Am 30. Oktober 2021 wird alljährlich das Engagement von betreuenden und pflegenden Angehörigen in Aargau in den Mittelpunkt gestellt.
Martha Geiger wird regelmässig von ihrem Betreuer vom Entlastungsdienst Schweiz für einen Spaziergang abgeholt. Martha Geiger hat Demenz und lebt bei ihrer Tochter. Die Spaziergänge sind für Martha Geiger eine Abwechslung und für die Tochter eine kurze Verschnaufpause von der Betreuungsarbeit. - Rotes Kreuz Aargau

Am 30. Oktober 2021 wird alljährlich das Engagement von betreuenden und pflegenden Angehörigen in den Mittelpunkt gestellt. Was sie leisten, ist eine wichtige Stütze – für die betreuten Personen, wie auch die Gesellschaft und das Schweizer Gesundheitswesen. Dass das nicht immer einfach ist, wissen Irène Christen und Dieter Würgler, die sich um eine ihnen nahestehende Person kümmern.

Im Kanton Aargau betreuen und pflegen rund 45'000 Personen eine angehörige Person. Sie leisten in unserem Kanton ca. 6,4 Millionen Stunden unentgeltliche Arbeit pro Jahr. Dies entspricht einer Entlastung des Gesundheits- und Sozialwesens im Kanton von rund 290 Millionen Franken pro Jahr.

80 Millionen unbezahlter Betreuungs- und Pflegestunden

Oder in anderen Worten: In der Schweiz betreut gemäss Bundesamt für Gesundheit BAG jede 13. Person ab 16 Jahren eine ihnen nahestehende Person. Dies ergibt gesamtschweizerisch einen Umfang von 80 Millionen unbezahlter Betreuungs- und Pflegestunden.

Ohne betreuende und pflegende Angehörige würde in der Schweiz die Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Krankheit oder Beeinträchtigung zusammenbrechen.

Herausforderungen für pflegende Angehörige

Oft beginnt die Betreuungs- oder Pflegesituation mit kleineren Unterstützungsleistungen im Haushalt und entwickelt sich dann zu einer umfassenden Aufgabe. Die Betreuung bringt vielfältige Belastungen mit sich: Stetige Verfügbarkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, emotionale und körperliche Belastung, finanzielle Aspekte etc.

«Der zeitliche Druck wurde schleichend grösser, bis ich realisierte, ich gehe nicht mehr zum Briefkasten, ich renne. Anstrengend war auch, praktisch rund um die Uhr präsent zu sein und die Angst, dass in meiner Abwesenheit etwas passieren könnte und alle Vorsichtsmassnahmen vor dem Verlassen des Hauses zu treffen, wie zum Beispiel die richtigen Türen abschliessen oder Kerzen verstecken», so beschreibt Irène Christen aus Wohlen diese Belastungen.

Sie betreute ihren an Demenz erkrankten Partner während mehrerer Jahre zu Hause, bevor er in eine stationäre Einrichtung kam.

Entlastungsanbieter sind wichtig

Dieter Würgler hilft bei der Betreuung seiner Schwester in Reinach mit, die an Multipler Sklerose erkrankt ist: «Als meine Schwester letztes Jahr nach längerer Leidenszeit die Diagnose Multiple Sklerose erhielt, war ihr enges Umfeld ganz plötzlich konfrontiert mit Unbekanntem, Unsicherheiten, Ängsten, Veränderungen und einer gewissen Überforderung bei der Suche nach den passenden Unterstützungsangeboten.

Die Informationen und Hilfestellungen von Fachpersonen verschiedener Entlastungsanbieter waren während dieser belastenden Zeit enorm wichtig für uns; und bleiben es bis heute.»

Danke für ein wertvolles Engagement

Im Kanton Aargau bedanken sich in diesem Jahr anlässlich des Tages für pflegende und betreuende Angehörige vom 30. Oktober 2021 verschiedene Organisationen aus dem Entlastungsumfeld bei den unermüdlichen Helfern.

Hierzu verteilen sie im Oktober 2021 als kleine Geste eine Dankeskarte und einen Tee für eine Verschnaufpause an betreuende Angehörige und machen mit einem Dankesvideo im öffentlichen Verkehr, in Apotheken und auf Poststellen auf das wichtige und wertvolle Engagement aufmerksam.

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