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Paola Biason: Frühere «G&G»-Chefin ist jetzt Stadtführerin in Zürich

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Zürich,

Nach 35 Jahren im Journalismus startet Paola Biason neu: Die frühere «G&G»-Redaktionsleiterin zeigt internationalen Gästen ihre Heimatstadt Zürich.

Paola Biason
Zurück im Tourismus: Paola Biason, die über 20 Jahre den People-Journalismus auf SRF prägte, ist heute als Tourguide in der Stadt Zürich unterwegs. - zVg

Über 20 Jahre lang prägte Paola Biason den People-Journalismus beim Schweizer Fernsehen. Ihre SRF-Karriere begann im März 2005, als das People-Magazin «glanz & gloria» erstmals über den Bildschirm flimmerte. Biason war damals als Inputerin dabei. Fünf Jahre später wurde sie stellvertretende Redaktionsleiterin, im März 2015 übernahm sie die Leitung der Redaktion.

Paola Biason
«G&G»-Chefin Paola Biason verliess SRF nach 20 Jahren. - SRF

In dieser Funktion war sie während eines Jahrzehnts massgeblich an der Weiterentwicklung der Sendung beteiligt. Und begleitete auch den Wandel von «glanz & gloria» zu «G&G – Gesichter und Geschichten» im Dezember 2020.

Hast du gerne «glanz & gloria» geschaut?

Am 27. Juni 2025 lief die letzte reguläre Ausgabe. Zwei Tage später verabschiedete sich das Format nach 20 Jahren mit einem Abschiedsfilm endgültig vom Publikum. Für Biason war damit der Moment gekommen, Das Schweizer Fernsehen zu verlassen.

«Ich hatte 20 unvergesslich schöne Jahre bei SRF. Mein Herz schlägt aber zu stark für den People-Journalismus, um ihn nur noch in abgespeckter Form ausleben zu können», sagte sie damals. Besonders schwer fiel ihr der Abschied von den Menschen: «Ich werde mein engagiertes Team und die grosszügige Plattform, die SRF der Schweizer Prominenz über 20 Jahre mit einer eigenen Sendung geboten hat, sehr vermissen.»

Zurück zu den touristischen Wurzeln

Was kommt nach 35 Jahren Journalismus, zwei Jahrzehnte davon beim Schweizer Fernsehen? Für Biason gab es nur einen Weg, der sich für sie richtig anfühlte. «Als entschieden war, dass SRF ‹G&G› einstellen würde, war für mich sofort klar, dass ich den Journalismus verlassen und zurück in den Tourismus gehen würde», sagt sie.

Der Entscheid hat auch damit zu tun, wie sich ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert hatte. Als Redaktionsleiterin sei sie zwar täglich mit aktuellen Themen beschäftigt gewesen, habe in der Praxis aber vor allem im Büro und in Sitzungen gesessen und sich intensiv um personelle Aufgaben gekümmert. Dabei seien Fähigkeiten zu kurz gekommen, die ihr wichtig sind. «Meine fünf Sprachen – Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch – lagen sozusagen brach.»

Paola Biason
Paola Biason arbeitete von 2005 bis 2025 für «glanz & gloria» beziehungsweise «G&G – Gesichter und Geschichten». - Screenshot SRF

Der Tourismus ist für Biason kein berufliches Neuland. Schon in jungen Jahren arbeitete sie als Reiseleiterin für Imholz Reisen. Mehrmonatige Einsätze in London, Paris und auf Ibiza halfen ihr, die obligatorischen Auslandaufenthalte für ihr Hochschulstudium in Englisch, Französisch und Spanisch zu finanzieren.

Später war sie auch für Zürich Tourismus als Tourguide unterwegs. Der Grund dafür klingt heute fast wie eine Vorahnung auf ihre berufliche Rückkehr: «Eines Tages habe ich plötzlich gemerkt: He, ich kenne die ganze Welt, aber meine eigene Stadt nicht. Das muss sich ändern.»

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Nach dem Ende von «G&G» meldete sich Biason deshalb erneut bei Zürich Tourismus. Der damalige Ausbildungsgang war zwar bereits abgeschlossen. Sie erhielt aber die Möglichkeit, Ausbildung und Prüfung im Selbststudium nachzuholen.

Was folgte, war ein intensiver Winter. Stunden-, tage- und wochenlang beschäftigte sie sich mit Zürcher Geschichte, Architektur, Kunst und Archäologie. Sie besuchte Bauten, Museen und Monumente, begleitete erfahrene Guides und stellte aus ihren Notizen ein eigenes Manual zusammen. Vier Monate später trat sie zur Prüfung an – und bestand.

