Jetzt lassen Heime Senioren Probewohnen
Verschiedene Altersheime bieten Probewohnen an, um sich ein besseres Bild davon machen zu können. Wie funktioniert das?

Das Wichtigste in Kürze
- Verschiedene Heime bieten Probewohnen an, damit Senioren den Alltag vor Ort testen können.
- Möblierte Zimmer oder Wohnungen ermöglichen ein Probewohnen ohne kompletten Umzug.
- Eine Altersorganisation lobt das Angebot. Viele entscheiden sich zu spät für den Umzug.
Ein Umzug ins Alters- oder Pflegeheim ist für viele Menschen ein grosser Schritt. Immer mehr Institutionen setzen deshalb auf sogenanntes Probewohnen.
Interessierte können den Alltag vor Ort während einiger Wochen testen – und danach in Ruhe entscheiden.
Ein Beispiel ist das Heim Römerhof in Zürich. Es wirbt in der Stadt mit dem Slogan: «Probewohnen. Ein familiäres Wohnerlebnis im Alter.»
Wie läuft das Probewohnen ab?
Probewohnen ähnlich wie ein Wohnungswechsel
Im Römerhof dauert das Probewohnen mindestens zwei und maximal acht Wochen. Eine Verlängerung sei in Zwei-Wochen-Schritten möglich, teilt Nikola Stojadinovic, Pflegedienstleiter und stellvertretender Heimleiter, auf Anfrage mit.
Den Ablauf vergleicht er mit einem Wohnungswechsel: «Mit dem Unterschied, dass wir Einrichtungsgegenstände kostenlos zur Verfügung stellen.»
Empfohlen werde, die bereitgestellte Einrichtung mit Pflegebett, Nachttisch und Kleiderschrank zu nutzen.
«Die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen aber alle ihre Sachen zu uns zügeln. Beim Austritt werden diese wieder mitgenommen», sagt Stojadinovic. Gefällt es der Person, könne sie nach dem Probewohnen direkt im Zimmer bleiben.
Probewohnen dauert zwischen zwei und vier Wochen
Ähnlich klingt es bei der Tertianum Gruppe. Dort wird die Dauer des Probewohnens individuell mit dem Gast vereinbart, wie es auf Anfrage heisst.
«In der Praxis liegt sie in der Regel zwischen zwei und vier Wochen», sagt Tertianum-Sprecher Frank Nehlig.
So bleibe genügend Zeit, Alltag, Umfeld und Angebot realistisch kennenzulernen. Das Probewohnen findet meist in möblierten Wohnungen statt.

«Die Gäste bringen lediglich persönliche Gegenstände mit – vergleichbar mit einem längeren Aufenthalt oder Ferien», so Nehlig. Ein kompletter Umzug sei nicht nötig.
Ob nach dem Probewohnen ein direkter Übergang in eine dauerhafte Wohnlösung möglich ist, werde jeweils individuell und standortspezifisch geprüft.
Sowohl im Römerhof als auch bei Tertianum wird das Angebot regelmässig genutzt, wie die Anbieter sagen. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv.
«Viele Menschen schätzen die Möglichkeit, das Leben in unseren Wohn- und Pflegezentren oder Residenzen unmittelbar zu erleben», sagt Nehlig.
«Erleben häufig, dass Wohnentscheide zu spät getroffen werden»
Auch die Altersfachstelle Pro Senectute beurteilt das Probewohnen positiv. Sprecher Peter Burri sagt zu Nau.ch: «Das Probewohnen kann eine sinnvolle Möglichkeit sein, um sich frühzeitig und realistisch mit verschiedenen Wohnformen im Alter auseinanderzusetzen.»
Gerade im höheren Alter sei es wichtig, sorgfältig abzuwägen, was man brauche und wie man leben möchte. «Ein Probewohnen kann helfen, Entscheidungen auf einer fundierten Grundlage zu treffen», so Burri Follath.
Es ermögliche älteren Menschen, eine Wohnform konkret zu erleben und die eigenen Bedürfnisse besser einzuordnen. Das stärke die Selbstbestimmung und unterstütze eine bewusste Entscheidungsfindung.
Burri Follath ergänzt: «Wir erleben in der Beratung häufig, dass Wohnentscheide zu spät getroffen werden und dann kaum noch Wahlmöglichkeiten bestehen.»
Pro Senectute empfiehlt deshalb, sich frühzeitig mit dem Thema Wohnen im Alter auseinanderzusetzen.













