Lo & Leduc singen jetzt auf Hochdeutsch

Gerry Reinhardt
Gerry Reinhardt

Bern,

Lo & Leduc wagen auf dem neuen Album einen Sprachwechsel. Einer der zwei hochdeutschen Songs richtet sich laut Lo auch gegen den Rechtsruck.

Lo & Leduc
Lo & Leduc veröffentlichen mit «Krise als Chanson» ein Album, das politischer und sprachlich offener klingt als frühere Werke. Auf zwei Songs wechselt das Berner Duo ins Hochdeutsche. - Bakara Music

Das Wichtigste in Kürze

  • Lo & Leduc singen auf dem neuen Album in zwei Songs auf Hochdeutsch.
  • Laut Lo steckt dahinter kein Plan für Deutschland oder einen neuen Markt.
  • Ein Song sei bewusst auf Deutsch gehalten, weil er den Rechtsruck thematisiert.

Wer Lo & Leduc kennt, kennt sie auf Berndeutsch. Auf «Krise als Chanson», dem neunten Album von Lorenz Häberli (40) und Luc Oggier (37), klingt es aber etwas anders: Zwei Tracks laufen auf Hochdeutsch durch, darunter ein Song, der klar Stellung bezieht.

«Wie es ist», heisst er. Und der Titel ist Programm.

Der neue Song «Wie es ist» von Lo & Leduc.

«Das Stück bezieht sich auf den Rechtsruck», sagt Lo im Gespräch mit Nau.ch. Gerade in Deutschland sei das Thema besonders relevant. «Insofern schien es uns zwingend, dass dieser Song auf Deutsch gesungen wird.»

Songs auf Hochdeutsch schreiben ist anders

Nicht nur politisch, auch sprachlich hat Lo ein Argument: «Im Fall von ‹Wie es ist› kommt noch hinzu, dass die Sprichwörter, die im Text referenziert werden, auch in der Schweiz auf Hochdeutsch ausgesprochen werden.»

Die deutsche Sprache sei zudem ein Teil der Schweiz. «Wir wollten ausprobieren, wie es ist, wenn wir uns als Songschreiber in diese Sprache begeben.»

Findest du es gut, dass Lo & Leduc klar Stellung beziehen?

Heisst das, Lo & Leduc wollen künftig noch mehr Lieder auf Hochdeutsch produzieren?

«Grundsätzlich ist es ein Ausprobieren – die Sprache macht auch immer etwas mit den Schreibenden», erklärt Lo. Auf Deutsch gebe es beispielsweise sofort eine etwas grössere Distanz zwischen ihm und dem Text als auf Schweizerdeutsch.

Kein Plan für Deutschland

Wer nun aber glaubt, die Berner Rapper wollten mit den neuen Songs gezielt den deutschen Markt erobern, liegt daneben. «Nein, beim Texten spielen strategische Überlegungen keine Rolle», dementiert Lo.

Auch ein stärkerer Fokus auf Deutschland sei derzeit kein Thema. «Nein, das ist kein konkreter Plan.» Mehr Auftritte, Promotion oder Medienarbeit in Deutschland seien aktuell ebenfalls nicht vorgesehen.

Lo verweist stattdessen auf die Realität in der Schweiz. Es gebe auch hierzulande sehr viele Menschen, die Deutsch besser verstehen als Schweizerdeutsch.

Hochdeutsch kann helfen, ist aber kein Garant

Dass Hochdeutsch Schweizer Acts theoretisch näher an ein deutsches Publikum bringen kann, bestreitet auch Philipp Schnyder nicht. Der Festivalleiter von m4music sagt zu Nau.ch, wer «die Sprache der Menschen» spreche, treffe tendenziell auch leichter deren Nerv.

Philipp Schnyder
Philipp Schnyder ist Festivalleiter von m4music beim Migros-Kulturprozent. Er ordnet ein, warum Hochdeutsch den Schweizer Acts helfen kann, aber kein Selbstläufer ist. - LinkedIn

Ein Selbstläufer sei das aber nicht. Erfolg hänge von weit mehr ab als nur von der Sprache. «Auch mit Schweizer Mundart kann im Ausland gepunktet werden», so Schnyder.

«Krise als Chanson» von Lo & Leduc ist seit Frühling 2026 erhältlich.

Kommentare

User #5366 (nicht angemeldet)

Da ruft der grosse Kanton mit mehr Kohle. Nur no Kommerz het sie gseit.

User #6376 (nicht angemeldet)

hab sie im Samstigjass gehört. Kannst vergleichen mit der Sendung. Man tut sich das nicht an

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