Immer weniger Deutsche kommen in die Schweiz
Die Schweiz hat immer weniger Zuwanderung aus Deutschland. In einer Umfrage zur AfD hatte er kürzlich noch anders getönt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die rechtspopulistische Partei AfD legte bei den Landtagswahlen im Osten Deutschlands kräftig zu.
- In einer Umfrage gaben ein Fünftel der Deutschen an, auswandern zu wollen, wenn die AfD regiert.
- Die Zahl der deutschen Zuwanderer in der Schweiz sinkt 2026 erstmals seit 2020.
Die AfD ist im Höhenflug, die politische Stimmung in Deutschland aufgeheizt. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa ergab im August: Jeder fünfte Deutsche würde auswandern, wenn die AfD regiert. Wenn die Partei also nicht nur in Sachsen-Anhalt gewinnt, sondern auch ins Kanzleramt einzieht.
In Deutschland sorgt der Rechtsruck für Zündstoff. Bei den Landtagswahlen im Osten konnte die Partei kräftig zulegen.
Das wirft die Frage auf: Suchen jetzt schon mehr Deutsche ihr Glück in der Schweiz? Die Antwort: Nein – im Gegenteil.
Die Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) zeigen einen anderen Trend als erwartet.
Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Zuwanderungszahlen aus Deutschland jährlich an. Im laufenden Jahr sieht es allerdings ganz anders aus.
Bisher 14’000 weniger
Bis Ende August 2026 kamen rund 14'000 deutsche Staatsangehörige weniger in die Schweiz als im Jahr 2025.
Ein deutlicher Rückgang – trotz der aufgeheizten politischen Stimmung in Deutschland.
Doch bedeutet das, dass der Rechtsruck für die Auswanderung keine Rolle spielt?
«Schwierig abzuschätzen»
SEM-Mediensprecher Samuel Wyss sagt auf Anfrage von Nau.ch: «Es ist schwierig abzuschätzen, wie sich politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen in Deutschland auf die Zuwanderung aus Deutschland auswirken.»

Auch die wirtschaftliche Lage spiele eine wichtige Rolle. «Da die europäischen Volkswirtschaften eng verflochten sind, kann eine wirtschaftliche Verschlechterung oder Verbesserung in Deutschland sicher nicht isoliert betrachtet werden.»
Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland könne durchaus zu mehr Zuwanderung führen. Wie stark dieser Effekt wäre, lasse sich allerdings nicht seriös beziffern. Das SEM verzichtet deshalb auf entsprechende Prognosen.
Aber warum kommen derzeit weniger Deutsche in die Schweiz?
Arbeitsmarkt schwierig
Matthias Estermann vom «Verein für Deutsche in der Schweiz» hat eine mögliche Erklärung: Der Schweizer Arbeitsmarkt ist schwieriger geworden.
«In der Schweiz ist es schwieriger, einen Job zu finden», sagt Estermann. Auch hierzulande würden Stellen abgebaut. Bei der Besetzung offener Stellen würden zudem zunächst einheimische Fachkräfte berücksichtigt, bevor ausländische Bewerber zum Zug kämen.

Der Traum vom Neustart in der Schweiz dürfte für manche Deutsche damit schwieriger zu verwirklichen sein.
«Da es mehr nach rechts dreht, kommen auch einige mehr»
Trotz der rückläufigen Zahlen glaubt Estermann, dass die politische Entwicklung in Deutschland durchaus Menschen zum Auswandern bewegen könnte.
«Da es mehr nach rechts dreht, kommen auch einige mehr», sagt er. Immer wieder würden sich Deutsche wegen der politischen Situation in ihrer Heimat für einen Umzug in die Schweiz entscheiden.
Sollte sich Deutschland politisch noch weiter nach rechts bewegen, könnte dieser Effekt stärker werden: «Wenn es in Deutschland noch mehr dreht, kommen sicher noch mehr.»
Vermögen lockt
Doch nicht alle, die Deutschland verlassen, tun dies aus politischen Gründen. Auch finanzielle Überlegungen spielen eine Rolle. «Vermögende kommen vermehrt», sagt Estermann.
Die Motive für eine Auswanderung seien generell vielfältig: Einige wollten sich finanziell verbessern, andere folgten der Liebe. Wieder andere suchten nach Möglichkeiten, ihr Vermögen abzusichern.
Ob der Rechtsruck in Deutschland tatsächlich mehr Menschen in die Schweiz treiben wird, bleibt offen.












