Naomi (28) hat zwei Karrieren: «Ich kann mir keine Pause leisten»
Zwei Karrieren unter einen Hut bringen? Die Zürcherin Naomi Romero (28) spricht über die Herausforderungen – und gibt zugleich wertvolle Tipps.

Das Wichtigste in Kürze
- Tanz und Marketing: Die Zürcherin Naomi Romero verfolgt parallel zwei Karrieren.
- Im Interview mit Nau.ch gibt sie Einblicke in die Herausforderungen.
- Die 38-Jährige rät zu mehr Geduld mit sich selbst.
Naomi Romero (28) ist eine Zürcher Tänzerin, Choreografin, Trainerin und Freelancerin. Obwohl sie erst in ihren frühen 20ern mit dem Tanzen begann, entschied sie sich bewusst, zwei Karrieren parallel zu verfolgen: Als Freelancerin im Marketing baute sie sich eine eigene professionelle Laufbahn auf, während sie gleichzeitig ihrer Leidenschaft für Tanz – mehrheitlich in Zürich – und in New York nachging.
Naomi hat mit Nau.ch über die Herausforderungen zweier Karrieren und den Umgang mit Body Confidence in der Schweiz und in New York gesprochen.
Nau.ch: Wie lässt sich deine Faszination fürs Tanzen am besten beschreiben?
Naomi Romero: Tanzen ist für mich eine Verbindung aus Freiheit und Ausdruck. Mich fasziniert die enorme Vielseitigkeit: Einerseits darf ich einfach ich selbst sein, andererseits braucht Tanzen Disziplin, Arbeit und Ambition.

Genau dieses Spannungsfeld macht es für mich so besonders. Tanzen hat eine unglaubliche Wirkung darauf, wie Menschen sich fühlen und miteinander in Verbindung treten.
Gleichzeitig ist Tanzen kein reiner Spass. Es ist fordernd, körperlich wie mental, und verlangt Konstanz und Durchhaltevermögen. Auch wenn Tanzen für viele ein Hobby ist, verfolge ich es professionell – und genau darin liegt für mich ein weiterer Reiz.
Nau.ch: Was sind die grössten Herausforderungen, zwei Karrieren unter einen Hut zu bekommen?
Eine der grössten Herausforderungen ist für mich der konstante Performance-Druck in zwei Welten. Sowohl im Tanzen als auch in meiner zweiten Karriere gibt es immer das nächste Ziel, den Anspruch, besser zu werden und dauerhaft abzuliefern. Es ist im Grunde «same, same but different»: Beide Bereiche sind leistungsorientiert, schnelllebig und verlangen eine hohe Stressresistenz.

Dazu kommt das Zeitmanagement. Zwei Karrieren bedeuten doppelte Deadlines, unterschiedliche Rhythmen und die permanente Notwendigkeit, gut organisiert zu sein. Eine weitere grosse Herausforderung, die meiner Meinung nach sehr unterschätzt wird, ist das Umschalten zwischen den Welten.
Wenn ich im Tanzen einen Rückschlag erlebe oder einen schlechten Tag habe, kann ich mir keine Pause leisten – ich muss emotional sofort wechseln und in der anderen Karriere professionell funktionieren.
Nau.ch: New York vs. Schweiz: Was sind die grössten Unterschiede in Bezug zu Body Confidence?
Body Confidence hat in New York einen ganz anderen Stellenwert als in der Schweiz – besonders in der Tanzszene. Viele Tänzerinnen und Tänzer werden dort seit dem Kindesalter an Top-Schulen ausgebildet und lernen früh, dass der eigene Körper ihr wichtigstes Kapital ist.
In der Schweiz habe ich das so nicht erlebt. Ich habe erst sehr spät verstanden, wie zentral es ist, sich im eigenen Körper wirklich sicher und selbstbewusst zu fühlen – auch, weil ich selbst erst Anfang zwanzig mit dem Tanzen begonnen habe. In New York hingegen spürt man sofort, wie sehr Selbstbewusstsein Teil der Kultur ist.
Nau.ch: Was rätst du jemandem, der deinem Weg folgen möchte?
Was ich jemandem raten würde, der einen ähnlichen Weg gehen möchte, ist vor allem, Geduld mit sich selbst zu haben. Mehrere Karrieren parallel zu verfolgen braucht Zeit – oft mehr, als man erwartet. Jeder arbeitet in seinem eigenen Tempo, und genau das zu akzeptieren ist entscheidend, aber auch schwer.
Genauso wichtig ist es, sich selbst nicht zu verlieren. Zwei oder mehr Karrieren bringen unterschiedliche Erwartungen, Umfelder und Formen von Druck mit sich. Mentale und körperliche Gesundheit sind dabei keine Nebensache – man kann nicht aus einem leeren Becher schöpfen. Überforderung sollte man ernst nehmen und sich erlauben, bewusst einen Schritt zurückzugehen.

Ein weiterer zentraler Punkt sind Vergleiche. Sie sind menschlich, aber auch gefährlich, weil man meist nur einzelne Lebensbereiche anderer sieht und nicht das ganze Bild. Gerade deshalb ist es wichtig, sich regelmässig zu fragen: Warum mache ich das? Macht mich dieser Weg noch glücklich? Und wenn nicht, was man verändern kann.
Und zuletzt: Karrieren verlaufen heute selten linear. Wenn der Wunsch da ist, etwas Zusätzliches aufzubauen, denke ich, sollte man diesen Impuls ernst nehmen und nicht aus Angst bremsen, sondern – wenn man die Mittel hat – ausprobieren.






