Eltern in Erlinsbach AG besorgt: «Auf Schulweg fehlt Zebrastreifen»
An der Saalhofstrasse in Erlinsbach beklagen Eltern einen fehlenden Fussgängerstreifen. Der Kanton lehnte diesen ab. Auch aus Sicherheitsgründen, wie er sagt.

Das Wichtigste in Kürze
- An der Kantonsstrasse in Erlinsbach AG hat es eine Mittelinsel – aber keine Streifen.
- Da dort viele Kinder durchgehen, fordern Eltern, dass ein Streifen angebracht wird.
- Doch der Kanton hat diesen nach einer Fussgängerzählung abgelehnt.
- Der Gemeinderat beteuert, er werde sich weiterhin dafür einsetzen.
Dieses Thema gibt in Erlinsbach bei Aarau ordentlich zu reden: An der Saalhofstrasse – einem Schulweg – gibt es zwar eine Mittelinsel sowie Blindenleitsysteme, jedoch keine gelben Fussgängerstreifen.
Bürger und Vater Raphael Schifferle will dies ändern. Zusammen mit anderen Eltern aus dem Dorf. «Täglich überqueren dort Kinder, ältere Menschen, Hundehalter, Wanderer und Fahrgäste des Busses die Strasse».
Doch die Situation ist aus seiner Sicht viel zu gefährlich. «Wir sprechen nicht von Komfort, sondern von Prävention. Ich will nicht warten, bis ein Kind verunfallt, um den Streifen zu begründen», so Schifferle.
Dass es an dieser Stelle zwar eine Insel und Blindenleitlinien gibt, jedoch keinen Fussgängerstreifen, bezeichnet er als Widerspruch. «Das versteht kein Kind und kein Autofahrer», so der Eltern-Sprecher.
Über 100 Familien würden diese Überlegungen teilen.
Eltern, Gemeinde und Kanton machten Besichtigung
Auch für Gemeindepräsident Heinz Pfluger hat die Verkehrssicherheit in seiner Gemeinde Priorität. «Wir tun alles dafür, dass mögliche Unfälle verhindert werden können», sagt er auf Anfrage.
Es liege jedoch in diesem Fall nicht in der Macht des Gemeinderats, dort einen Fussgängerstreifen zu markieren. Denn bei besagter Strasse handle es sich um eine Kantonsstrasse.

Pfluger erklärt, dass auf Ersuchen der Anwohnerschaft und der Gemeinde vor Ort eine Besichtigung mit dem Kanton stattgefunden habe.
Letzterer führte an dieser Stelle eine Fussverkehrszählung durch. Und entschied in der Folge, den Antrag für die Markierung eines Fussgängerstreifens im Grundsatz abzulehnen.
Dies bestätigt Kai Schnetzler vom Tiefbauamt des Kantons Aargau auf Anfrage. «Die Erhebungen zeigen, dass die Zahl der Querungen in den fünf am stärksten frequentierten Stunden bei etwas über 70 Personen liegt.»
Damit werde die für die Markierung eines Fussgängerstreifens erforderliche Mindestfrequenz nicht erreicht. «Aus diesem Grund ist derzeit kein Fussgängerstreifen vorgesehen.»
«Streifen erhöht Sicherheit nicht automatisch»
Der Hintergrund dieser Vorgabe sei sicherheitsrelevant, so Schnetzler. «Ein Fussgängerstreifen regelt in erster Linie den Vortritt. Er erhöht die Sicherheit nicht automatisch. Damit ein Fussgängerstreifen sicher funktioniert, müssen Fahrzeuglenkende regelmässig mit querenden Personen rechnen.»
Bei sehr tiefen Frequenzen bestehe die Gefahr, dass der Fussgängerstreifen zu wenig wahrgenommen werde und bei querenden Personen ein falsches Sicherheitsgefühl entstehe, so Der Leiter der Sektion Verkehrssicherheit beim Kanton.
Die Mittelinsel sei im Rahmen der Kantonsstrassensanierung 2023/24 erstellt worden. «Vorher bestand an dieser Stelle keine bauliche Querungshilfe», so Schnetzler.
Die neue Mittelinsel ermögliche es, die Strasse in zwei Etappen zu queren, und verbessere damit die Situation für den Fussverkehr.
«Zählung an kaltem Wintertag»
Raphael Schifferle reicht das nicht. Er will weiter für den Fussgängerstreifen kämpfen. Und hat an der Gemeindeversammlung vom 19. Juni im Namen der Eltern-Gruppierung einen entsprechenden Antrag eingereicht.
Denn die Zählung der Querungen habe an einem kalten Wintertag stattgefunden, kritisiert er. «An kalten Tagen sind weniger Menschen zu Fuss unterwegs. Trotzdem verfehlte die Zahl die geforderte Vorgabe nur knapp.»
Gefährliche Situationen oder gar schlimme Unfälle sollen mit dem Streifen verhindert werden. Und die Sicherheit der Kinder erhöht.
Darin sind sich offenbar alle Parteien einig.
Kai Schnetzler betont: «Das Grundanliegen der Eltern können wir vollkommen nachvollziehen und ist mit unseren Zielen deckungsgleich. Zum Wohle unserer Kinder möchten wir die verkehrssicherste Lösung anbieten.»
Der Gemeinderat von Erlinsbach nimmt sich dem Antrag der Elternschaft an und werde somit das Anliegen nochmals aufnehmen. «Anlässlich der nächsten Gemeinderatssitzung werden wir über das weitere Vorgehen befinden.»
Und Kai Schnetzler lässt Hoffnung aufkommen: «Ein Fussgängerstreifen kann zu einem späteren Zeitpunkt erneut geprüft werden, wenn sich die Rahmenbedingungen wesentlich ändern.»












