Wahlplakate in Bern: Zwischen Vandalismus und Polarisierung

Andrea Bauer
Andrea Bauer

Bern,

Beschädigte Wahlplakate sind nichts Neues. Besonders betroffen sind die Plakate von FDP-Grossratskandidatin Caterina Eggli. Der BärnerBär hat nachgefragt.

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Hier zerstört ein Vandale am helllichten Tag Wahlplakate der SVP und FDP. Passiert im Februar in Muri bei Bern. - x/@tobias_frehner

Beschädigte Wahlplakate sind nichts Neues. Neu ist jedoch die Härte, mit der derzeit einzelne Sujets attackiert werden. Besonders betroffen sind die Plakate von FDP-Grossratskandidatin Caterina Eggli.

Warum gerade sie? Der BärnerBär hat bei ihr und beim Wahlkampfleiter der FDP Kanton Bern, Tobias Frehner, nachgefragt.

«Früher hat man Kandidierenden vielleicht eine Clownnase oder Teufelshörnchen aufs Plakat gemalt. Aber diese rohe Gewalt gegen Plakate oder sogar ganze Plakatständer, wie wir sie derzeit erleben, ist für mich neu», sagt Frehner.

Reaktionen auf einen Wahlkampf seien zwar grundsätzlich ein Zeichen dafür, dass ein Thema bewege. «Aber in einer Demokratie gibt es klare Grenzen. Man muss auch andere Meinungen aushalten können.»

Auch Caterina Eggli wertet die wiederholten Vandalenakte nicht primär als persönlichen Angriff. Für sie sind sie vielmehr Ausdruck einer Verrohung der politischen Auseinandersetzung.

«Dass Wahlmaterial beschädigt wird, sagt aus meiner Sicht mehr über jene aus, die zu solchen Mitteln greifen, als über die Inhalte oder Personen, die dargestellt sind.»

Klare Positionen erhöhen die Angriffsfläche

Nach Einschätzung von Frehner hängt die starke Reaktion auch mit Egglis Sichtbarkeit zusammen. Sie sei im laufenden Wahlkampf sehr präsent und werde entsprechend stark wahrgenommen.

Das sei zwar gewünscht, führe aber auch zu mehr Resonanz – im positiven wie im negativen Sinn.

FDP Wahlplakate
Beschädigte Wahlplakate sind nichts Neues. Aktuell sind die Plakate von FDP-Grossratskandidatin Caterina Eggli besonders betroffen. - zVg

Eggli selbst sagt dazu: «Ich nehme durchaus wahr, dass klare Positionen und ein entschlossener Auftritt stärker polarisieren können, insbesondere bei Frauen.» Frauen, die sichtbar Haltung zeigten und von traditionellen Erwartungen abweichen, würden noch immer teilweise auf Widerstand stossen.

«Das sollte uns als Gesellschaft zu denken geben», findet sie. Trotz der Vorfälle zieht Eggli eine positive Zwischenbilanz. Sie erlebe im aktuellen Wahlkampf viele engagierte und faire Begegnungen mit der Bevölkerung.

«Die grosse Unterstützung, die ich spüre, steht für mich klar im Vordergrund und relativiert solche Vorfälle.»

Warum die FDP auf KI setzt

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Wahlplakaten liess die FDP den Wahlkreisen nach eigenen Angaben freie Hand.

Aus Sicht der Partei bringt dies vor allem praktische Vorteile: Der Aufwand sei geringer, die Kosten tiefer und es bleibe mehr Budget für die Werbung der einzelnen Kandidierenden.

Der Einsatz von KI sei auf der FDP-Wahlplattform (bernwaehlt.ch) immer transparent ausgewiesen worden.

Nerven dich die vielen Wahlplakate?

Entscheidend sei für die Partei, dass die Kandidierenden sich mit dem verwendeten Bild identifizieren könnten und ihre Persönlichkeit darin erkennbar bleibe. Insgesamt setze die FDP in diesem Wahljahr auf ein schlichtes Design mit klarer Wiedererkennbarkeit.

«Entscheidend ist die Authentizität der Person»

«Die Entscheidung für das KI-unterstützte Bild war nicht mein persönlicher Entscheid», sagt Eggli. Dieser sei von der Partei beziehungsweise der Wahlkampfleitung getroffen worden.

Sie trage ihn jedoch mit. Für sie entspricht die Nutzung solcher Mittel dem heutigen visuellen Zeitgeist. Bildbearbeitung sei längst Alltag, KI in diesem Sinne eine Weiterentwicklung bestehender Möglichkeiten.

Wichtiger als die technische Entstehung eines Bildes sei für sie die Glaubwürdigkeit der Person dahinter. «Entscheidend bleibt für mich nicht das Bild selbst, sondern die Authentizität der Person dahinter.» Diese zeige sich im politischen Handeln und im persönlichen Umfeld.

Wahlplakate
Von den Angriffen auf die Wahlplakate will sich Caterina Eggli nicht beirren lassen. - zVg

Von den Angriffen will sich Caterina Eggli denn auch nicht beirren lassen. Im Gegenteil: Die Vorfälle bestärkten sie darin, ihren Weg konsequent weiterzugehen.

«Mein Fokus liegt klar darauf, mich weiterhin engagiert für die Anliegen der Menschen im Kanton Bern einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen – sachlich, lösungsorientiert und mit Überzeugung.»

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