Der Wirtschaftsraum Bern hat die Coronakrise bislang im Vergleich zu anderen Schweizer Agglomerationen einigermassen gut überstanden. Stabilisierend wirkt dabei einmal mehr der hohe Anteil der öffentlichen Verwaltung im Branchenmix.
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Die Stadt Bern. - Keystone

Dieses Fazit zieht das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics in einem am Donnerstag veröffentlichten Monitoring des Wirtschaftsraums Bern. In den sechs untersuchten Städten mit ihren Agglomerationen konnte im Pandemiejahr 2020 einzig Basel ein kleines Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent ausweisen.

Besser als der Schweizer Durchschnitt von minus 3,1 Prozent haben Genf mit minus 1,7 Prozent und der Wirtschaftsraum Bern mit minus 2,1 Prozent abgeschnitten. Unterhalb des Schweizer Durchschnitts lagen laut BAK-Monitoring Lausanne, Zürich und Luzern.

Der rund 20 prozentige Anteil der öffentlichen Verwaltung an der Wertschöpfung hat in der Bundesstadt schon so manche Wirtschaftskrise etwas abgefedert. Ausser auf die öffentliche Verwaltung kann Bern auch auf grosse Infrastrukturbetriebe wie SBB, Post und Swisscom zählen. Dazu kommen Branchen wie die Informations- und Kommunikationsindustrie und die Pharmaindustrie.

Beim Detailhandel zeigt sich gemäss BAK-Monitoring eine deutliche geografische Verschiebung der Nachfrage. In städtischen Zentren der Schweiz war der Rückgang der Ausgaben im Detailhandel während des Lockdowns viel grösser als in der Agglomeration. Auch nach dem Lockdown hat sich dieses Einkaufsverhalten fortgesetzt.

Auch der Online-Handel hat stark zugelegt. Während des ersten Lockdowns betrug die Verschiebung vom stationären zum Onlinehandel mehr als 50 Prozent. Auch nach dem Lockdown werden deutlich mehr Güter im Onlinehandel bestellt als noch im Jahr 2019.

Von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie überdurchschnittlich stark getroffen sind dagegen das im Wirtschaftsraum Bern wichtige Gesundheitswesen mit minus 4,4 Prozent und besonders der Tourismus.

Sowohl die Gastronomie und insbesondere die Beherbergung haben im Jahr 2020 stark gelitten. So ging die Wertschöpfung um rund einen Drittel zurück. Im Wirtschaftsraum Bern waren es minus 31,8 Prozent. Im Schweizer Durchschnitt sank die Wertschöpfung um 32,2 Prozent.

Vor der Coronapandemie verzeichnete der Wirtschaftsraum Bern 2017 und 2018 zwei unterdurchschnittliche Jahre des Wirtschaftswachstums. 2019 hingegen resultierte ein Plus von 2,04 Prozent. Damit lag Bern an zweiter Stelle hinter Basel mit einem Wachstum von 5,36 Prozent.

Die Gründe für das gute Wachstum des Wirtschaftsraums Bern im Jahr 2019 sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut in der dynamischen Entwicklung in der Pharmaindustrie und einer gute Entwicklung im Gesundheits- und Sozialwesen. Zudem sei auch der öffentliche Sektor nach einem Rückgang in den Jahren 2017 und 2018 wieder gewachsen.

Die Wachstumsimpulse im Wirtschaftsraum Bern stammten in den Jahren vor dem Pandemiejahr 2020 hauptsächlichen aus der Stadt Bern.

Der Wirtschaftsraum Bern umfasst 33 der 77 Gemeinden der Regionalkonferenz Bern-Mittelland.

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