Fussball um jeden Preis

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Deutschland,

Im Augenblick hadert jeder Fussballfan mit den Folgen der Pandemie für die herrlichste Nebensache der Welt. Nur Geisterspiele und keine EM. Doch die echten Schattenseiten des Sports gab es auch schon vor Corona.

Abdelmalek Amara rennt dem Ball hinterher. Foto: Arte France/dpa
Abdelmalek Amara rennt dem Ball hinterher. Foto: Arte France/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Sommer 2018 setzt der gerade 18-jährige Nachwuchsfussballer Abdelmalek Amara aus dem französischen Le Havre alle seine Hoffnungen in die Profikarriere.

Reich werden mit dem runden Leder, Autos, Häuser, Heirat und Familie.

Doch dem Jungen algerischer Abstammung wird ein Strich durch die Rechnung gemacht. Sein Verein, Le Havre Athletic Club (HAC), seit mehr als 140 Jahren eine der grössten Talentschmieden im Land, gibt dem vielversprechenden Nachwuchskicker keinen Vertrag für die Zweite Liga.

Der französische Dokumentarfilmer Fabrice Macaux hat sich für den 55 Minuten langen Dokumentarfilm «Fussball um jeden Preis», zu sehen an diesem Mittwoch um 21.50 Uhr, an zwei entscheidenden Schnittstellen in Abdels Leben mit der Kamera in das Leben des jungen Mannes gemischt: als ihm sein Ausbilder in Le Havre vor der Vereinsführung und Abdels Vater erklärt, der Klub werde ihn nicht übernehmen und ein halbes Jahr später, als ihn sein alter Trainer doch noch an den Zweitligisten SC Bastia vermittelt.

Nach Abschluss der Dreharbeiten jedoch ist auch dieses klar: Das Portal Transfermarkt.de weist aus, dass der nunmehr 20-Jährige nach einem erfolglosen halben Jahr in Bastia in Algerien beim MC Oran landete, für den er in der abgelaufenen Saison gerade einmal zwei Spiele absolvierte. Die Karriere, von der sich Abdel und vor allem sein ehrgeiziger Vater so viel versprachen, scheint damit vorbei zu sein. Und damit auch der Traum vom grossen Geld, der in Corona-Zeiten bei vielen geplatzt sein dürfte.

Abdelmalek Amara ist ein Kind wie viele, gerade in Frankreich: Ein Junge mit migrantischen Wurzeln, aufmüpfig, aber auch unsicher, ständig auf der Suche nach seinem eigenen Profil: Vor seiner Lehrerin in der vereinseigenen Schule des HAC sagt er noch, was er vom Leben erhoffe: «Geld, das ist was Schönes, Geld.» Die Dame schüttelt nur den Kopf. Sein Trainer bringt die Zweifel auf den Punkt: «Abdel kann Dir im Fussball tolle Sachen zeigen, mit ihm gewinnt man Spiele.» Doch seine Disziplin lasse zu wünschen übrig. Morgens früh aus den Federn zu kommen, sei nicht sein Ding.

Zu Hause zeigt Abdel sein anderes Gesicht: Mit seiner kleinen Nichte geht er liebevoll um, er kümmert sich um seine schwerbehinderte Mutter, aber immer wieder muss er sich die Standpauken seines Vaters anhören, der von ihm die nötige Reife fordert. Er möge sich ein Beispiel an seiner Schwester nehmen, die ihr Abitur nachgeholt und im Beruf Ehrgeiz entwickelt habe. Den hat auch Abdel. Aber der Profifussball ist ein Nadelöhr. Nur wenige passen hindurch. Und wer das nicht schafft, muss den Schalter umlegen, sein Leben neu erfinden. Auch Abdel wird wohl nichts anderes übrigbleiben.

© dpa-infocom, dpa:200706-99-688355/2

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