SRF

    SRF-«Happy Day»-Umbauten mit Gebühren finanziert

    Angelika Meier
    Angelika Meier

    Zürich,

    Nach zehn Jahren beendet der Schreinerverband das Sponsoring von SRF-«Happy Day». Jetzt wird klar: Die Umbauten in der Sendung zahlte nicht etwa der Sponsor.

    srf
    Das Moderatoren-Duo von SRF, Röbi Koller und Kiki Mäder, bei «Happy Day». - Screenshot SRF

    Das Wichtigste in Kürze

    • SRF verliert nach zehn Jahren seinen Sponsor, den Schreinerverband.
    • Dieser sorgte für schöne Umbauarbeiten in der Glücklichmacher-Sendung.
    • Bezahlt wurden die teuren Umbauten mit Gebührengeldern.

    Keine Sendung macht SRF-Zuschauer glücklicher als «Happy Day». Bei Moderator Röbi Koller (63) und Co-Moderatorin Kiki Mäder (39) werden Herzenswünsche erfüllt.

    Sei es eine Reise nach Island, ein Verwöhnprogramm für eine bedürftige Seniorin oder gar aufwendige und teure Umbauten am Haus.

    srf
    Glückliche Gesichter bei Familie Zollinger, die endlich ein Drei-Generationen-Haus erhält. - Screenshot SRF

    Letzteres ist seit Jahren der wohl beliebteste Teil der Show.

    Vergangenen Samstag etwa verhalf SRF einer von Zelebralparese betroffenen Familie zu einem umgebauten Eigenheim. Drei Zimmer – darunter Küche und Wohnzimmer - wurden vom SRF-Team komplett und schön umgebaut. Das kostet viel Geld.

    Als prominenter Sponsor stets deklariert: Der Schweizer Schreinerverband.

    Doch wofür kommt dieser eigentlich genau auf?

    srf
    Am Samstag renovierte das SRF-Handwerkerteam Küche, Wohnzimmer und mehr. - Screenshot SRF

    SRF-Sponsor brachte sich nur fachlich ein, nicht finanziell

    Geschäftsleitungsmitglied Patrik Ettlin sagt zu Nau.ch: «Wir haben unseren Sponsoringbeitrag und diverse organisatorische Nebenleistungen erbracht. Darin sind unter anderem die Organisation des Umbaupartners, also der Schreinerei, und die Präsenz am Dreh enthalten.»

    Und weiter: «Die Umsetzung des Umbauprojekts war und ist Sache des SRF. Wir haben uns da mit unserem TV-Schreiner Thomas Zulauf und den Schreinern fachlich eingebracht, finanziell nicht.»

    srf
    Kiki Mäder am Samstag vor den SRF-Handwerkern: «Uh, das sind aber viele.» - Screenshot SRF

    Ettlin wird Konkret, sagt: «Der Umbauteil wurde vom SRF bezahlt.» Das war bisher so nicht bekannt.

    Brisant: Schon vor einem Jahr beschwerten sich zwei Zuschauer beim damaligen SRG-Ombudsmann Roger Blum (75) über fehlende Transparenz.

    «Wer bezahlt dies alles? Wer hat so viel Geld zum Verteilen?» Und: «Die SRG hat gemäss Konzession keinen Auftrag, private Haushalte mit Renovationsbedarf finanziell zu unterstützen.»

    happy day ombudsmann
    Bild von 2019: Moderator Röbi Koller (rechts) bereist mit Franz Island. - Printscreen SRF

    Der Ombudsmann gab ihnen teilweise recht. Man würde gerne wissen, «welchen Anteil die Sponsoren übernommen haben und welcher Anteil dem Redaktionsbudget anheimfällt», so Blum vor einem Jahr.

    Und er mahnte: «Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass SRF Gebührengelder verschleudert.» SRF schwieg trotzdem über die Kosten.

    Nau.ch will es jetzt genau wissen: Wie viele Gebührengelder verbaut SRF also bei «Happy Day»? Auf Anfrage gibt sich Sprecherin Andrea Wenger auch nun bedeckt. Genaue Umbau-Zahlen will man immer noch nicht nennen.

    SRF nennt keine genauen Zahlen

    Nur soviel: «Ein Abendformat wie «Happy Day» kostet durchschnittlich 478’000 Franken pro Folge. Die Programme der ganzen SRG – also auch von SRF – sind durch Gebühreneinnahmen und kommerzielle Erträge finanziert.»

    Kücheneinrichtungen, wie vergangenen Samstag von Innenarchitekt Andrin Schweizer ausgesucht, werden von Bosch gesponsert.

    srf
    Innenarchitekt Andrin Schweizer durfte bei Bosch gratis eine Küche zusammenstellen. - SRF

    Durchschnittlich erreicht die beliebte Sendung 700'000 Zuschauer pro Folge.

    Den Abgang der Schreiner bedauert man bei SRF. Erstaunlich: Trotz offenbar hohen Kosten werden die «Umbau-Geschichten auch im kommenden Jahr ein wichtiger Bestandteil des Formats sein», so Wenger weiter.

    Schreinerverband wendet sich von SRF ab

    So oder so: Für den Schreinerverband lohne sich das Sponsoring nicht mehr. Nach zehn Jahren habe man das Engagement beendet, wie Patrik Ettlin Informationen von Nau.ch bestätigt.

    srf
    Kiki Mäder (l.) und Röbi Koller machen in der SRF-Show Menschen glücklich. - Screenshot SRF

    «Diese Plattform haben wir 10 Jahre lang nützen können, um unsere Marke «Der Schreiner – Ihr Macher» und den Beruf des Schreiners zu platzieren.»

    Man habe «mehrere Millionen Schweizer Franken investiert», mehrheitlich Gelder der Mitglieder.

    Aber: «Längst nicht alle Mitglieder sind mit dem Format «Happy Day» rundum zufrieden. Zudem konnten wir damit beispielsweise auch unserem italienisch sprechenden Verbandsteil nicht gerecht werden. Ebenso gab es Stimmen, dass das Format «Happy Day» langsam in die Jahre gekommen ist, die Zielgruppe eher bei den älteren Menschen ist und sich die verschiedenen Elemente wiederholten.»

    srf
    Kult-Moderator Röbi Koller ging in Pension. - SRF

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    rosenwasser
    428 Interaktionen
    «Wollten Rosenwasser»
    leu
    591 Interaktionen
    «Schämt euch»

    MEHR SRF

    SRF
    58 Interaktionen
    SRF greift ein
    Sie macht Sprache sichtbar
    22 Interaktionen
    «Brücke bauen»
    SRF-Studio
    25 Interaktionen
    Rüge für SRF-Dok
    -
    153 Interaktionen
    SRF-Moderatorin

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    FC Zürich
    4 Interaktionen
    5:3-Sieg bei YB
    demo
    591 Interaktionen
    In Zürich
    Zürich
    Zürich
    limmat
    Kanton Zürich