Er spielte die Klarinettenmelodien in Steven Spielbergs Holocaust-Drama «Schindlers Liste». Auch in deutschen Filmen war Giora Feidman zu hören. Corona nimmt der Musiker ganz pragmatisch.
Giora Feidman konzentriert sich ganz auf die Musik. Foto: picture alliance / dpa
Giora Feidman konzentriert sich ganz auf die Musik. Foto: picture alliance / dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Musiker haben es schwer in Pandemie-Zeiten: Lockdown-Phasen können die Kreativität trüben, Corona-Regeln verhindern Konzerte.

Doch Giora Feidman blockt schwere Gedanken ab, zumindest in künstlerischer Hinsicht. «Ich habe Zeit. Ich nehme Musik auf», sagt der Klarinettist. «Für mich war das Virus eine Gelegenheit.»

Feidman, der den Grossteil seines Lebens in Israel verbracht hat, verzaubert seit Jahrzehnten mit seiner Klezmermusik. Einen Auszug seiner Corona-Schaffensphase enthält die CD «85», die anlässlich seines Geburtstags erscheint. Feidman wird am 25. März 85 Jahre alt.

Der Klarinettist spielt vor allem die Musik seiner Vorfahren, die aus Bessarabien stammen, was dem heutigen Moldawien und der südlichen Ukraine entspricht. Es ist die Musik osteuropäischer Juden, wie sie seit Generationen auf Hochzeiten und Geburtstagen erklingt - ausgelassen und wehklagend, beschwingt und nachdenklich. Aber auch Tangos aus seiner argentinischen Heimat oder klassische Stücke gehören zu Feidmans Programm.

Eine Woche vor der CD veröffentlichte er bereits ein neues Buch mit dem Titel «Klang der Hoffnung». Für Feidman ist es ein «grosses Geschenk». «Ich wollte meine Erfahrungen teilen», erklärt er. «Ich habe so viel erlebt, womit ich den Leben anderer Menschen etwas beitragen kann.»

Feidman blickt in der Tat auf ein bewegtes Leben zurück. Geboren wurde er 1936 in Buenos Aires. Schon als Kleinkind fasziniert ihn das Klarinettenspiel seines Vaters. Ab und zu schnappt er sich dessen Instrument und probiert ein paar Töne. Irgendwann spielen sie gemeinsam stundenlang Duette und musizieren auf Festen.

Mit 18 Jahren wird Feidman Klarinettist am Teatro Colón, der berühmten Oper in Buenos Aires. Mit 21 bekommt er eine Anstellung beim Israelischen Philharmonieorchester in Tel Aviv. Während dieser Zeit präsentiert er einmal in der Woche mit einem Quintett Stücke im Radio. Irgendwann sagt er: Wir können auch was anderes - und spielt Klezmer. Wenig später verlässt er das Orchester.

In Deutschland wird Feidman 1984 mit Peter Zadeks Inszenierung von Joshua Sobols Holocaust-Stück «Ghetto» bekannt. Er spielt die Klarinettenmelodien in Steven Spielbergs Holocaust-Drama «Schindlers Liste» (1993) ein - für die Musik gibt es einen Oscar. Auch in den deutschen Filmen «Jenseits der Stille» (1996) von Caroline Link und «Comedian Harmonists» (1997) von Joseph Vilsmaier ist er zu hören.

Seinen Geburtstag feiert der mehrfache Grossvater fernab seiner Familie. Normalerweise lebt Feidman in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv, Israel betrachtet er als Heimat. Doch die vergangenen neun Monate verbrachte er in Deutschland. Die strengen und wechselhaften Corona-Regeln Israels schrecken ihn von einer Rückreise ab. Zudem wartet er auf eine Impfung. Nun wolle er aber bald versuchen, nach Hause zu reisen, sagt Feidman.

In den kommenden Monaten plant er auch, wieder auf der Bühne zu stehen. Doch ob dies wirklich so kommt, bleibt unklar. Feidman nimmt es erneut pragmatisch. «Wenn ich eingeladen werde, dann gehe ich», sagt er. «Andernfalls werde ich weiter Platten aufnehmen.»

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