Wie die Gemeinde Wimmis mitteilt, werden ab Mitte Juni 2022 bis zu 150 Geflüchtete aus der Ukraine in Wimmis untergebracht.
Das Schloss Wimmis.
Das Schloss Wimmis. - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Die dramatische Situation für die Menschen in der Ukraine beschäftigt alle. Täglich erreichen die Menschen Bilder mit völlig zerstörten Dörfern und Stadtteilen. Da kann niemand mehr leben, jedenfalls zurzeit nicht.

Von den 45 Millionen Einwohnern sind einige Millionen Richtung Westen geflüchtet. Stand Ende April sind davon rund 45’000 in der Schweiz angekommen, vorwiegend Frauen und Kinder. Pro Tag sind es gegen tausend neue Geflüchtete aus der Ukraine, welche untergebracht und betreut werden müssen. Wie lange das so weitergeht, ist derzeit nicht absehbar.

Fakt ist, die Menschen kommen, die Menschen sind da. Der Bundesrat hat für alle Geflüchteten aus der Ukraine den Sonderstatus S beschlossen. Das bedeutet, die 45’000 Ukrainer und alle, welche noch kommen, sind als schutzbedürftig anerkannt und haben ein vorläufiges Aufenthaltsrecht in der Schweiz.

Die Kantone verteilen die Geflüchteten

Für die Unterbringung ist nicht der Bund zuständig, sondern die Kantone. Die Verteilung auf die Kantone erfolgt nach Anzahl Einwohner. Rund jede 8. Person wird daher dem Kanton Bern zugewiesen, also etwas über 100 Personen pro Tag.

Es gibt zwar etliche Personen, welche bei Privaten eine Bleibe finden. Aber die allermeisten Menschen aus der Ukraine müssen vom Kanton in einer Kollektivunterkunft betreut werden. Ziel ist der Umzug in eine Wohnung nach ein bis drei Monaten, was stark von der Verfügbarkeit von geeigneten Wohnungen abhängt.

Für den Kanton gilt es in erster Linie nun, genügend Kollektivunterkünfte für die Erstaufnahme zu finden. Innerhalb des Kantons ist es das Ziel, die Menschen möglichst gut auf die verschiedenen Regionen zu verteilen. Auch das Berner Oberland steht damit in der Pflicht, pro Woche rund 100 Personen aufzunehmen.

Die Suche nach grösseren Kollektivunterkünften läuft auch Hochtouren

Im Berner Oberland ist Asyl Berner Oberland (ABO) für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen zuständig. Normalerweise funktioniert das relativ autonom, die Gemeinden bekommen davon nicht allzu viel mit.

In dieser Ausnahmesituation ist das etwas anders, die Suche nach grösseren Kollektivunterkünften läuft auch Hochtouren. Über die Regierungsstatthalterämter wurden die Gemeinde angefragt, ob solche Unterkünfte vorhanden sind.

Deshalb wurde die Gemeinde Wimmis von ABO und dem Regierungsstatthalteramt konkret angefragt, ob der Schlossblick als Kollektivunterkunft für Menschen aus der Ukraine zur Verfügung gestellt werden kann. Der Schlossblick hat über 170 Betten, einen Saal, eine Industrieküche und diverse Lager- und Nebenräume.

Der Schlossblick als Kollektivunterkunft

Es ist eine Tatsache, dass sich der Schlossblick als Kollektivunterkunft grundsätzlich eignet, denn dies ist der Zweck dieses Gebäudes. Die Anfrage der kantonalen Stellen wurde daher umfassend geprüft, mit allen Argumenten dafür und dagegen.

Es dürfte in der Zwischenzeit bekannt sein, dass der Gemeinderat beschlossen hat, den Schlossblick für Geflüchtete aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Dies befristet bis Ende Februar 2023.

Der Gemeinderat hat sich den Entscheid nicht einfach gemacht. Im Vorfeld wurde an mehreren Sitzungen beraten, welche Auswirkungen auf welche Bereiche zu erwarten sind, wenn bis zu 150 Personen aus der Ukraine in Wimmis eine vorübergehende Heimat finden.

