Ab 2022 werden die Abwassergebühren in Amriswil um 20 Rappen pro Kubikmeter gesenkt. Die Gebühren für das Sauberwasser werden dafür um zehn Rappen erhöht.
Geschirr wird gespült
Geschirr wird gespült - dpa/AFP/Archiv

Wie die Gemeinde Amriswil berichtet, blieb der 1999 festgesetzte Gebührenbetrag bis heute unverändert. In späteren Jahren und vor allem im Jahr 2010 hat der Stadtrat schon mehrmals eine mögliche Senkung der Abwassergebühren ins Auge gefasst, weil sich in der Spezialfinanzierung ein ansehnliches Guthaben angehäuft hatte.

So zeigt ein Preisvergleich der Abwassergebühren vor rund einem Jahr, dass der Ansatz von zwei Franken pro m3 im Mittelfeld liegt. Wichtiger als der Vergleich ist aber die effektive Situation vor Ort bzw. der Zustand des Leitungsnetzes. Dieser Zustand sei grundsätzlich gut und alles andere als alarmierend.

Eine Reduktion der Abwassergebühren wäre unabhängig von Investitionen denkbar

In den kommenden Jahren sind laut Stadtrat aber Investitionen im üblichen Rahmen zu erwarten. Die Stadt Amriswil hat das neue Gebührenmodell frühzeitig eingeführt und konnte in den vergangenen Jahren Reserven anlegen. Damals wurde kommuniziert, dass eine Gebührenerhöhung in den nächsten Jahren kaum nötig sein dürfte.

Im Gegenteil: Wenn trotz der laufenden Arbeiten und den getätigten Investitionen immer noch genügend Geld vorhanden ist, wäre gar eine Reduktion der Abwassergebühren denkbar.

Schon vor einem Jahr kam auch der Gedanke auf, den Preis für Frischwasser zu erhöhen und gleichzeitig den Ansatz bei den Abwassergebühren zu senken. Dies wäre für die grosse Mehrheit der Kundinnen und Kunden kostenneutral, würde aber mithelfen, die finanzielle Situation beim Wasserwerk zu entspannen.

Die Zeit für eine Gebührensenkung scheint gekommen

Die Abwasser-Spezialfinanzierung macht Jahr für Jahr Gewinn. Im Jahr 2019 betrug dieser gut 950‘000 Franken, im Jahr 2020 waren es knapp 350‘000 Franken. Per Ende Dezember 2020 belief sich das Guthaben auf rund 5 Millionen Franken.

In der Abwasser-Spezialfinanzierung ist genügend Geld vorhanden, um die zu erwartenden Aufwendungen decken zu können. In den letzten Jahren sind zudem viele Abwasserprojekte realisiert worden und in den kommenden Jahren eher weniger hohe Ausgaben zu erwarten.

Der Zeitpunkt für eine Senkung der Mengengebühr scheint damit gekommen. Der Zeitpunkt ist zudem als günstig zu bezeichnen, weil damit die notwendige Erhöhung des Frischwasserpreises ausgeglichen bzw. sogar überkompensiert werden kann.

Im Budget 2022 hat der Stadtrat deshalb die Mengengebühr von bisher 2 Franken pro m3 auf neu 1.80 Franken pro m3 reduziert. Die Gebühr wird also ab dem 1. Januar 2022 um 20 Rappen reduziert. Zeichnen sich in den kommenden Jahren keine grösseren Projekte ab, dürfte in wenigen Jahren gar eine weitere Senkung möglich sein.

Einer ersten Erhöhung wurde zugestimmt

Um die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können, ist die Regio Energie Amriswil (REA) dabei, das Seewasserwerk in Kesswil zu sanieren und zwei neue Transportleitungen zu bauen.

Wegen der dadurch zunehmenden Verschuldung des Wasserwerks ist eine Anpassung der wiederkehrenden Gebühren notwendig. Per Ende 2020 betrug die Verschuldung im Wasserwerk rund 5.8 Millionen Franken. Dank der Anfang 2018 erfolgten Gebührenerhöhung konnte die Verschuldung bereits jährlich um rund 590'000 Franken reduziert werden.

In den vergangenen Jahren betrugen die Nettoinvestitionen jeweils rund 1 bis 1.2 Millionen Franken pro Jahr. Zusätzlich zu den «normalen» Sanierungen und Projekten des Amriswiler Verteilnetzes werden bis Ende 2021 zusätzliche 13 Millionen Franken ins Seewasserwerk und bis Ende 2026 weitere 8 Millionen Franken in die neue Transportleitung investiert.

Trotz der bereits getätigten Investitionen konnte die REA bis jetzt auf eine Preiserhöhung verzichten. Die neuen Investitionen erhöhen aber nicht nur kurzfristig die Verzinsung, sondern beeinflussen auch massgebend die Abschreibungen im Bereich Wasser. Diese steigen um rund 100 Prozent pro Jahr an.

Der Stadtrat hat der Preiserhöhung bereits zugestimmt

Die REA hat dem Stadtrat deshalb eine Erhöhung der Wassergebühren in einem zweistufigen Verfahren beantragt. Die Grundgebühr soll in einer ersten Stufe ab Januar 2022 von bisher 261 auf neu 270 Franken pro Jahr erhöht werden. Die Mengengebühr würde von 1.55 auf neu 1.65 pro m3 erhöht.

Auf Anfang 2026 soll die Grundgebühr dann nochmals um neun Franken und die Mengengebühr nochmals um fünf Rappen erhöht werden. Ein Preisvergleich mit anderen Gemeinden der Region zeigt, dass die Wasserpreise von Amriswil auch nach erfolgter Preiserhöhung noch in der Mitte liegen.

An seiner Sitzung am 21. September hat der Stadtrat der ersten Stufe der Preiserhöhung zugestimmt. Über die zweite Stufe wird ein Jahr vor der geplanten zweiten Erhöhung entschieden.

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