Wie die Stadt Thun mitteilt, ehrt sie mit den Kulturpreisen jedes Jahr professionelle Künstler. Die Preisverleihung findet am 1. Dezember 2022 statt.
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Die Stadt Thun ehrt mit den Kulturpreisen jedes Jahr professionell arbeitende Künstler in den verschiedenen Sparten. In diesem Jahr verleiht die Kulturkommission dem Thuner Filmemacher, Produzenten, Regisseur und Drehbuchautor Markus Baumann (*1954) den mit 10'000 Franken dotierten Filmpreis.

Baumann hat ein reiches filmisches Werk erschaffen. Seine Dokumentarfilme handeln vorwiegend von Menschen, die in ihrem Leben einen ungewöhnlichen Weg gehen. In «Anders als die Väter», in Zusammenarbeit mit Hugo Sigrist, sind es Landwirte.

Im Film «Deep Horizon – George Steinmann seeing the invisible» steht der in Thun aufgewachsene Künstler und Bluesmusiker im Fokus. Mit «Planet Mokka» erschuf Baumann ein filmisches Porträt von MC Anliker und der Café Bar Mokka in Thun.

Die Kulturkommission würdigt Baumann für sein Vermögen, den Porträtierten sehr nahe zu kommen und einen respektvollen und umsichtigen Einblick in deren Leben, Gedanken und Wirken zu geben.

Musikpreis für Julian Sartorius

Weiter zeichnet die Kulturkommission den Schlagzeuger, Perkussionisten und Künstler Julian Sartorius (*1981) mit dem Musikpreis aus. Die Auszeichnung ist mit 10’000 Franken dotiert. Sartorius’ Musik ist geprägt von Experimentiergeist, stilistischer Breite und virtuoser Wandlungsfähigkeit.

In seiner erfolgreichen internationalen Karriere arbeitete Sartorius unter anderen mit Sophie Hunger, Sylvie Courvoisier, Gyda Valtysdottir und Kate Tempest zusammen und veröffentlichte neun Soloalben.

In Thun tritt er regelmässig mit dem Colin Vallon Trio auf. Seine audiovisuelle Installation «Depot» für 16 Lautsprecher und 16 Screens ist in der Sammlung des Kunstmuseums Thun vertreten. 2007 erhielt Sartorius den Kulturförderpreis der Stadt Thun.

Die Kulturkommission würdigt insbesondere Sartorius’ «überraschendes Spiel und sein Vermögen mit dem Schlagzeug ungeahnte Landschaften und Bildwelten zu evozieren».

Im Dialog mit der Gegenwartskunst

Der Kulturstreuer, der für ausserordentliches Schaffen in der Kulturvermittlung verliehen wird, geht in diesem Jahr an den Verein Kunsthaus Steffisburg. Im Vorstand sind aktuell Urs Dolder, Hanswalter Graf, Jakob Jenzer, Christoph Rihs und Wilfried von Gunten.

Nach einem Auftaktprojekt wurde das unabhängige Kunsthaus Steffisburg 2018 definitiv zu einer festen Grösse für die lokale Kunstszene und darüber hinaus. Der gleichnamige Verein, der hinter dem Kunsthaus steht, zeigt insbesondere Gegenwartskunst und entwickelte in beeindruckender Weise und mit grossem Engagement Formate und Inhalte.

Mit einem guten Gespür für weitere Entwicklungsschritte hat der Verein externe Kuratoren einbezogen und die Ausstellungsfläche mehr als verdoppelt. Unter den ausgestellten Künstlern finden sich zunehmend auch nationale und internationale Namen.

Die Kommission würdigt insbesondere, wie der Verein über das Kunsthaus einen Dialog zwischen der Kunst beziehungsweise den Kunstschaffenden und der lokalen Bevölkerung stets von neuem anstösst und sucht.

Musikalische Neugierde, die berührt

Mit dem Kulturförderpreis von 5000 Franken ehrt die Stadt Jan Dintheer (*1993). Dintheer erlangte 2019 den Master of Arts in Jazz Composition an der Hochschule der Künste Bern HKB. Als Musiker tritt er schweizweit in verschiedenen Formationen auf, unter anderem mit alpha-ray und früher auch mit mathilda und bewegt sich dabei zwischen Jazz und experimentellem Pop-Rock.

Während des Studiums wurde Komposition zu einem weiteren Schwerpunkt seines Schaffens mit Fokus auf Large Ensemble. Er ist Mitglied der Spoken Word Gruppe «Thun ist nirgends» und war Gitarrist der Band Infinite Hills.

Mut bei der Themenwahl, Feingefühl beim Erzählen

Ein weiterer Kulturförderpreis von 5000 Franken geht an den Filmemacher Steven Vit (*1990). Seinen Master in Film & Medien – Dokumentarische Prozesse erlangte er 2020 an der Stockholm University of the Arts.

Seit 2018 arbeitet Vit freiberuflich als Regisseur, Editor und Postproduktionsassistent. Sein erster, vielbeachteter Langfilm «Für immer Sonntag», ein Dokumentarfilm über seinen Vater und seinen Schritt vom Arbeitsleben ins Rentnerdasein, hatte 2022 am renommierten Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon Weltpremiere.

Atelierstipendium Berlin an Nicolas Müller

Neben den Kulturpreisen vergibt die Stadt Thun das Atelierstipendium Berlin an den Tonmeister und Musiker Nicolas Müller (*1992). Das Atelier wird ihm vom 1. Februar bis 31. Juli 2023 kostenlos zur Verfügung gestellt. Müller erhält von der Stadt Thun ausserdem einen pauschalen Beitrag an die Lebenshaltungskosten.

Die Gewinner werden von einer speziellen Jury gewählt

Die Preisträger bestimmt die Kulturkommission der Stadt Thun, die Gewinner der Kulturförderpreise eine speziell dafür gewählte Jury. Beide Gremien präsidiert Gemeinderätin Katharina Ali-Oesch.

Die Preisgelder werden aus dem Heinrich und Martha Streuli-Fonds finanziert, der Kulturförderpreis seit 2004 durch den Gemeindeverband Amtsanzeiger Verwaltungskreis Thun. Auf diesen jährlich ausgeschriebenen Preis können sich Kulturschaffende aller Sparten bis zum 40. Lebensjahr bewerben.

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