Schwyz

    Schwyz: Zwischen Sehnsucht und Selbsttäuschung – Führung zum Tourismus

    Im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz führt Historiker Valentin Groebner am 18. Oktober 2026 durch die Ausstellung «Tourismus. Reiseziel Schweiz».

    Schwyz
    Das Museum Ital Reding-Hofstatt in Schwyz (Symbolbild) - Nau.ch / Stephanie van de Wiel

    Die vorgefertigten Sehnsuchtsbilder der «Fremdenindustrie», wie sie im 19. Jahrhundert hiess, prägen die Wünsche nach dem Reisen als grosser Veränderung und persönlicher Erfüllung bis heute – samt den Widersprüchen, die sie erzeugen. Am Sonntag, 18. Oktober, referiert der Historiker Valentin Groebner auf einer speziellen Führung durch die «Tourismus»-Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte Schwyz über Reiselust und -frust.

    Herr Groebner, Ferien verbinden wir mit «verdienter Erholung». Aber machen uns Ferien im Zeitalter des Massentourismus wirklich noch glücklich?

    Ich bin Historiker, und ein Blick in die Geschichte des Tourismus lässt da einiges anders aussehen. Vor den 1950er Jahren waren Ferienreisen das Privileg der wohlhabendsten fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung; der gesetzlich vorgeschriebene Jahresurlaub kam in der Schweiz sogar noch später. Tourismus beruht auf den ökonomischen Unterschieden zwischen denjenigen, die zum Vergnügen reisen können, und denen, die sie bedienen. Er braucht billige Arbeitskräfte – im 19. Jahrhundert ebenso wie heute. Macht er die auch glücklich?

    Inwiefern beeinflusst Social Media den Tourismus? Stichwort: Influencer.

    Tourismus beruht seit seiner Erfindung Mitte des 19. Jahrhunderts auf massenproduzierten Bildern. Damals waren das bunte Plakate und die zu Millionen verschickten Ansichtskarten: künstliche Welten. Heute konsumieren wir die eben auf kleinen Bildschirmen.

    Wie machen wir in 30 Jahren Ferien? Wird das dann nur noch ein sehr teures Exklusiv-Vergnügen für wenige sein – oder noch billiger werden?

    Das weiss ich nicht. In den letzten 25 Jahren haben sich die touristischen Reisen insgesamt mehr als verdoppelt. Die Bevölkerung in ganz Europa hat aber wegen Überalterung und negativen Geburtenraten längst zu schrumpfen begonnen, während sie anderswo noch wächst.

    Deshalb werden global in Zukunft immer mehr Auswärtige nach Europa und in die Schweiz reisen – und zwar viel mehr.

    Aber Tourismus war nie eine nachhaltige Branche und immer schon geprägt von rasanten Wachstumsphasen und plötzlichen Einbrüchen, wie etwa 1914, beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs, oder 2020, mit der Pandemie. Lassen wir uns überraschen.

    Am Sonntag, 18.10.2026, machen Sie eine dialogische Führung mit Lesepassagen im Forum Schweizer Geschichte. Was erwartet die Gäste?

    Eine Reise in die Vergangenheit natürlich. Die gute alte Zeit, in die wir im Urlaub so gerne zurückwollen, hat es leider nie gegeben. Die echte alte Zeit ist ohnehin viel interessanter, überraschend, pittoresk und manchmal auch erschreckend, und in die brechen wir auf.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Schwyz
    influencer
    63 Interaktionen
    Gegen Overtourismus

    MEHR AUS SCHWYZ

    SBB
    212 Interaktionen
    Telefon
    Schübelbach
    Biberbrugg SZ
    Biberbrugg SZ
    -
    76 Interaktionen
    Bodyshaming