Am richtigen Ort angekommen

Die bestandene Prüfung war für Biason viel mehr als eine neue berufliche Qualifikation. Der Abschied vom Fernsehen hatte Spuren hinterlassen. «Der Trennungsschmerz von meinem G&G-Team und auch vom People-Journalismus war für mich unerwartet hart», sagt sie.

Die intensive Beschäftigung mit Zürich half ihr beim Neuanfang. «Als plötzlich diese neue Tür aufging, war ich in einem ganz anderen, beflügelnden Film.» Besonders emotional beschreibt sie, was ihr die neue Tätigkeit gibt: «Endlich konnte ich die Vergangenheit hinter mir lassen, meinen Geist wieder mit nachhaltiger Historie und nicht mehr nur mit journalistischem Kurzfutter nähren. Endlich stand ich wieder im Kontakt mit fremden Kulturen und Sprachen. Heute fühle ich mich dort angekommen, wo mich das Leben seelisch erfüllt.»

Biason führt vor allem zweistündige Altstadttouren auf Deutsch, Englisch und Italienisch durch. Eigentlich wollte sie höchstens drei Führungen pro Woche übernehmen. Daraus sind inzwischen fünf bis sieben geworden.

Die Gruppen könnten unterschiedlicher kaum sein: Firmenausflüge, Schulklassen, Freundesgruppen, Sportvereine, ETH-Austauschstudenten, Neuzuzüger oder japanische Influencer auf Medienreise. Dazu kommen amerikanische Ü60-Pauschalreisende von Viking, denen sie Zürich im Bus, zu Fuss und vom Schiff aus näherbringt.

Paola Biason
Paola Biason zeigt heute Gästen aus aller Welt die Zürcher Altstadt. - zVg

Biason passt ihre Führungen dem jeweiligen Publikum an. Mal steht Geschichte im Zentrum, mal sind es Anekdoten, praktische Informationen oder Lifestyle-Themen. Dabei setzt sie auf Interaktion und stellt ihren Gästen Fragen: Wie viele Gebäude wurden in Zürich während der Weltkriege zerstört? Darf man in der Limmat schwimmen? Wann wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt?

«Das schafft natürlich eine emotionale Nähe», so Biason. Wenn es am Ende Umarmungen oder Applaus gebe, wisse sie, dass der Funke übergesprungen sei.

Auch vermeintlich einfachere Aufgaben übernimmt sie gerne. Reisende nach einem langen Flug am Flughafen Zürich willkommen zu heissen und zum Bus zu begleiten, sei keineswegs nebensächlich. Für Biason gilt auch hier: «You never have a second chance to make a first good impression.»

Von ihrer Zeit bei Imholz profitiert sie bis heute. Die damalige Reiseleiter-Schulung sei streng und ausgesprochen professionell gewesen. «Ein sympathisches, höfliches und zuvorkommendes Auftreten, Ruhe bewahren und kurzfristiger Entscheidungsmut in Krisensituationen, Kreativität in der wetterbedingten Umgestaltung eines Programms und vieles mehr habe ich bei Imholz gelernt.» An diesen Prinzipien orientiere sie sich noch immer.

Neue Ideen sind schon im Köcher

Bei klassischen Stadtführungen soll es nicht bleiben. «Ich habe einige Projekte im Köcher», so die ehemalige Fernsehfrau. Mit Zürich Tourismus ist sie im Gespräch über neue Themenführungen, bei denen ihr Hintergrund als langjährige People-Journalistin einfliessen soll.

Auch ihre italienischen Wurzeln möchte sie nutzen. Biason führt Gespräche mit Reisebüros in ihrer Heimat Venetien. Ihr Ziel: Vermehrt italienische Reisegruppen unter ihrer Leitung nach Zürich und in andere Teile der Schweiz zu bringen, zu Preisen, die für die Gäste attraktiv bleiben.

Und ganz ohne Journalismus geht es möglicherweise doch nicht. Biason kann sich eine wöchentliche Kolumne oder einen Blog in einem Zürcher Medium vorstellen. Stoff dafür liefert ihr die neue Tätigkeit reichlich. «Ich habe jeden Abend eine lustige Geschichte zu erzählen.»

Nach 35 Jahren im Journalismus ist Paola Biason damit wieder dort gelandet, wo ihre berufliche Laufbahn einst begann: Bei Reisenden, fremden Sprachen und vielen persönlichen Begegnungen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.

Kommentare

User #3464 (nicht angemeldet)

Ich mochte sie immer, habe gerne mit ihr zusammen gearbeitet

User #3684 (nicht angemeldet)

Sie wird sicherlich einen gewaltigen Einkommenseinbruch haben. Denn die Löhne beim SRF sind bekanntlich sehr hoch.

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