Das Zürcher Kino- und Literaturhaus Kosmos kommt nicht zur Ruhe: Alle fünf Verwaltungsrätinnen treten zurück. Sie machen strategische, inhaltliche und personelle Differenzen für ihren Abgang geltend.
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Leere Sitzplätze im Kulturhaus Kosmos in Zürich. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • An der Generalversammlung vom 31.

Mai stellen sich die fünf Frauen nicht zur Wiederwahl, wie aus einem Schreiben an die Aktionäre hervorgeht, das der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorlag. Zuvor hatte der «Tages-Anzeiger» über die Abgänge berichtet.

Der Rücktritt kommt überraschend. Verwaltungsratspräsidentin Monica Glisenti hatte Ende März noch optimistisch geklungen. Das Kosmos an der Europaallee neben dem Hauptbahnhof vereinigt auf einer Fläche von 5500 Quadratmetern sechs Kinosäle, einen Buchsalon, ein Forum, Veranstaltungsräume sowie ein Bistro und eine Bar.

Eröffnet wurde das Haus 2017. Initianten waren der Filmemacher Samir und der Buchhändler Deckert. Zwischen den beiden eskalierte 2019 ein Streit, in dessen Folge 2020 Barbara Ellenberger (Kultur), Tina Candrian (Gastronomie), Esther van Messel (Film), Annelise Wiederkehr (Finanzen) und Monica Glisenti (Kommunikation) als Verwaltungsrätinnen antraten. Deckert verkaufte all seine Aktien.

Dann folgte die Pandemie und verschärfte finanzielle Schwierigkeiten. Hinzu kam, dass beinahe das gesamte Anfangskader abgetreten war. Glisenti sagte Ende März, «vor lauter Aufbruchsgeist» sei «solides unternehmerisches Denken und Handeln auf der Strecke geblieben».

Glisenti und ihren vier Kolleginnen gelang es, Mietzinsreduktionen mit den SBB und finanzielle Unterstützung vor dem Hintergrund der Pandemie herauszuhandeln. Im Schreiben an die Aktionäre heisst es, es sei dem Verwaltungsrat gemeinsam mit dem Geschäftsführer und dem operativen Team gelungen, «das Unternehmen Kosmos zu stabilisieren».

Entscheidend dazu beigetragen hätten die Gelder für Kulturausfall und Härtefälle des Kantons Zürich, Unterstützungen der Darlehensgeber sowie das Entgegenkommen der SBB bei der Miete. Die fünf Verwaltungsrätinnen zeigen sich in dem Schreiben überzeugt von der «Gesamtkonzeption und den Erfolgschancen» des Kosmos.

Was aber führte zum Zerwürfnis? Die Verwaltungsrätinnen schreiben, sie könnten «nur bedingt auf die Unterstützung eines Teils der Hauptaktionäre zählen». Gemäss «Tages-Anzeiger» hätten vor allem die beiden Filmemacher Samir und Ruedi Gerber, die zu den grössten Teilhabern am Kosmos gehören, mehr Einfluss im Verwaltungsrat angestrebt und dem Gremium vorgeworfen, zu wenig zu gestalten. Samir habe einen Sitz im Verwaltungsrat angestrebt. Nun müssen er und seine Aktionärskollegen ein komplettes neues Gremium suchen.

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