Man soll petzen! Dubai verhaftet Filmer wegen Drohnen-Videos
In Dubai herrscht Kriegszensur – und sie hat bereits ein erstes Opfer gefordert. Mindestens eine Person wurde verhaftet, weil sie einen Raketenangriff filmte.

Das Wichtigste in Kürze
- In Dubai wurde mindestens eine Person verhaftet, weil sie einen Drohnenangriff filmte.
- Wer Posts über die Angriffe veröffentlicht, dem drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis
- Die Behörden fordern Bewohner auf, Nachbarn zu melden, die über Angriffe posten.
Dubai macht seit Beginn der iranischen Angriffe am 28. Februar mit einer knallharten Zensurpolitik auf sich aufmerksam. Wer die Raketen filmt, riskiert seine Freiheit.
Mindestens eine Person wurde bereits verhaftet – wegen eines Videos eines Drohnenangriffs. Das berichtet die «Daily Mail» unter Berufung auf den Menschenrechtsaktivisten und Dubai-Watch-Gründer David Haigh (48).

Was diesen Menschen nun erwartet, ist nach seinen Angaben «grauenhaft jenseits jeder Vorstellung».
Bis zu lebenslänglich
Wer in den Vereinigten Arabischen Emiraten Inhalte veröffentlicht, die der Regierung schaden, riskiert laut Haigh massive Strafen. Die Bandbreite reicht von Bussen bis zu umgerechnet 210'000 Franken über zehn Jahre Gefängnis bis hin zu lebenslänglicher Haft.
Danach folgt die Ausweisung, wenn man Glück hat.
Die Behörden verschickten seit Beginn der Angriffe mehrere SMS an die in Dubai lebenden Influencer. Verboten sind Bilder von Raketeneinschlägen, Aufnahmen von abgefangenen Drohnen, Audioaufnahmen von Explosionen und Selfie-Videos aus Bunkern oder Schutzräumen. Kurz: Alles, was dem sicheren Dubai-Markenbild schaden könnte.
Influencer sollen Nachbarn verpfeifen
Laut Haigh werden auch Bewohner inzwischen aktiv dazu aufgerufen, Nachbarn und Bekannte zu melden, die die Angriffe dokumentieren oder erwähnen. Man soll also petzen!

Für die grosse Influencer-Community Dubais, die ihr Leben in jeder Einzelheit auf Social Media teilt, ist das eine Schockwende. Ihr Geschäftsmodell funktioniert nur, solange alles glänzt und glitzert. Jetzt müssen viele von ihnen Beiträge posten, die so klingen wie offizielle Verlautbarungen.
«Keine Sorge, die UAE halten uns sicher», ist laut Haigh eine der meistgenutzten Phrasen. Viele Influencer betonen, sie hätten keine Angst, «weil ich weiss, wer uns beschützt.» Begleitet von einem Bild des Staatsoberhaupts Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum (76).
Gefängnis wie aus einem Alptraum
Haigh weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, auf der falschen Seite des Regimes zu landen. 2014 flog er auf Einladung einer Geschäftspartei nach Dubai. Er landete weniger als zwölf Stunden nach seiner Ankunft in einer Gefängniszelle.
Er beschreibt rohe Abwässer auf dem Zellenboden, Eimer als Toiletten, Schläge, Elektroschocks und mitangesehene Morde. Fast zwei Jahre dauerte seine Haft, bevor er nach Grossbritannien zurückkehren konnte.
«Jeder Influencer, der in dieses Gefängnis gerät, ist konstant dem Risiko von Vergewaltigung und Folter ausgesetzt», schreibt er. «Das sind die üblichen Strafen, die sadistische Wärter routinemässig einsetzen.»
«Galeerensklaven auf dem Luxusschiff Dubai»
WhatsApp-Video- und Sprachanrufe sind in Dubai verboten, da sie verschlüsselt und damit schwerer zu überwachen sind. Wer frei reden will, muss das Land erst verlassen.
Haigh beschreibt die Situation der Influencer drastisch: Als Galeerensklaven, die an ihre Ruder gekettet sind – auf dem Luxusschiff Dubai. Solange sie das Richtige sagen, werden sie verwöhnt. Sobald sie es nicht mehr tun, ist die Freiheit vorbei.
















