Stadt Biel will ehemalige Fabrikliegenschaft als Turnhalle nutzen

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Biel/Bienne,

Die Stadt Biel beabsichtigt, die Liegenschaft Mattenstrasse 133 zu erwerben, um den dringenden Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur zu decken.

Blick auf Biel.
Blick auf Biel. - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Die Industrieliegenschaft Mattenstrasse 133 wurde 1959 für die Maveg AG erbaut. Das 1945 gegründete Unternehmen handelte mit Baumaschinen wie Bulldozer und Radlader.

Das Gebäude ist zentral gelegen und bietet durch seine klare Raumdisposition mit drei grossvolumigen Hallen und einem Kopfbau mit separat erschlossenen Verwaltungsräumlichkeiten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Es ist im Bauinventar als erhaltenswert eingestuft und steht aktuell zum Verkauf.

Wie die Stadt Biel schreibt, kann sie dit dem Erwerb des Gebäudes gleich mehrere anstehende Herausforderungen lösen und den dringenden Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur für Schule, Kultur und Verwaltung decken.

Zwischennutzung als Turnhalle

Vorerst soll die grosse Halle des Gebäudes als Ersatz für die Turnhallen des Collège des Platanes dienen. Denn diese sind in einem schlechten Zustand und mussten im Sommer 2024 mit Notstützen gesichert werden.

Die Nutzung der Hallen ist damit stark eingeschränkt und nur noch mit den jüngeren Schulkindern möglich.

Die geprüften Varianten für einen provisorischen Ersatz auf dem grossen Sportplatz an der Alleestrasse erwiesen sich als wenig geeignet und sind sehr kostspielig (selbst einfache Zeltkonstruktionen).

In der hohen Fabrikhalle an der Mattenstrasse 133 kann die Stadt mit einem einfachen Ausbau kurzfristig eine Übergangslösung schaffen. Diese dient auch älteren Schülern, bis die Schulturnhallen Platanes nach der geplanten Sanierung wieder uneingeschränkt nutzbar sind.

Zwischennutzung als Stadtbibliothek

Auch während der ab 2031 vorgesehenen, dringenden Gesamtsanierung des Bibliotheksgebäudes am Neumarktplatz bedarf es einer Zwischenlösung für die heutigen 1700 Quadratmeter Nutzfläche.

Mietlösungen sind jedoch im Stadtzentrum kaum vorhanden. Bisher angedachte Provisorien sind unsicher oder sehr teuer. Das Gebäude an der Mattenstrasse 133 ist aufgrund seiner Lage, seiner Grösse und seines Raumangebots gut geeignet für das benötigte Provisorium.

Die Stadtbibliothek hat bei einem grössten Teil ihres Raumbedarfs, der Lagerung des Medienbestandes in Regalen, den Arbeits- und Lesesälen oder den Verwaltungsräumlichkeiten sehr ähnliche Bedürfnisse wie das Stadtarchiv, welches auch im Gebäude am Neumarktplatz untergebracht ist.

Bei der Planung des Provisoriums sind die Einrichtungen so auszulegen, dass sie weitestmöglich der definitiven Nutzung des Gebäudes als Stadtarchiv dienen. Damit können Synergien genutzt und Kosten eingespart werden.

Nutzung als Stadtarchiv ab 2033

Mit dem voraussichtlichen Wegzug des Provisoriums der Stadtbibliothek 2033 soll das Gebäude endgültig als Stadtarchiv genutzt werden. Für dieses sucht die Stadt seit Jahren eine Lösung.

Die heutigen räumlichen Verhältnisse genügen zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrages nicht und wurden vom Kanton 2024 erneut gerügt mit der Auflage, einen rechtmässigen Zustand herzustellen. Die Magazine sind auf mehrere Standorte verteilt, auch einer in Miete bei einem privaten Anbieter in Kehrsatz.

Über dies hinaus sind die bestehenden Zwischenarchive an den Verwaltungsorten voll, da die Akten aus Platzgründen nicht an das Stadtarchiv weitergegeben werden können. Die Kosten sind gemessen an den Verhältnissen viel zu hoch und das in der Kantonsverfassung verankerte Öffentlichkeitsprinzip kann unter den herrschenden Umständen nur ansatzweise erfüllt werden.

Der Betrieb ist damit unsicher, aufwändig und nicht kundenfreundlich. Eine problematische Situation für die Erhaltung des Gedächtnisses der Stadt Biel, da einige archivierte Dokumente mehrere hundert Jahre alt sind.

Deutliche Kosteneinsparungen mit dieser Lösung

Das neue Gebäude bietet der Stadt also Möglichkeiten für Zwischennutzungen, die sonst nur mit weniger geeigneten und kostspieligeren Provisorien gelöst werden können.

Auch das Stadtarchiv lässt sich an diesem Standort im Vergleich zu einer Neubaulösung mit deutlichen Kosteneinsparungen realisieren.

Mit den neuen Nutzungen setzt die Stadt ausserdem ein beispielhaftes Zeichen und überführt ein qualitätsvolles Industriegebäude in eine neue Zukunft. Dies nicht nur in der Absicht einer deutlichen Einsparung von CO2-Emissionen, sondern auch im Sinn eines in der Bevölkerung wachsenden Bewusstseins und Engagements für den Erhalt von Zeugen der industriellen Kultur Biels.

Der Gemeinderat beantragt dem Stadtrat zwei Kredite von insgesamt 3'890'000 Franken für den Kauf der Liegenschaft und die vorläufige Bereitstellung der Turnhalle ab dem Winter 2026/27.

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