Ein Umweltskandal, wie es im Jahr 2020/2021 am Bodensee vorkam, soll verhindert werden. Deshalb fordert die Regierung von Sankt Gallen mehr Schutz für Gewässer.
Sankt Gallen
Der Flughafen Altenrhein SG am Bodensee. (Archivbild). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2020/2021 floss Löschschaum in den Bodensee und verunreinigte den Bodensee.
  • Ein solcher Vorfall soll zukünftig verhindert werden.
  • Die St. Galler Regierung fordert mehr Schutz der Gewässer für Mensch und Tier.

Drei Mitglieder der Regierung von Sankt Gallen haben am Montag, 20. Juni 2022, Massnahmen zum Schutz der Gewässer vor Chemikalien angekündigt. Sie wollen damit auf Vorfälle wie in Goldach reagieren: Von einem Firmengelände war zweimal giftiger Löschschaum in den Bodensee geflossen.

Im März war bekanntgeworden, dass aus der Amcor Flexibles Rorschach AG Löschschaum in den Bodensee gelangte, der Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) enthielt. Zweimal, im Dezember 2020 und im Januar 2021, floss der verbotene Stoff – insgesamt 10 Kilogramm – in den See. Erst der Fischereiaufseher hatte den Vorfall entdeckt.

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Der Bodensee. (Symbolbild) - Keystone

Das Unternehmen aus Sankt Gallen bekam eine Busse von 5000 Franken. Es folgten mehrere Vorstösse aus dem Kantonsparlament.

Ganz abgeschlossen ist der Fall noch nicht: Von der Firma werde als Wiedergutmachung ein freiwilliger finanzieller Beitrag an ein Umweltprojekt erwartet. Dies hiess es an der Medienorientierung vom Montag, 20. Juni 2022.

PFOS unter anderem in Bodenseefischen nachgewiesen

Seit 2011 ist PFOS verboten, die Übergangsfrist lief 2019 aus. PFOS gehöre zur Gruppe der «Forever Chemicals», informierte Gesundheitschef Bruno Damann (Mitte). Diese seien nur schwer abbaubar, verblieben lange in der Umwelt und reicherten sich an. Es gebe auch Hinweise auf gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen.

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Fische im Bodensee könnten von Chemikalien belastet sein. - Keystone

Analysen im Nanobereich zeigten, dass sich PFOS in Bodenseefischen nachweisen liessen. Der gelegentliche Verzehr der Fische werde aber «als nicht bedenklich» angesehen. Keine Gefahr habe es wegen der grossen Verdünnung für das Trinkwasser gegeben.

Es sei unwahrscheinlich, dass nach dem Vorfall eine messbare Erhöhung der PFOS-Konzentration feststellbar gewesen sei.

Schutz vor Chemikalien als neues Regierungsprojekt in Sankt Gallen

Der Fall warf hohe Wellen und sei nun der Anlass für ein separates Projekt, das die Zusammenarbeit mehrerer Departemente erfordere. Dies erklärte Regierungspräsident Fredy Fässler (SP). Der Erhalt der natürlichen Ressourcen gehöre zu den Schwerpunktzielen der Regierung.

Nun soll geprüft werden, wie Mensch und Umwelt besser vor Chemikalien geschützt werden könnten. Das Regierungsprojekt in Sankt Gallen ist allerdings erst gestartet. Konkrete Massnahmen gebe es deshalb noch nicht, relativierte Bauchefin Susanne Hartmann (Mitte).

Ein Thema der Abklärungen ist beispielsweise der Einsatz einer Arbeitsgruppe «Umweltchemikalien». Ein weiteres der Ausbau des Monitorings der Gewässer und auch die Kontrolldichte wird geprüft. Lückenlose Kontrollen seien nicht möglich, stellte Damann fest. Es brauche auch die Eigenverantwortung der Unternehmen.

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Der Sicherheits- und Justizdirektor Fredy Fässler von Sankt Gallen. (Bildmitte) - sda - KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Der Kanton nimmt vor allem «risikobasierte Kontrollen» vor. Weitere Gelegenheiten für Besuche in den Unternehmen gebe es bei der Abnahme von Baubewilligungen oder nach Reklamationen.

2021 fanden in der Industrie und beim Gewerbe 31 Kontrollen statt, die jeweils ein Tag lang dauerten. 2020 seien es 41 gewesen, erklärte Rainer Benz, Leiter des Amtes für Umwelt. Darüber hinaus fänden jährlich rund 300 Abnahmen von Bauvorhaben aus Industrie und Gewerbe statt. Ebenso rund 200 Messkontrollen in den Bereichen Abwasser, Luft und Lärm.

Umweltstraftaten im Fokus des Regierungsprojekts in Sankt Gallen

Ein weiteres Thema des Regierungsprojekts ist die Ermittlung und Ahndung von Umweltstraftaten. Zunehmend werde eine Spezialisierung verlangt, stellte Fässler fest. Das dafür verlangte Fachwissen sei aber teilweise nicht vorhanden. Eine Lösung könnte eine weitere Spezialisierung bei der Kantonspolizei oder die Zusammenarbeit mit der Umweltverwaltung sein.

Die im Fall der Goldacher Firma ausgesprochene Busse sei «ein Klacks, wenn man die Auswirkungen anschaut». Dies meinte der Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements. Die entsprechende Strafnorm liege eindeutig zu tief.

Es gebe nun dazu eine von der Regierung unterstütze Standesinitiative der Grünen. Nach den Sommerferien sollen erste Erkenntnisse für das Regierungsvorhaben vorliegen. Angekündigt ist ein umfassender Projektauftrag mit einem Zeitplan.

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