Da wäre einerseits die Schule, denn es ist mit einem Kinderanteil von rund 50 Prozent zu rechnen, welche grösstenteils schulpflichtig sind. Da ist aber auch die Betreuung von Menschen in einer sehr schwierigen persönlichen und familiären Situation.

Bis zu 70 Kinder sollen beschult werden

Für die wichtigsten Fragen stehen nach Absprache mit kantonalen Stellen — darunter dem Schulinspektorat, dem Regierungsstatthalteramt und ABO — Lösungen zumindest in Aussicht. So ist die Betreuung vor Ort rund um die Uhr durch ABO sichergestellt. Es werden dafür fünf bis sechs Vollzeitstellen geschaffen.

Die Beschulung der bis zu 70 Kinder soll in separaten Willkommensklassen ausserhalb unseres Schulbetriebes erfolgen. Die dazu erforderlichen Stellen werden vom Kanton bewilligt und finanziert.

Auch für den Schulraum zeichnen sich gute Lösungen innerhalb der Gemeinde ab. Sowohl für die Nutzung der Unterkunft als auch für Schulinfrastruktur und Schulmaterial leistet der Kanton eine Pauschale pro Person.

Ob dies unter dem Strich alle Kosten der Gemeinde deckt, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen. Die Gemeinde behält sich daher vor, allfällige Defizite aus der Unterbringung im Schlossblick vom Kanton einzufordern.

Taskforce wurde gebildet

Der Gemeinderat will angesichts des enormen Leids, welches diese Menschen jetzt und für noch unbestimmte Zeit erdulden müssen, keine Rappenspalterei betreiben. Es darf aber nicht sein, dass Gemeinden, welche ihre Hilfe anbieten, am Ende nebst grossem organisatorischen Einsatz auch noch auf hohen ungedeckten Kosten sitzen bleiben.

Das wird man im Nachhinein klären müssen und klären können. Zu allererst gilt es nun für die Gemeinde, möglichst optimale Voraussetzungen zu schaffen, damit der Betrieb der Kollektivunterkunft für alle möglichst reibungslos verläuft.

Die Gemeinde hat sofort nach dem Entscheid eine Taskforce unter der Leitung von Gemeinderat Mathias Siegenthaler gebildet. Je nach Situation sind darin alle wichtigen Anspruchsgruppen vertreten, um gemeinsam die besten Lösungen zu finden. Es muss während der nächsten Monate ein Miteinander, Nebeneinander und Füreinander stattfinden.

24-Stunden-Betreuung

Trotz Mehrbelastung und mehr oder weniger grossen Auswirkungen in verschiedenen Bereichen ist der Gemeinderat überzeugt, den richtigen Entscheid getroffen zu haben, indem man diesen Menschen aus der Ukraine hilft mit dem, was man vor Ort hat. Unbestritten, im Dorf wird man merken, dass diese Menschen da sind. Das Augenmerk gilt deshalb auch besonders den Anwohnern des Schlossblicks. Es darf nicht dazu kommen, dass diese unter der neuen Situation «zu leiden» haben.

Mit der 24-Stunden-Betreuung, klaren Hausregeln und dem ständigen Mitwirken der Taskforce wird alles getan, damit die Auswirkungen auf die Anwohner möglichst gering sind. Mit den ersten Geflüchteten ist ab Mitte Juni 2022 zu rechnen.

In den nächsten Wochen wird ABO die Infrastruktur im Schlossblick entsprechend aufbauen. Die Gemeinde schafft gleichzeitig die Voraussetzungen, um die Beschulung und vor allem eine geordnete Tagesstruktur der Kinder möglichst rasch sicher zu stellen.

Die Taskforce wird laufend über den Stand der Dinge informieren. Selbstverständlich geben wir jederzeit Auskunft, wenn es Fragen zu klären gilt.

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