Wie die Stadt Biel-Bienne informiert, erscheint am 26. Oktober 2021 der Jahresbericht, der eine erfreuliche Entwicklung der Sozialhilfequote in Biel aufzeigt.
Der Zentralplatz in Biel.
Der Zentralplatz in Biel. - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Am 26. Oktober 2021 erscheint zum 22. Mal der Bericht des Kennzahlenvergleichs zur Sozialhilfe in Schweizer Städten. Biel ist eine der 14 Vergleichsstädte. Seit 2009 basieren die Auswertungen des Kennzahlenberichts grösstenteils auf den Daten der Schweizerischen Sozialhilfestatistik des BFS.

Erfreuliche Entwicklung in der Stadt Biel hält an

Das Schwerpunktthema des diesjährigen Berichtes fokussiert auf Bezugsverläufe in der Sozialhilfe. Dabei zeigt sich, dass wiederholter Bezug von Sozialhilfe häufig ist. Mehr als die Hälfte der Neuaufnahmen in der Sozialhilfe sind Personen, die bereits ein- oder mehrere Male von der Sozialhilfe unterstützt worden sind.

Das zeigt, dass Personen, die sich aus der Sozialhilfe lösen können oft in Prekarität weiterleben. Ihr Weg in die wirtschaftliche Selbständigkeit ist meist holprig und durch wiederkehrende Rückschläge gekennzeichnet. Es zeigt aber auch, dass sich Sozialhilfebeziehende immer wieder bemühen, ein Leben ohne Unterstützung der Sozialhilfe zu führen.

Erfreuliche Entwicklung seit 2016

Eingebettet wird das Schwerpunktthema in Analysen zur allgemeinen Entwicklung der Sozialhilfe in den 14 Vergleichsstädten. In Biel ist die Zahl der Sozialhilfefälle das vierte Jahr hintereinander gesunken.

2020 sind die Anzahl Fälle im Vergleich zu 2019 um gut 1 Prozent auf 3'494 Fälle gesunken. Ebenfalls zurückgegangen ist die Sozialhilfequote, sie liegt 2020 bei 10,5 Prozent.

Somit ist Biel die einzige der Vergleichsstädte, die ohne Mithilfe von neuen kantonalen Bedarfsleistungen (Familienergänzungsleistungen in Lausanne) die Sozialhilfequote seit 2016 deutlich (-11 Prozent) senken konnte.

Auch wenn diese erfreuliche Entwicklung seit 2016 kontinuierlich anhält, sind die sinkenden Fallzahlen im 2020 nicht mit der Dynamik in vorangehenden Jahren zu vergleichen.

Zwei Rahmenbedingungen waren ausserordentlich

Die Covid-Massnahmen des Bundes wie die Ausweitung der Kurzarbeitszeit, Erwerbsausfallentschädigung für Selbständige und die Verlängerung des Taggeldbezugs der Arbeitslosenversicherung beeinflussten direkt die Entwicklung der Fallzahlen in der Sozialhilfe.

Die Tatsache, dass über mehrere Monate keine Personen aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert worden sind, verhinderte einen Anstieg der Fallzahlen in der Sozialhilfe. Es ist jedoch zu vermuten, dass dieser nur aufgeschoben wurde und im Verlauf von 2022 kommen wird.

Nachwirkungen der Flüchtlingswelle 2015 haben 2020 zu einem Anstieg der Fallzahlen geführt. Sofern die damals neu aufgenommenen Flüchtlinge noch in der Schweiz leben und wirtschaftliche Unterstützung benötigen, werden sie ab dem Jahr 2020 durch die Sozialhilfe der Gemeinden unterstützt.

Anstieg der Sozialhilfe-Fallzahlen

In Biel wurden 2020 166 Geflüchtete neu von der Sozialhilfe unterstützt, die vorher vom Flüchtlingssozialdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) via Bundesmittel betreut wurden.

In Biel wird trotz der verbesserten Arbeitsmarktlage aufgrund der hohen Langzeitarbeitslosigkeit für 2022 mit einem Anstieg der Sozialhilfe-Fallzahlen gerechnet.

Das Engagement der Stadt für die Vermeidung von Prekarität ist Inhalt der laufenden Kampagne «Mois de la précarité – Armut verhindern», welche darauf abzielt, dass Betroffene das Hilfssystem der Stadt auch ausserhalb der Sozialhilfe kennen lernen.

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