Pio Corradi oder Der Magische Augenblick
Was macht einen Augenblick zum Bild? Und wann ist er magisch? Das Museum Olten widmet dem Schweizer Kameramann und Fotograf Pio Corradi eine Sonderausstellung.

Bei weit über 100 Dokumentar- und Spielfilmen stand Pio Corradi hinter der Kamera, darunter «Höhenfeuer», «Vitus» und «Der Lauf der Dinge». Sein Gespür für Menschen, Licht und Bewegung machte ihn zu einem der bedeutendsten Kameraleute der Schweiz.
Die Grundlage seiner Arbeit bildete die Fotografie: Der in Buckten (BL) geborene Corradi besuchte die Kunstgewerbeschule in Basel und absolvierte eine Fotografenlehre, bevor er sich dem Film zuwandte.
Beobachten und den richtigen Moment finden
Auch als Kameramann blieb Corradi der Fotografie verbunden. Er fotografierte Menschen und Landschaften, hielt Begegnungen auf Reisen fest und begleitete die Vorbereitung der Filme mit der Fotokamera. Dabei suchte er nach Bildern, die ohne arrangierte Situationenb auskamen. Genaues Beobachten, Geduld und ein respektvoller Umgang mit den Menschen vor seiner Kamera prägten seine Arbeit. Ein wichtiges Vorbild war der schweizerischamerikanische Fotograf, Filmregisseur, Kameramann und Filmemacher Robert Frank.
Die Ausstellung macht die Verbindung zwischen dem stehenden und dem bewegten Bild sichtbar. Ein Beispiel sind Corradis Fotografien für den Film «TransAtlantique» von Hans- Ulrich Schlumpf, der 1983 erschien. Bereits auf den Recherchereisen fotografierte Corradi Passagiere auf der Schiffsroute zwischen Genua und Rio de Janeiro. Die Aufnahmen zeigen seinen Blick auf die Menschen und in die Entstehung des Films, der dokumentarische Beobachtung und filmische Erzählung zusammenführt.
Fotografien, Filmhandwerk und Oltner Kinogeschichte
Neben Fotografien erschliessen Reportagen, Buchentwürfe, Zeichnungen, Kameras und persönliche Arbeitsmaterialien Corradis Schaffen. Sie zeigen, wie Bilder vorbereitet, ausgewählt und zu Geschichten verbunden werden. Ein Streifzug durch die Oltner Kinogeschichte, unter anderem mit der Leuchtschrift des ehemaligen Arthouse-Kinos Cinema Camera schafft einen lokalen Bezug.
Anlass für die Sonderausstellung ist ein biografisches Essay des Solothurner Filmemachers Nino Jacusso. Zusammen mit dem Regisseur und Corradis langjährigen Weggefährten Ueli Nüesch sowie der Produzentin Franziska Reck hat er ein Porträt über Corradis Leben und Werk realisiert. Der Film «Der magische Augenblick» wird im Frühjahr 2027 ins Kino kommen.
Vom Museum ins Kino
Das Begleitprogramm führt die Auseinandersetzung mit Corradis Werk im Gespräch und im Kinosaal weiter. Filmschaffende und Fachpersonen aus Fotografie, Regie und Schnitt erläutern Corradis Bildsprache und die Zusammenarbeit hinter der Kamera. Zwei Veranstaltungen verbinden einen Ausstellungsrundgang mit einer Filmvorführung im Kino Lichtspiel: Am 9. Januar 2027 ist «Höhenfeuer» mit Regisseur Fredi M. Murer zu sehen und am 13. März 2027 «TransAtlantique» mit Regisseur Hans-Ulrich Schlumpf.
Zwei Podiumsdiskussionen widmen sich zudem dem Verhältnis von Film und Fotografie sowie der Situation von Frauen in der Schweizer Filmbranche. Weitere Ausstellungsgespräche und eine Abendführung ergänzen das Programm.






