«Solar Vertical» zeigt Solarstrompotenzial in Surselva auf
Vertikale Solaranlagen auf Infrastrukturen im Alpenraum: Ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Graubünden zeigt Potenziale und Grenzen in der Surselva auf.

Mit dem Forschungsprojekt «Solar Vertical» untersucht die Fachhochschule Graubünden das Potenzial vertikal ausgerichteter Photovoltaikanlagen an bestehenden Infrastrukturbauten in der Region Surselva.
Ziel ist es, Gemeinden praxisnahe Entscheidungsgrundlagen zu liefern, um geeignete Standorte systematisch zu identifizieren und Solaranlagen gezielt zur Stärkung der Winterstromproduktion im alpinen Raum umzusetzen, wie die Fachhochschule Graubünden ausführt.
Anlass: «Winterstromlücke» in der Schweiz
Der Anlass für die Untersuchung von vertikal ausgerichteter Photovoltaikanlagen an bestehenden Infrastrukturbauten ist die sogenannte Winterstromlücke in der Schweiz:
Während der Energiebedarf im Winter steigt, sinkt die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen aufgrund von Schneebedeckung und geringerer Sonneneinstrahlung. Alpine Regionen wie die Surselva bieten jedoch vorteilhafte Bedingungen, da sie weniger von Nebel betroffen sind und Schnee auf vertikal installierten Anlagen schneller abrutscht.
Neu an diesem Projekt ist der Blick auf bislang oftmals unbeachtete Infrastrukturbauten. Diese liegen weder in klassischen, unberührten Naturräumen noch in bereits regulierten Bauzonen und bergen ein bisher wenig genutztes Potenzial für die Energiegewinnung.
Diese Ausgangslage wollte genutzt sein und so initiierte das Surselva Lab der FH Graubünden gemeinsam mit der Regionalentwicklung der Regiun Surselva, die zugleich eine Energieregion ist, ein Forschungsprojekt, welches gemeinsam mit dem Institut für Bauen im alpinen Raum der FH Graubünden umgesetzt wurde.
Systematische Analyse von Infrastrukturen
Im Rahmen des Projekts wurden insgesamt 563 Infrastrukturbauten – darunter Strassenanlagen, Stützmauern, Brücken, Galerien, Tunnelportale und Versorgungsanlagen – systematisch erfasst und analysiert, wobei auch Studierende des Bachelorstudiengangs Architektur mitgewirkt haben.
Nach einer ersten Filterung anhand der Anzahl Sonnenstunden und der Ausrichtung, blieben 168 Objekte für eine vertiefte Untersuchung.
Diese wurden anschliessend hinsichtlich Grösse, Verschattung, Lage und technischer Eignung bewertet und auf Grundlage dessen ein geschätztes Energiepotenzial von rund 6,7 Gigawattstunden für die Wintermonate (Oktober bis März) in der gesamten Region Surselva ermittelt.
Begrenzungen trotz grossem theoretischem Potenzial
Die Ergebnisse zeigen, dass das theoretische Potenzial zwar hoch erscheint, die tatsächliche Umsetzung jedoch durch verschiedene Faktoren eingeschränkt wird.
Viele Infrastrukturen liegen in Tallagen und werden durch umliegende Bergketten verschattet. Anlagen in abgelegenen Hochlagen scheitern häufig an fehlenden Netzanschlüssen oder sind wirtschaftlich nur für den Eigenverbrauch sinnvoll.
Weitere Herausforderungen ergeben sich durch die Vegetation, technische respektive wirtschaftliche Umsetzbarkeit, rechtliche Rahmenbedingungen sowie gestalterisch sinnvolle Integration.
Trotz dieser Einschränkungen zeigt das vom Bundesamt für Energie geförderte Projekt, dass Photovoltaikanlagen an alpinen Infrastrukturbauten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energieversorgung leisten können. Jede einzelne Anlage stellt dabei ein weiteres Puzzlestück für die erfolgreiche Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes dar.
Praxisnahe Unterstützung für Gemeinden
Zur Unterstützung der Gemeinden wurden praxisorientierte Handlungsempfehlungen entwickelt. Diese umfassen Kriterien zur Findung potenzieller Objekte, Hinweise zu Planungs- und Bewilligungsverfahren sowie Möglichkeiten zur Integration von Photovoltaik in bestehende Infrastrukturen – sowohl in additiver als auch in integraler Form.
Ein zentraler Mehrwert ist die gemeindespezifische Grundlage: Mit «Solar Vertical» erhält jede Gemeinde eine systematische Übersicht potenzieller Standorte, die auch künftig als Entscheidungsbasis dienen kann.
Da sich hingegen die rechtlichen, planerischen und technischen Rahmenbedingungen kontinuierlich verändern, werden anhand einer Checkliste konkrete Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt.
So steht den Gemeinden der Surselva erstmals eine fundierte und gleichzeitig flexible Entscheidungshilfe zur Verfügung, um das Potenzial von Infrastrukturbauten gezielt, realistisch und nachhaltig zu nutzen.






