Wie die Gemeinde Lichtensteig berichtet, wurde sie für ihre Bemühungen im Bereich Biodiversität mit dem Innovationspreis der Binding Stiftung ausgezeichnet.
Die Aeulischlucht in Lichtensteig.
Die Aeulischlucht in Lichtensteig. - Nau.ch / Simone Imhof

Was vor neun Jahren begann, trägt nun Früchte. Die Gemeinde Lichtensteig wird für die Bemühungen rund um die Biodiversität mit dem Innovationspreis der Binding Stiftung ausgezeichnet.

Dass das Thema so stark verankert ist, ist ein grosser Verdienst der Arbeitsgruppe «blühendes Lichtensteig», der Projektleiterin «Grünstadt» Sarah Brümmer und dem Werkhof Lichtensteig, welche das Thema im Alltag integrieren.

Der Gemeinderat ist hocherfreut über diese Auszeichnung und dankbar für die Arbeit der engagierten Macher. Es zeigt sich einmal mehr, dass das partizipative Vorgehen in der Stadtentwicklung innovative Projekte hervorbringt, die weit über Lichtensteig hinausstrahlen.

Es motiviert auch ganz konkret das Thema Biodiversität weiterhin aktiv in die Arbeit von Verwaltung und Behörde zu integrieren und den Bereich weiter auszubauen. Die Preisübergabe erfolgt in den nächsten Wochen.

Nachfolgend sind die Informationen der Binding Stiftung zu finden

Der Hauptpreis des «Binding Preises für Biodiversität» ist mit 100'000 Franken dotiert. Er wurde an das Projekt «Natur findet Stadt» des Naturama Aargau vergeben. Der Binding Innovationspreis für Biodiversität kann von der Jury zusätzlich zum Hauptpreis für besonders innovative Projekte zur Biodiversitätsförderung vergeben werden.

Der Binding Innovationspreis für Biodiversität 2021 geht ex aequo an - das Projekt «Genuss für Mensch und Natur» der Gemeinde Lichtensteig - das Projekt «In den Bäumen» der Simone Baumann Immobilien AG mit dem Landschaftsarchitekten Ramon Grendene und dem Architekten Jan Oesterhage.

Der mit 10'000 Franken dotierte Preis wird aufgeteilt, weil die beiden Projekte in zwei ganz unterschiedlichen Bereichen auf jeweils ihre Art und Weise als besonders innovativ für die Biodiversität eingeschätzt werden.

Beide Preisträgerschaften erhalten je Fr. 5'000.-. Die beiden Projekte wurden ausgewählt aus den insgesamt 74 Biodiversitätsförderungs-Projekten, die auf die erste Ausschreibung des Preises hin bei der Stiftung eingereicht wurden.

Laudatio für das Projekt «Genuss für Mensch und Natur»

Das Projekt «Genuss für Mensch und Natur» der Gemeinde Lichtensteig wird mit dem Binding Innovationspreis für Biodiversität 2021 ausgezeichnet. Dies, weil das Projekt die Vielfalt von Pflanzen für die Bevölkerung durch die Verbindung mit Geschmack und Genuss in vorbildlicher Weise erlebbar macht.

Das Projekt steht für ein neues Verständnis einer Gemeindeführung, die der Bevölkerung eine Mitwirkung bei der Gestaltung ihres Lebensumfelds ermöglicht. Ein sehr lebensweltlicher Zugang, der stark von den Bedürfnissen der Menschen ausgeht, ermöglicht neuartige Blicke auf die Naturvielfalt.

Besonders gut sichtbar sind beispielsweise Hochbeete neben der zentralen Bushaltestelle in der «Mini-Stadt», wo man Himbeeren direkt vom Strauch essen darf oder Arzneimittelpflanzen kennenlernen kann. Den Gaumen erfreuen auch Spalierobst an einer wichtigen Verbindungsachse, Beerensträucher bei einem oft besuchten Denkmal oder auf Erholungsflächen an der Thur.

Wer vorbeikommt, darf Früchte und Beeren selbst ernten – kosten-, aber nicht wertlos. So wird die Bevölkerung dort für Biodiversitäts-Anliegen abgeholt, wo sie sich häufig aufhält.

Ein neues Verständnis für Naturvielfalt

Auch wenn es sich teilweise um sehr kleine Flächen handelt, zeigt die Gemeinde vorbildlich, wie über die Sinne ein neues Verständnis für Naturvielfalt im Siedlungsraum geschaffen werden kann.

Eine zuerst kleine, dann grösser werdende Gruppe von Grünraum-Engagierten erstellte und verbesserte in Lichtensteig kleinere und grössere Naturräume, wo Menschen selbst Essbares von Pflanzen pflücken können.

Das ursprünglich ehrenamtliche Engagement wurde institutionalisiert und die Gemeinde schuf die Teilzeit-Stelle einer «Grünstadt-Beauftragten», die von Sarah Brümmer sowohl konzeptionell als auch praktisch mit ausserordentlichem Engagement und Ideenreichtum ausgefüllt wird.

Die Gemeinde bis hin zu Gemeinderat und -präsident trägt das Engagement für die Naturvielfalt mit und verkörpert ein neues Verständnis einer Gemeindeführung, die mit Zukunftswerkstätten das vorhandene Kreativitätspotential «bottom up» nutzt, statt «top down» zu agieren.

Lichtensteig bewirbt sich für das Label «Grünstadt Schweiz»

Lichtensteig bewirbt sich für das Label «Grünstadt Schweiz» und richtet die verwaltungsinternen Prozesse auf ein nachhaltiges Grünraum-Management aus.

Zudem ist die Gemeinde bereit, den Unterhalt von Flächen an private Trägerschaften mit Freiwilligen wie die Vereine «Blühendes Lichtensteig», NaThur oder NaturFlooz abzugeben.

Bei allen diesen vorbildlichen Leistungen von Lichtensteig gilt für andere Gemeinden und Städte: Nachmachen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

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