«Evas Story»: Holocaust-Gedenken auf Instagram

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    Israel,

    Was wäre, wenn es zur Zeit des Holocaust Instagram gegeben hätte? Das ist die Idee hinter dem Projekt «Evas Story». Es soll Jugendlichen die Geschichte der Judenverfolgung durch die Nazis und des Holocaust näherbringen.

    Auf dem digitalen Plakat steht auf Hebräisch: "Evas Story. Wenn ein Mädchen während des Holocaust Instagram gehabt hätte". Foto: Robert Messer
    Auf dem digitalen Plakat steht auf Hebräisch: "Evas Story. Wenn ein Mädchen während des Holocaust Instagram gehabt hätte". Foto: Robert Messer - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Es ist eine neue Form des Gedenkens an den Holocaust in Israel: Eine Instagram-Story soll die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens aus Ungarn erzählen, das 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden war.

    «Evas Story» wird von Mittwoch (1500 MESZ) an im stündlichen Takt in kurzen Videos in englischer Sprache auf Instagram erscheinen. Zum Holocaust-Gedenktag in Israel am Donnerstag (2. Mai) soll dies an das Leben von Eva Heyman erinnern - und an die rund sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden.

    Initiator und Regisseur ist der israelische Geschäftsmann Matti Kochavi, der nach Medienberichten mehrere Millionen Schekel investiert hat. «Evas Story» basiert auf dem Tagebuch des jungen Mädchens, das die letzten Monate seines Lebens schildert, und stellt die Frage: «Was, wenn ein Mädchen im Holocaust Instagram gehabt hätte?». Entsprechend erhält man einen Instagram-typischen Einblick in das Leben eines jüdischen Mädchens während der NS-Besatzung, als hätte es seine persönliche Geschichte durch Instagram aufgezeichnet.

    Eva Heyman war 13 Jahre alt, als sie begann, ihr Tagebuch zu führen - schrieb dieses jedoch nur einige Monate bis zu ihrer Deportation im Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie im Oktober ermordet wurde. Das Mädchen wird von der Schauspielerin Mia Quiney dargestellt.

    An der Einfahrt nach Tel Aviv werben riesige Plakate für das Projekt. Die verschiedenen Videos wurden unter anderem im ukrainischen Lwiw aufgenommen. Für die Story wurde etwa eine Szene mit der Ankunft von mehr als 40 deutschen Panzern gefilmt, die Eva in ihrer Heimatstadt miterlebt hatte.

    Das ungewöhnliche Projekt stösst auf grosses Interesse: Schon am Tag vor der Veröffentlichung hat der Account mehr als 200 000 Follower. Ziel ist es, auch jüngeren Menschen einen besseren Zugang zur Geschichte des Holocaust zu verschaffen. Deshalb wird die persönliche Geschichte einer «Gleichaltrigen» erzählt, über ein Medium, das vor allem junge Nutzer hat.

    Initiator Kochavi erklärt seine Entscheidung für diese Plattform mit dem aktuellen Trend junger Nutzer zu sozialen Medien. «Die Jugend ist heute auf Instagram, während die Jugend zu meiner Zeit Zeitungen las und Fernsehen schaute», sagte er dem israelischen Fernsehen.

    «Im digitalen Zeitalter, in dem die Aufmerksamkeitsspanne kurz und das Bedürfnis nach Nervenkitzel hoch ist, ist es extrem wichtig, neue Modelle der Zeugenaussagen und Erinnerung zu finden - auch angesichts der sinkenden Zahl von Holocaust-Überlebenden», sagte Kochavi der Zeitung «Haaretz».

    Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilte mit, man kenne das Projekt zwar nur aus der Werbekampagne. «Yad Vashem glaubt aber, dass die Nutzung sozialer Medien für das Holcaust-Gedenken legitim und effektiv ist.»

    In sozialen Medien in Israel ist die Resonanz auf diese neue Form des Gedenkens allerdings nicht nur positiv. Ist es ein legitimer Weg, der jungen Generation und Digital Natives die Geschichte und die Leiden der Opfer des Holocausts mit nachgestellten Instagram-Storys nahezubringen - oder ist es geschmacklos? Eine Facebook-Nutzerin kritisiert das Projekt: «Sind wir so tief gesunken und abgebrüht, dass wir sogar beim Thema Holocaust das Drama suchen?»

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