteller hatte 2006 den Nobelpreis für Literatur verliehen bekommen. Dies verdankt Pamuk eigenen Aussagen zufolge «einer Schraube, die locker im Kopf» sass. Mit Anfang 20 habe er sein Architekturstudium abgebrochen. Auch den Traum, Maler zu werden, habe er für die Schriftstellerei an den Nagel gehängt.

Orhan Pamuk kritisiert AKP-Regierung

Die Melancholie in seinen Texten, die auch in der Türkei beliebt sind, erklärt Pamuk als natürliches Ergebnis seiner Umgebung. Es habe ihn emotional geprägt, in einer Stadt auszuwachsen, deren Bauten vom Glanz alter Zeiten zeugen. Und in der die Menschen aber deutlich ärmer sind als jene in Europa, an das man den Anschluss suche.

Dazu, dass sich die Türkei und Istanbul unter den 20 Jahren AKP-Regierung stark verändert hat, hat Pamuk selten geschwiegen: Er kritisierte offen Einschränkungen der Meinungs- Presse- und Kunstfreiheit. Er protestierte gegen die Flutung eines des ältesten Siedlungsgebiete der Welt für einen Dammbau. Ausserdem prangerte er türkische YouTube- und Twitter-Blockaden an.

Orhan Pamuk
Der türkische Autor Orhan Pamuk spricht bei einer Lesung in Köln (D). - keystone

Sein in diesem Jahr auf Deutsch erschienener Roman «Nächte der Pest» hat ihm eine Anzeige eingebracht. Grund dafür ist die angebliche Beleidigung von Staatsgründer Atatürk und der türkischen Flagge. Pamuk hat die Vorwürfe von sich gewiesen.

Seine Geschichte sei vielmehr ein Ausdruck von Bewunderung gegenüber der historischen Persönlichkeit Atatürks. In Gefahr fühlt er sich aber nicht, wie er auf einer Literaturmesse in Köln erklärte. Sein Anwalt habe ihm versichert, dass auch das vorbeigehen werde.

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