Zürich: 80 Meter hoher Turm für Informatik und Bibliothek
Auf dem Campus Hönggerberg in Zürich entsteht ab 2028 ein 80 Meter hoher Neubau für Informatik, Bibliothek und Lehre. Er kostet 310 Millionen Franken.

Auf dem Campus Hönggerberg entsteht ab 2028 ein neues Lehr- und Forschungsgebäude mit rund 80 Metern Höhe. Es schafft dringend benötigten Raum für das Departement Informatik, die Bibliothek und die Lehre – und soll zugleich ein öffentlicher Treffpunkt werden.
In Kürze
Den Zuschlag für den geplanten Neubau erhielt das Team um Losinger Marazzi als Gesamtleisterin mit Itten+Brechbühl, MAK architecture und Uniola Landschaftsarchitektur.
Der Baustart ist für 2028 vorgesehen. Der Auftrag beläuft sich auf rund 310 Millionen Franken inklusive Mehrwertsteuer.
Immer mehr Studierende und Mitarbeitende teilen sich an der ETH Zürich Hörsäle, Büros und Labore. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als die Gebäudefläche: Zwischen 2010 und 2025 stieg die Zahl der Studierenden und Mitarbeitenden um 58 Prozent, die verfügbaren Flächen dagegen nur um 21 Prozent. Die ETH Zürich braucht deshalb dringend zusätzlichen Raum für Forschung, Lehre und Lernen.
Da im Zentrum kaum noch Platz für Neubauten ist, schafft die Hochschule zusätzliche Flächen vor allem auf dem Hönggerberg und verdichtet dort bewusst innerhalb des bestehenden Areals. Das neue Gebäude HWS entsteht am Stefano-Franscini-Platz an der Wolfgang-Pauli-Strasse, der Hauptverkehrsachse des Campus. Mit Hörsälen, Bibliothek, Gastronomie und weiteren öffentlichen Angeboten soll es zum neuen zentralen Treffpunkt werden.
Neues Zuhause für Informatik und Bibliothek
Ein viergeschossiger Sockel nimmt die Höhe der umliegenden Gebäude auf. Darauf stehen zwei unterschiedlich hohe Gebäudeteile: ein kleinerer Trakt für die Bibliothek und ein 20-geschossiger Turm für das Departement Informatik. Auf insgesamt rund 64'000 Quadratmetern Geschossfläche entstehen rund 1'600 Arbeitsplätze für Mitarbeitende und knapp 1'500 Arbeitsplätze für Studierende.
Das Departement Informatik, das heute auf verschiedene Gebäude verteilt ist, wird künftig auf dem Hönggerberg zusammengeführt. Dadurch kann die ETH Mietliegenschaften aufgeben und Mietkosten reduzieren.
Mit dem HWS entsteht zudem ein räumliches und akademisches Pendant zum ETH Zürich Campus Heilbronn. Beide Standorte sollen in Forschung und Lehre eng miteinander verbunden sein. Die Dieter Schwarz-Stiftung unterstützt das Infrastrukturprojekt im Rahmen ihres Engagements für die Informatik finanziell.
Auch die ETH-Bibliothek zieht vom Zentrum auf den Hönggerberg. Das gta-Archiv, das Archiv des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur, erhält neben Ausstellungsflächen neue, klimatisch geschützte Archivräume.
Öffentliches Forum als Herzstück
Herzstück des HWS ist ein verglastes, offenes Forum, das sich über die untersten drei Geschosse erstreckt. Hier treffen Hörsäle, Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen, Gastronomie und Detailhandel sowie Bibliothek und Dienstleistungszentrum zusammen. Sitztreppen und Arbeitsplätze schaffen Raum zum Lernen, Arbeiten und Begegnen.
Auch weit oben öffnet sich das Gebäude für alle: Im 19. Obergeschoss ist ein öffentliches Panoramarestaurant mit Bar und Wintergarten geplant – mit Blick über Zürich und auf die Alpen.
Rund um das HWS entstehen weitere Aufenthaltsorte: Westlich des Gebäudes entsteht auf der heute freien Fläche bei den Studierendenwohnhäusern mit dem «Square» ein Landschaftspark, auf dem Sockel eine Dachterrasse mit Lesegarten.
«Mit dem HWS beginnt für den Campus Hönggerberg eine neue Entwicklungsphase», sagt Ulrich Weidmann, Vizepräsident für Infrastruktur und Nachhaltigkeit der ETH Zürich. «Der Campus Hönggerberg wird damit nicht nur baulich verdichtet, sondern auch akademisch gestärkt. Er wächst weiter zu einem lebendigen Ganzen zusammen – mit neuen Räumen für Forschung und Lehre, aber auch mit Freiräumen und Orten der Begegnung.»
Siegerteam plant und baut
Das Siegerprojekt setzt auf eine Holz-Beton-Konstruktion und wiederverwendbare Materialien. Perforierte Elemente aus recyceltem Aluminium schützen die Glasflächen im Sommer vor Überhitzung und lassen im Winter Sonnenwärme ins Gebäude. Erdsonden, Wärmerückgewinnung und Photovoltaik sind Teil des fossilfreien Energiekonzepts.
Regenwasser wird gesammelt und für WC-Spülungen und die Bewässerung der Aussenanlagen genutzt.
Für das HWS setzte die ETH erstmals auf eine sogenannte Gesamtleisterausschreibung mit Dialog. Dabei entwickeln Architektinnen und Architekten und Bauunternehmen das Projekt gemeinsam bis zu einem verbindlichen Angebot; die Bedürfnisse der künftigen Nutzerinnen und Nutzer werden dabei konsequent von Anfang an mitgedacht.
Der Auftrag für Planung und Realisierung beläuft sich auf rund 310 Millionen Franken inklusive Mehrwertsteuer. Für spezifische Ausbauten, etwa für Büros, Labore, Hörsäle und Gastronomie sowie für das damit verbundene Mobiliar, sind zusätzlich rund 140 Millionen Franken vorgesehen. In diesem Betrag sind auch weitere projektbezogene Kosten wie Gebühren und Umzüge enthalten.
Darüber hinaus enthält das Gesamtbudget Reserven für Unvorhergesehenes. Das Baugesuch soll in der ersten Hälfte 2027 eingereicht werden, der Baustart ist für 2028 vorgesehen. 2032 soll das Gebäude übergeben werden.






