Die Zürcher Gesundheitsdirektion hat entschieden die bestehenden Leistungsaufträge des Spitals Uster bis Ende 2025 provisorisch zu führen.
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Das Spital Uster. - Nau.ch/ManuelWalser

Der Entscheid der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, das Spital Uster für die Spitalliste 2023 nur noch einen auf drei Jahre befristeten provisorischen Leistungsauftrag zu erteilen, wird vor allem mit gewissen Zweifeln bezüglich der mittel- bis längerfristigen wirtschaftlichen Stabilität und einer im Vergleich schlechteren Kosteneffizienz begründet.

In diese Beurteilung sind die mit der Bewerbung eingereichten schlechten Jahresabschlüsse aus 2019 und 2020 eingeflossen. Zudem wurde moniert, dass das Leistungsangebot mit Blick auf die Versorgungssituation des Zürcher Oberlands mit zwei gleich grossen Spitälern nicht angepasst wurde.

Der Verwaltungsrat und die Spitalleitung des Spitals Uster sehen sich umso mehr in der Pflicht, an dem bereits eingeschlagenen Weg festzuhalten und die beschlossene, Differenzierungsstrategie weiter voranzutreiben.

Die Fallkosten konnten innerhalb eines Jahres um 1000 Franken gesenkt werden

Seit Antritt des neuen Spitaldirektors, Andreas Greulich, wurde vor zwei Jahren mit Blick auf die schlechte wirtschaftliche Situation und einem negativen Jahresabschluss von 6,7 Millionen Franken ein strukturierter Umsetzungsplan lanciert, um signifikante Kostensenkungen zu erzielen.

Die Covid-Pandemie mit zwei intensiven Hospitalisierungswellen und Ertragsausfällen durch das vom Bund verordnete Verbot von elektiven Eingriffen haben die Situation im 2020 weiter verschlechtert und zu einem noch grösseren Verlust von Minus 13,4 Millionen Franken geführt. Erst mit Beginn letzten Jahres nahm der geplante Turnaround volle Fahrt auf und zeigt erste positive Anzeichen, dass die Massnahmen greifen.

Mit dem Jahresabschluss 2021, der in den kommenden Wochen veröffentlicht werden wird, konnte bereits eine Verbesserung des operativen Ergebnisses von 11 Millionen Franken erzielt werden. Auch durch die Zugewinnung von neuen Leistungsträgern im Bereich Innere Medizin und Frauenklinik lässt sich ein Ansteigen der stationären Fallzahlen erkennen. Somit verbessert sich nicht nur die Kostenstruktur, sondern auch die Ertragssituation.

So zeigt sich dies auch an den Fallkosten im stationären Bereich, die für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit wichtig sind und innerhalb eines Jahres um 1000 Franken reduziert werden konnten. Ziel des Turnarounds ist es nun, in den zwei kommenden Jahren wieder in die Ränge mit durchschnittlichen Fallkosten der Zürcher Listenspitäler zu kommen.

Eine überarbeitete Angebotsstruktur mit Fokus

Mit Blick auf die Entwicklungen und Anforderungen an die Spitalliste wurde das bestehende Leistungsangebot bereits in den letzten Monaten kritisch überprüft. Daraus resultierte ein neuer strategischer Ansatz, den es nun mit der Gesundheitsdirektion zu diskutieren gilt. Die neue Medizinische Angebotsstruktur soll sich zukünftig noch mehr fokussieren und sich an der Region und deren Bedürfnissen ausrichten.

Hierzu werden die geplanten Leistungsangebote mit der Gesundheitsdirektion und dem GZO Spital in Abstimmung gebracht. Das Bauvorhaben wird im Grundsatz überarbeitet. Mitunter war den Verantwortlichen auch schon lange im Vorfeld zum Entscheid der Spitalliste bewusst, dass das ursprünglich vom Volk gutgeheissene Bauvorhaben von 349 Millionen Franken und inzwischen bereits um rund 70 Millionen Franken redimensionierte Bauvorhaben so nicht umgesetzt werden konnte.

Die geänderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, die Ableitung daraus auf die zukünftige Geschäftsentwicklung sowie die Tatsache, dass das GZO Spital Wetzikon bereits ein grosses Bauvorhaben umsetzt, haben zu der Erkenntnis geführt, dass die Bauplanung im Grundsatz überarbeitet werden muss.

Die neue Bauplanung sieht vor, dass das Bauprojekt eine auf eine längere Frist ausgelegte Etappierung vorsieht, in der in einer ersten, zeitnahen Etappe nur der Ersatz der deutlich zu klein gewordenen Notfallstation vorgenommen werden soll. Weitere Etappen im Rahmen des Gestaltungsplans werden erst bei einer guten wirtschaftlichen Lage und in Abhängigkeit mit dem differenzierten Leistungsangebot angedacht und in Planung gebracht.

Das Anliegen der Gesundheitsdirektion wird ernst genommen

Es lässt sich erkennen, dass das Spital Uster den Ernst der Lage bereits frühzeitig erkannt hatte und hinsichtlich Spitallistenbewerbung 2023 grosse Schritte in Richtung der Vorgaben der Gesundheitsdirektion unternommen hatte. Die Zeit hat jedoch nicht ausgereicht, den Beschluss einer provisorischen Erteilung der Leistungsaufträge abzuwenden, was seitens des Verwaltungsrats sehr bedauert wird.

Die Führungsgremien des Spitals Uster sind sich ihrer Verantwortung bewusst und werden alles daransetzen, die Gesundheitsdirektion mit einem glaubhaften Konzept für eine langfristige Aufrechterhaltung des ambulanten und stationären Spitalbetriebs sowie einem gut abgestimmten Leistungsangebot für das Zürcher Oberland zu überzeugen.

Das Spital hat eine wichtige Funktion als Notfallspital mit eigenem Rettungsdienst für ein Einzugsgebiet von rund 170'000 Einwohner und ist gleichzeitig grösster Arbeitgeber in der Region Uster mit über 1200 Mitarbeitenden und ein geschätzter Ausbildungsort mit rund 230 Ausbildungsplätzen.

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