Neue Bücher zu Freddie Mercury
Im Hinblick darauf, dass Freddie Mercury am 5. September 80 Jahre alt geworden wäre, gibt es neue Bücher. So erzählt seine Lebenspartnerin Mary Austin Anekdotisches. Und der gebürtige Zürcher Nicola Bardola widmet sich Mercurys kreativen Münchner Jahren sowie der Bedeutung von Montreux für Queen.

Trotz Queen-Sänger Freddie Mercurys Homosexualität, stand bereits vor den Anfängen der Band eine Frau an seiner Seite, die ihn bis zu seinem Lebensende 1991 begleitete. 1969 lernte Mercury die Verkäuferin Mary Austin kennen. Vier Jahre später zogen sie zusammen und kurz darauf verlobten sie sich. Zur Heirat kam es nie. Im Gegenteil: 1976 lösten sie ihr Verhältnis auf, nachdem beide in einer Aussprache Mercurys homosexuelle Neigungen aufs Tapet gebracht hatten.
Trotz dieser an sich tragischen Liebesgeschichte blieben die beiden ein aufs Engste freundschaftlich verbundenes Paar. Austin wurde für Mercury zur lebenslangen Ratgeberin, zur Angebeteten, alles in allem zum wichtigsten Menschen in seinem Leben. Nach seinem Tod erbte sie einen Grossteil seines Vermögens, darunter auch Mercurys mondänes Anwesen in Kensington und zahllose Memorabilia aus seiner Karriere. Trotz des frühen Beziehungsendes war Austin keinesfalls Zaungast im kometenhaften Aufstieg Mercurys; vielmehr war sie bei den Etappen auf dem Weg nach oben zumeist mittendrin.
Mercurys künstlerisches Archiv reichte bis zu seinen ersten musikalischen Gehversuchen, lange vor Queen, zurück. Auf Basis der umfangreichen Sammlung und gemeinsam erlebter Begebenheiten erzählt Austin anekdotisch kleine, sehr persönliche, aber auch grosse, die Musikwelt verändernde Geschichten – illustriert von grossteils privaten Fotos, die man so bis dato noch nicht kannte. Unbekannte Strophen von «Bohemian Rhapsody» und alternative Versionen von «Don't Stop Me Now» lassen zudem das Fanherz noch höher schlagen, als es ohnehin schon schlägt.
2023 folgte Austins aufsehenerregender Schritt, der Fans wie ehemalige Bandkollegen gleichermassen entsetzte: Die Haupterbin liess gut 1400 Einzelposten in einer mehrtägigen Auktion in London versteigern, auch das Haus hat sie zum Verkauf angeboten. Sie gab Mercurys Vermächtnis mit der Begründung aus der Hand, ein Kapitel ein für alle Mal schliessen und den Gegenständen einen neuen Sinn geben zu wollen.
«Freddie Mercury – Ein Leben in Songs. Mit Mary Austin». Verlag C.H. Beck, München 2026. 320 Seiten. Gebunden ca. 53.90 Franken. (Erscheint am 1. September)
Als die britische Rockband Queen Ende der 1970er-Jahre ihre wirtschaftlichen Belange selbst in die Hand nahm, folgte alsbald der Eintrag ins «Guinness-Buch der Rekorde» als höchstbezahlte Firmendirektoren Grossbritanniens.
Die vier Musiker wurden aufgrund der exorbitanten Abgaben von über 90 Prozent in ihrer Heimat zu Steuerflüchtlingen. Nach Frankreich und der Schweiz schlugen sie 1979 in Bayern auf. Mercury residierte im noblen Münchner Hilton, wo er in der Badewanne innerhalb von Minuten «Crazy Little Thing Called Love» zu Papier gebracht haben soll. Der Song wurde Queens erster Nummer-eins-Hit in den USA.
Der in Zürich geborene Autor Nicola Bardola seziert bis ins Detail die Entstehung der «Münchner» Queen-Alben und erzählt von den ungeahnten Verlockungen der Anonymität, denen die vier «Royals» – vor allem Mercury – sich hingaben. Es wurde viel «konsumiert», der kurze Arbeitstag begann spätnachmittags und endete frühabends. Anschliessend tobten sie sich in der lebendigen Szene der bayerischen Hauptstadt aus. «München war der Anfang vom Ende», räsonierte Gitarrist Brian May später.
Bardola holt weit aus, erzählt von Mercurys Schwulen-Outing lange vor der Münchner Zeit, widmet sich ausführlich dem turbulenten Liebesleben des Sängers und zeichnet akribisch die Geschichte von Mercurys bevorzugten Aufenthaltsorten, Bars und Discos nach. So wurde beispielsweise die In-Disco «Sugar Shack» zu «The Office» umbenannt, weil die Band dort bald mehr Zeit verbrachte als im Studio. Zudem avancierte das «Sugar» zum Testgelände für neue Sounds.
Mercurys Münchner Jahre gelten als seine kreativsten. Für die Nachwelt erhalten ist die Münchner Zeit durch die Benennung der «Freddie-Mercury-Strasse» im Stadtteil Neuhausen und auch durch das Video zu Mercurys Solo-Hit «Living On My Own»von 1985.
Im Buch findet sich ein Stadtplan vom Münchner Glockenbachviertel, der die 48 wichtigsten Stationen von Mercurys Aufenthalt abklappern lässt.
Ein anderer, nicht minder wichtiger Schauplatz ausserhalb Grossbritanniens war für Queen Montreux. Bereits 1978 war die Band für Plattenaufnahmen erstmals an den Genfer See gekommen. Die Hassliebe zu dieser beschaulichen, ereignislosen Gegend mündete sogar in den Kauf des dortigen Tonstudios.
Erst in seinen letzten Lebensjahren entdeckte Mercury die Ruhe und Abgeschiedenheit für sich, um letzte Verschnaufpausen während seiner Aids-Erkrankung zu finden und letzte Songs zu komponieren und aufzunehmen.
Das abschliessende Buchkapitel «Mercury in Montreux» erzählt von den letzten Aktivitäten des Musikers, aber auch über die Zeit nach seinem Tod. Montreux mit seiner überlebensgrossen Statue am Ufer des Sees wurde zur Fan-Pilgerstätte.
Nicola Barola: «Mercury in München. Seine besten Jahre». Heyne Verlag, München 2021. Erweiterte Taschenbuchauflage 2026. 496 Seiten.Taschenbuch ca. 27.90 Franken.














