Kuno Blaser: «Ich will sagen, was es zu sagen gibt»
Kuno Blaser teilt als Ur-Oensinger allerlei Geschichten der Region mit der Öffentlichkeit. Die Neugier hat ihn das ganze Leben lang angetrieben.

Gäuer Geschichten aus dem letzten Jahrhundert, humorvolle Beiträge zu aktuellen Geschehnissen in und um Oensingen, Erzählungen und Bilder, welche zur Diskussion anregen: Kuno Blaser teilt seine Recherchen und sein breites Wissen über die Region gerne mit der Öffentlichkeit.
Dies ganz zur Freude der Facebook-Community; auf der Seite «Du bisch vo Oensingen, wenn..» postet der 73-Jährige Fakten in Bild und Wort – und lehrt einen dabei mehr als manch ein Geschichtsbuch aus der örtlichen Bibliothek.
Blaser ist ein Ur-Oensinger, bereits in der Gemeinde geboren und aufgewachsen. Mit seinen Eltern und Geschwistern verbrachte er seine Kindheit nur einen Steinwurf von seinem jetzigen Zuhause entfernt – dem Schalensteinweg blieb er bis heute treu.

Bei Kuno Blaser wähnt man sich in einem Museum; antike Sitzmöbel, ein alter Kachelofen und unzählige Unikate, sei es eine alte Modelllokomotive oder ein altes Erinnerungsstück aus seiner Lehrerzeit, ein Abtrocktuch von 1965 aus dem Frohheim-Schulhaus Olten.
Sein Zuhause spiegelt den pensionierten Sekundarlehrer als Mensch wider: «Ich war schon immer ungemein neugierig.» Im Militärdienst, als Fussball- und Hockeytrainer und als Lehrer in Olten hat Blaser gelehrt, Informationen zu teilen und Botschaften zu vermitteln.
«Geschichten fallen mir auf den Kopf»
Doch woher nimmt der Oensinger die Ideen für seine Geschichten? «Sie fallen mir auf den Kopf. Wenn ich morgens aufwache, schwebt mir bereits ein Gedanke vor, was oder wem ich heute auf die Spur gehen könnte.»
Das Interesse am Geschehen, egal aus welcher Zeitepoche, packte Kuno Blaser bereits im Kindesalter. In seinem Bücherregal steht eine 13-teilige Buchreihe, welche sein Vater dazumal erstellt hatte. Es sind Fotoalben, in denen sein Vater jedes Bild mit einer historischen Erläuterung versah.
Blaser haben diese Bücher stets fasziniert. Ferner machte er sich schon als Kind Notizen zu Berichten in der NZZ. Erfüllung in seiner journalistischen und lokalhistorischen Tätigkeit fand er später lange Jahre als Redaktor des Solothurner Jahrbuches mit Staatskalender.

34 Jahre lang, von 1975 bis 2009, unterrichtete Kuno Blaser am Frohheim-Schulhaus in Olten, Schreiben ist in den jungen Jahren zu seinem Hobby geworden. Jedoch nicht nur Geschichten von hierzulande interessieren den Oensinger.
In seiner zweiten Heimat, in Apulien (Italien), hat er eine Agentur aufgebaut. Daraus ist ein enger Draht zu den Einheimischen entstanden: «In Apulien gehöre ich zur Familie. Auch dort konnte ich mir ein Netz aufbauen und nun meine Erfahrungen, aber auch unglaubliche Gegebenheiten niederschreiben. Dafür habe ich die Internetseite «www.apulien.ch» erstellt.
«Bin moderner als manch anderer»
Täglich um 6 Uhr morgens sitzt Kuno Blaser am Küchentisch, trinkt Kaffee und liest sich durch jedes Medium: «Ich informiere mich querbeet.» Ohne Handy und Internet – für ihn unvorstellbar: «Das Netz verbindet mich mit meiner Vergangenheit und mit meiner Gegenwart. Ich stehe noch in engem Kontakt zu ganz vielen meiner ehemaligen Schülern.»

Schon früh hat er sich für das Medium interessiert: «Als das Internet aufkam, reiste ich mit meiner Klasse in das erste Internetcafé der Schweiz nach Zürich. Ich gehörte auch mit zu den ersten Lehrern, die mit Computer arbeiteten..»
Klare Worte für Oensingen
Schon viel hat er über seine Heimat erzählt, doch wie sieht er Oensingen als Dorf? In Bezug auf seine Gemeinde hat Blaser eine Vision: «Oensingen soll wohnlich bleiben, man soll einander kennen oder mindestens in einem guten Beziehungsnetz leben können. Das Vereinsleben soll spielen und wir sind dafür verantwortlich, den Nachkommen etwas zu hinterlassen, das sie gestalten können.»
Politisch tätig war der 73-Jährige nie, ein politisch denkender Mensch aber sehr wohl: «Ich vertrete meine eigene Meinung, versuche diese immer plausibel zu begründen. Diese kann mal stark links, mal stark rechts tangieren.»

Auch als Lokalhistoriker würde sich Blaser nicht bezeichnen: «Ich sauge Interessantes auf und verknüpfe Informationen miteinander. Es ist meine Neugier, welche mir täglich neue Geschichten eröffnet.»
«Überlass das Feld doch den Jungen.» Diesen Satz hörte Blaser nicht nur einmal. «Ich will mich aber trotz meines Alters nicht verstecken. Ich will sagen, was es zu sagen gibt.»





